MedTech-Branche 06.01.2026, 17:30 Uhr

Medizintechnik führend bei den europäischen Patentanmeldungen

Mehr als 200.000 Patentanmeldungen in den Jahren 2012 bis 2022 zeigen, wie kreativ die europäische Medizintechnik-Branche ist. Erfreulich: Deutschland liegt dabei deutlich vor den anderen Ländern Europas.

Medizintechnik

Im europäischen Vergleich dominiert Deutschland die Patentanmeldungen in der Medizintechnik-Branche.

Foto: Smarterpix/rossandhelen

Die Medizintechnik-Branche beweist Innovationskraft: Zwischen 2012 und 2022 hat sie beim Europäischen Patentamt über 200.000 Patente angemeldet. Das sind durchschnittlich 18.850 Anmeldungen pro Jahr. Die Zahlen hat der Bundesverband für Medizintechnik (BVmed) zusammengestellt. Sie belegen, wie sehr Medizintechnik-Unternehmen in Forschung und Entwicklung investieren, um neue Lösungen für Patienten und medizinische Fachkräfte bereitzustellen. Der kontinuierliche Anstieg zwischen 2012 und 2020 zeigt, dass sich die Branche weiterentwickelt.

Europas Innovationspower in der Medizintechnik

Das Patentwesen dient als wichtiger Gradmesser für Innovationen. Patentanmeldungen offenbaren den Output von Forschungsaktivitäten – jenes „generierte neue Wissen“, das Unternehmen praktisch umsetzen. Während viele Analysen nur die Inputseite betrachten, etwa die Anzahl von Fachkräften oder die Höhe der Forschungsbudgets, bieten Patente einen verlässlichen Spiegel der tatsächlichen Innovationen. Für die Medizintechnik existierte bisher keine spezialisierte Analyse dieser Art – eine Forschungslücke, die jetzt geschlossen wird.

Wachstumstrends und der Wendepunkt 2022

Die Entwicklung verläuft nicht linear: Die Patentanmeldungen stiegen von 16.055 im Jahr 2012 um beachtliche 31 Prozent auf über 21.000 im Jahr 2020. Der stärkste Zuwachs ereignete sich zwischen 2013 und 2014 mit 10,2 Prozent – ein klares Zeichen expandierender Innovationstätigkeit. Ein zweiter starker Anstieg folgte zwischen 2019 und 2020 mit 5,2 Prozent. Doch diese positive Bilanz wird durch einen beunruhigenden Rückgang getrübt: Im Jahr 2022 sanken die Patentanmeldungen um 12,4 Prozent auf nur noch 18.447, also etwa 2.600 weniger Anmeldungen als im Vorjahr.

Vielfältige Ursachen für Rückgang

Die Ursachen für diesen Rückgang sind vielfältig. Mögliche Erklärungen reichen von Nachwirkungen der COVID-19-Pandemie über veränderte Patentstrategien von Medizintechnik-Firmen bis hin zu einer tatsächlichen Reduktion von Forschungsaktivitäten. Allerdings müssten weitere Kennzahlen – wie branchenspezifische Ausgaben für Forschung und Entwicklung – herangezogen werden, um ein vollständigeres Bild zu bekommen und die Ursachen für den Rückgang exakter identifizieren zu können. Das ist bislang nicht erfolgt.

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Medizintechnik-Klassifikation und Kategorien

Die Internationale Patentklassifikation (IPC) strukturiert alle Anmeldungen systematisch. Zwölf IPC-Unterklassen bilden die Medizintechnik-Branche ab und zeigen ihre Vielfalt: Innovationen verteilen sich auf Physik wie Röntgentechnik, Elektrotechnik etwa für Elektrotherapie und Informatik für digitale Medizinsysteme. Die Klassifikation ermöglicht, dass Patente für einzelne komplexe Medizinprodukte mehreren Klassen zugeordnet werden, um alle erfinderischen Aspekte erfassbar zu machen. Diabetespumpen beispielsweise erhalten Klassifikationscodes für Software, Auslesbarkeit, Diagnostik und Datensicherung.

PATSTAT-Datenbank als Basis

Grundlage für die Patentanalysen war die PATSTAT-Datenbank des Europäischen Patentamtes. Diese Plattform bietet weltweite Daten in harmonisierter IPC-Klassifizierung. Heruntergeladene und digital verarbeitete Suchergebnisse geben Aufschluss über Trends – eine seit September 2025 angewandte Methode. Die Datenbasis bildet der Zeitraum von 2012 bis 2022, wobei 2022 den jüngsten vollständigen Jahrgang darstellt, da Patente erst nach 18 Monaten offengelegt werden.

Diagnostik und neuer Technologien dominieren

Der Bereich „Diagnostik, chirurgische Instrumente und Abdeckungen“ dominiert mit knapp 40 Prozent aller Patentanmeldungen, insgesamt 72.000. Danach folgen „Vorrichtungen zum Einbringen von Substanzen in den Körper“ mit 33.000 Anmeldungen und „Prothesen, Bandagen und implantierbare Filter“ mit 26.000 Anmeldungen. Besonders bemerkenswert ist die schnell wachsende Klasse „Informations- und Kommunikationstechnik in der Medizin“, die 2021 bereits elf Prozent aller Anmeldungen ausmachte.

Hybride Systeme verbinden

Diese Verschiebung hin zu digitalen Lösungen markiert einen Wendepunkt. Die Medizintechnik-Branche investiert zunehmend in Schnittstellen zwischen Hardware und Software, in Datenanalyse und Vernetzung medizinischer Geräte. Wo früher rein mechanische oder elektrotechnische Innovationen dominierten, entstehen nun hybride Systeme, die Diagnose, Therapie und Monitoring intelligent verbinden. Dieser Trend zeigt: Die Medizintechnik wird zunehmend digital geprägt. Der europäische Standard bleibt dabei stabil und zuverlässig. Das Patentverfahren beim Europäischen Patentamt bietet ein transparentes, anerkanntes System zur Sicherung von Innovationen.

Internationale Wettbewerbsposition analysieren

Die deutsche Medizintechnik-Industrie prägt national und europäisch den Patentmarkt. Auf globaler Ebene jedoch wirkt sie abgeschlagen. Etwa 80 Prozent aller Patentanmeldungen des betrachteten Zeitraums gehen auf chinesische Erfindungen zurück. China und die USA dominieren weltweit die Innovationslandschaft in diesem Bereich. Dies sollte Herausforderung und Ansporn zugleich für Ingenieurinnen und Ingenieure sein, noch mehr Energie in Zukunftstechnologien zu investieren.

Ein Beitrag von:

  • Anke Benstem

    Anke Benstem ist freie Journalistin, Buchautorin und Texterin. Sie gehört zum Team von Content Qualitäten. Ihre Themen: Klima und Umwelt.

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