Herzschrittmacher im Miniformat 08.06.2015, 08:59 Uhr

Düsseldorfer Uniklinik setzt 82-Jährigem erste Kardiokapsel ein

Erstmals haben Mediziner des Universitätsklinikums Düsseldorf einem 82-jährigen Patienten den weltweit kleinsten Herzschrittmacher direkt ins Herz implantiert. Von dort versorgt er das Herz kabellos mit elektrischen Impulsen. 

Die Kardiokapsel Micra (li.) ist nur ein Zehntel so groß wie ein herkömmlicher Schrittmacher. Sie wiegt 1,75 g, ist 26 mm lang und hat einen Durchmesser von 6,7 mm.

Die Kardiokapsel Micra (li.) ist nur ein Zehntel so groß wie ein herkömmlicher Schrittmacher. Sie wiegt 1,75 g, ist 26 mm lang und hat einen Durchmesser von 6,7 mm.

Foto: Medtronic

Er hat nur die Größe einer Vitamintablette und übernimmt doch die lebenswichtige Aufgabe, das Herz schlagen zu lassen: der kleinste Herzschrittmacher der Welt mit dem Namen Micra. Nur ein Zehntel so groß wie bisherige Schrittmacher misst die Kardiokapsel Micra gerade mal 26 mm bei einem Durchmesser von 6,7 mm und einem Gewicht von 1,75 g.

Darin befinden sich Batterie, Herzmessung und Taktgeber. Der kleinste Herzschrittmacher der Welt funktioniert ohne Kabel und Drähte. Micra verfügt über winzige Titanärmchen, die sich a der Herzinnenwand verankern. Von dort gibt der Schrittmacher über eine Elektrode an der Spitze des Gerätes die notwendigen elektrischen Impulse für die Aktivität des Herzens ab. Hergestellt wird Micra von der Firma Medtronic.

Minimalinvasiver Eingriff

Anders als bisher verwendete Herzschrittmacher, die mit einem Schnitt unterhalb des Schlüsselbeins implantiert werden, wird die Kardiokapsel durch die Leistenvene in die rechte Herzkammer vorgeschoben. An der richtigen Stelle nahe der Herzspitze angekommen, wird Micra im Herzmuskelgewebe verankert. Übrig bleibt nur eine kleine Narbe in Hüfthöhe, die vom Zugang für den Katheter herrührt.

Der kleinste Herzschrittmacher der Welt wird über ein Kathedersystem an der Herzinnenwand platziert. Die filigranen Titanhäkchen verankern sich dort.

Der kleinste Herzschrittmacher der Welt wird über ein Kathedersystem an der Herzinnenwand platziert. Die filigranen Titanhäkchen verankern sich dort.

Foto: Medtronic

Dort wo die Kardiokapsel die Herzwand berührt, gibt sie elektrische Impulse ab und sorgt damit für einen koordinierten und kräftigen Herzschlag des Patienten.

Geringes Infektionsrisiko und keine Narbe mehr

Die Kardiokapsel ist besonders für Patienten hilfreich, für die aufgrund einer Vorerkrankung eine Herzschrittmacherimplantation über die Vene unterhalb des Schlüsselbeins schwierig oder gar unmöglich ist. „Für den Patienten heißt das: Ein voraussichtlich geringeres Infektionsrisiko und keine Narbe mehr unter dem Schlüsselbein durch das deutlich geringer invasive Implantieren“, fasst Privatdozent Dr. Dong-In Shin, Leiter der Abteilung für Rhythmologie, die Vorteile zusammen.

Dr. Dong-In Shin: Er setzte die erste Kardiokapsel bei einem Patienten ein.

Dr. Dong-In Shin: Er setzte die erste Kardiokapsel bei einem Patienten ein.

Foto: Bernhard Timmermann/UKD

Er hat dem 82-jährigen Patienten die erste Kardiokapsel von Medtronic in Deutschland implantiert. Dem Mann geht es laut Uniklinik gut.

Allein in Deutschland leben eine halbe Million Menschen mit Herzschrittmacher

Etwa 500.000 Menschen tragen in Deutschland einen Herzschrittmacher. Herzschrittmacher senden elektrische Signale an das Herz. Daraufhin wird die Herzfrequenz beschleunigt und das Herz findet wieder zum richtigen Rhythmus. Mit dem Herzschrittmacher wird der verlangsamte Herzschlag am häufigsten therapiert. Die neue Kardiokapsel Micra wird bei Patienten eingesetzt, wenn nur die rechte Herzkammer stimuliert werden muss.

Die Batterie hat eine Lebensdauer von ungefähr zehn Jahren. Die CE-Zulassung wurde am 14. April 2015 erteilt. Sie basierte auf Studienergebnissen von 60 Patienten. Insgesamt nehmen an der Studie 720 Patienten aus 19 Ländern teil. Die Studie ist noch nicht abgeschlossen.

Von Petra Funk
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