Maker 17.10.2017, 07:21 Uhr

Hilfreiche Technik für Menschen mit Beeinträchtigung

Auf der Rehacare präsentierten Wissenschaftler, Forscher, Maker und Betroffene ihre technischen Lösungen für Menschen mit Behinderung. Die Vielfalt ist erstaunlich.

Für Blinde und sehbeeinträchtigten Menschen wurden bspw. Produkte entwickelt, die visuelle Eindrücke haptisch wiedergeben können.

Foto: VDI nachrichten/Bettina Reckter

Rheuma ist eine Volkskrankheit in Deutschland, sie trifft alte ebenso wie junge Menschen. Dabei entzünden sich die Gelenke, viele Betroffenen können Gegenstände nur noch schwer greifen. Einfache Hilfsmittel, mit denen ein Kugelschreiber oder ein Schraubverschluss wieder greifbar werden, sind gefragt. Im Projkt SLSASSIST werden deshalb Kurse entwickelt, die Rheumapatienten den Umgang mit CAD-Software, 3D-Scannern und -Druckern lehrt. In Maker Spaces oder Fab Labs, die es mittlerweile in jeder größeren Stadt in Deutschland gibt, sollen sie ihre individuellen Hilfsmittel dann selbst herstellen. 

Foto: Fraunhofer Umsicht

Menschen, die unter schmerzhaften Gelenkerkrankungen leiden, bewegen sich weniger. Um die Therapie bei betroffenen Kindern und Jugendlichen zu unterstützen, haben Forscher der Hochschule für angewandte Wissenschaften in München eine Orthese entwickelt. Sie soll individuell anpassbar und bezahlbar sein. Dafür werden die betroffenen Körperteile erfasst. An einem CAD-Modell wird anschließend eine individuell Orthese entworfen und im Laser-Sintering-Verfahren ausgedruckt. Die nötigen elektronischen Komponenten, die zur therapeutischen Korrektur benötigt werden, kommen aus dem Makerbereich und sind deshalb vergleichsweise günstig. 

Foto: HS München, Projektgruppe Aproach

Um schnelle Hilfe für amputierte Menschen geht es auch im folgenden Projekt Custom DIY Limbs von der Makea Industries GmbH, Berlin. Das Fab Lab arbeitet allerdings daran, Menschen die Möglichkeit zu geben, sich ihren Testschaft für die Unterschenkelprothese selbst zu kreieren. Dafür sollen die Kunden in ein Fab Lab ihrer Wahl gehen können, ihren Unterschenkelstumpf dreidimensional einscannen, dann mittels einer kostenfreien Software ein 3D-Modell erstellen und vor Ort ausdrucken. Hilfestellung gibt von einem erfahrenen Orthopädietechniker.

Foto: Makea Industries GmbH

Wie viele Menschen in Deutschland genau von Blindheit oder einer Sehbehinderung betroffen sind, weiß keiner. Es gibt dazu keine Erhebung. Das Forschungszentrum Informatik (FZI) hat sich dennoch daran gemacht, diesen Menschen zu helfen. Mittels eines Stirnbands, auf dem LiDAR-Detektoren angebracht sind, messen die Forscher Entfernungen und warnen den Träger vor auftauchenden Hindernissen. Sobald sich ein solches nähert, bekommt der Träger einen Vibrationshinweis auf einen Handschuh oder einen Gürtel. LiDAR steht für „light detection and ranging“. 

Foto: VDI Technologiezentrum, Uwe Frauendorf

Das Projekt Haptivest ist zwar nicht Teil des Wettbewerbs „Light Cares“, es passt aber so gut in die Reihe: Ein Team der RWTH Aachen hat sich nämlich ebenfalls überlegt, wie blinden und sehbehinderten Menschen zu helfen sei. Das Ergebnis: Ein Gürtel, der dem Träger seine Umgebung fühlen lässt. Dafür ist in dem Gurt eine Kamera verbaut, die die Umgebung vor dem Träger filmt. Die Aufnahme wird dann auf die über hundert Vibrationsmotoren übertragen, von denen jeder einen eigenen Pixel darstellt. Wenn sich ein Gegenstand oder ein Mensch nähert, vibrieren die einzelnen Motoren und signalisieren dem Träger, dass sich ein Objekt nähert. Projektlaufzeit: 01.06.2010 bis 31.05.2019. 

Foto: VDI Technologiezentrum GmbH, Leo Seidel

Nicht nur im öffentlichen Raum, auch Zuhause oder auf der Arbeit, stoßen Menschen mit Sehbehinderung an Grenzen. Etwa bei der Kaffeemaschine, die über ein Touchscreen funktioniert. Ein Team unter Martin Koch, Professor an der Philipps- Universität Marburg, entwickelt dafür ein Anzeigensprachkonverter. Er ersetzt hilfsbereite Kollegen oder Mitbewohner und spricht die dargestellten Informationen laut aus. Da die Informationen des Displays über eine Webcam erfasst und dann mittels Mikrocontroller verarbeitet werden, könnten herkömmliche Geräte einfach mit dem neuen System nachgerüstet werden. 

Foto: VDI Technologiezentrum GmbH, Uwe Frauendorf

Menschen mit Behinderung arbeiten in Deutschland häufig in sogenannten Werkstätten. Sie agieren nach ökonomischen und sozialen Standards, was die Ausbildung und Eingliederung nicht selten zu einem Kraftakt machen. Das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung (IPA) entwickelte für die rund 700 deutschen Werkstätten ein System, das Menschen an ihren Arbeitsstellen anleitet und bei jedem anstehenden Arbeitsschritt begleitet. Dafür werden die Arbeitsschritte mit einer 2D-Kamera aufgezeichnet und mit speziellen Algorithmen überprüft. Liegt ein Fehler vor, schaltet sich ein rotes Licht ein. Eine Nachbauanleitung gibt es hier.

Foto: Fraunhofer IPA, Rainer Bez

Warum beeinträchtige Menschen in eigenen Werkstätten von der übrigen Arbeitswelt ausschließen, fragten sich die Forscher an der TU Dortmund und entwickelten einen Maker Space, der speziell auf die Bedürfnisse behinderter Menschen ausgerichtet ist. Dort sollen sich Betroffenen gemeinsam mit Makern ihre Hilfsmittel selbst herstellen können. Gemeinsam mit dem Fab Lab der Hochschule Ruhr West sollen zunächst bestehende Schwierigkeiten erfasst werden, um dann die üblichen Werkzeuge in Maker Spaces für beeinträchtige Menschen zugänglich zu machen und eigene Produkte für spezielle Bedürfnisse zu entwickeln.

Foto: TU Dortmund, Oliver Schaper

Sinnvolle Produkte haben sich die Mitarbeiter des Wissenschaftsladens Potsdam e.V. ausgedacht. In ihrem Projekt Fabulandlabs sollen sie entwickelt und mitsamt Bauanleitung öffentlich zugänglich gemacht werden. Ob Haltungen für den Arbeitsplatz, großflächige Tastaturen oder Greifhilfen für Besteck, Ideen gibt es schon einige.

Foto: Wissenschaftsladen Potsdam e.V.

Ein weiteres Projekt der Makea Industries GmbH richtet sich an Rollstuhlfahrer. Rund 1,5 Millionen Menschen in Deutschland sind auf einen Rollstuhl angewiesen, doch die Funktionalität und das Design lassen in weiten Teilen zu wünschen übrig, so die Projektpartner. Sie haben Produkte entwickelt, die selbst gebaut werden können und jeden Rollstuhl aufwerten können: etwa ein Beleuchtungsset für die Vorder- und Rückseite, sodass man sich nicht mehr im Fahrradshop eindecken muss, aber auch eine Unterbodenbeleuchtung für stilbewusste Rollstuhlfahrer. Auch ein Transportanhänger gehört zum Produktumfang, der hier eingesehen werden kann.

Foto: Makea Industries GmbH, Jonas Schubert

Technik soll den Menschen dienen. Dieses Mantra ist selten so eindrucksvoll wahr wie in der Medizintechnik und in den technischen Produkten, die für Menschen mit körperlichen oder geistigen Einschränkungen entwickelt werden. Auf der Rehacare 2017 wurden gleich zehn Projekte präsentiert, die mit Werkzeugen aus Licht, Hilfen zur Selbsthilfe leisten wollen

Der Wettbewerb „Light Cares ­– Photonische Technologien für Menschen mit Behinderung“ wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit einer Million Euro gefördert. Hinter den Projekten stehen jeweils Teams aus Nutzern, Forschern, Wissenschaftlern sowie Makern, die gemeinsam an der Verwirklichung und Umsetzung dieser Produkte gearbeitet haben, bzw arbeiten.

Das Besondere an der Initiative: Der Wettbewerb und sämtliche Teilnehmer haben sich dem Open-Innovation-Gedanken verschrieben. Sämtliche Baupläne, 3D-Modelle und Hinweise auf die genutzten Technologien wie Lasercutter oder 3D-Drucker werden zum Abschluss der Förderphase öffentlich zugänglich gemacht.

Also klicken Sie sich durch unsere Bildergalerie und lassen sich inspirieren von den Möglichkeiten und der Vielfältigkeit photonischer Technologien.

 

Von Lisa Schneider

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