Chip unter der Haut 22.08.2014, 12:43 Uhr

Bill Gates finanziert elektronische Verhütung für Entwicklungsländer

Microsoft-Gründer Bill Gates finanziert die Entwicklung einer neuen Verhütungsmethode für Frauen in Entwicklungsländern: Ein Mikrochip unter der Haut gibt 16 Jahre lang regelmäßig eine Hormondosis an den Körper ab. Erste Tests an Patienten sollen 2016 starten. 

Vielen afrikanischen Frauen stehen keine Verhütungsmittel zur Verfügung. Der Mikrochip der MIT-Forscher soll sich unter lokaler Betäubung unter die Haut setzen lassen und das Thema Verhütung für 16 Jahre lang regeln. 

Vielen afrikanischen Frauen stehen keine Verhütungsmittel zur Verfügung. Der Mikrochip der MIT-Forscher soll sich unter lokaler Betäubung unter die Haut setzen lassen und das Thema Verhütung für 16 Jahre lang regeln. 

Foto: dpa

An der Idee von Bill Gates arbeiten US-amerikanische Forscher um Robert Farra am Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Cambridge. Sie haben dafür die Firma Microchips gegründet, die von der Bill und Melinda Gates Foundation mit 3,4 Millionen Euro unterstützt wird. Mit dem zwei Zentimeter kleinen Verhütungschip will der Microsoft-Gründer speziell Frauen in Entwicklungsländern helfen, die überhaupt keine Möglichkeit zur Verhütung haben. Der Chip lässt sich mit einem kleinen Eingriff bei örtlicher Betäubung einsetzen.

Chip gibt monatlich das Hormon Progestin ab

Ist der Chip erst einmal implantiert, kann er von der Frau mit einer Fernbedienung aktiviert werden. Dann gibt er jeden Monat eine bestimmte Dosis des Hormons Progestin an den Körper ab. Dieses Hormon verhindert den Eisprung und somit eine Schwangerschaft.

Während beispielsweise die Hormonspirale nicht immer die gleiche Menge des Hormons abgibt, funktioniert der Chip anders. Dort gibt es einzelne Kammern, in denen bestimmte Hormondosen gespeichert werden können. „Ein kleiner Computer und eine Uhr auf dem Chip sorgen dafür, dass genau zur richtigen Zeit jeden Monat immer die gleiche Progestin-Menge abgegeben wird“, erklärt Robert Farra. Entscheidet sich die Frau dazu, schwanger werden zu wollen, kann sie den Chip einfach per Fernbedienung abschalten.

Der Mikrochip der MIT-Forscher: Strom aus einer Batterie sorgt dafür, dass ein Verschlusssiegel aus Titan und Platin schmilzt und das Hormon aus einer Kammer austritt. 

Der Mikrochip der MIT-Forscher: Strom aus einer Batterie sorgt dafür, dass ein Verschlusssiegel aus Titan und Platin schmilzt und das Hormon aus einer Kammer austritt. 

Quelle: Microchips

Strom aus einer Batterie bewirkt, dass ein Verschlusssiegel aus Titan und Platin schmilzt und das Hormon aus der Kammer ins Gewebe der Frau austritt. Diese Möglichkeit der genauen Hormondosierung soll geringere Nebenwirkungen haben als die Hormonspirale oder Verhütungsstäbchen. Derzeit wurden erst acht Frauen mit dem Mikrochip ausgestattet, die jedoch über den Chip ein Osteoporosemedikament erhalten haben.

Neue Verhütungsmethode soll 2018 auf den Markt kommen

2016 soll die neue Verhütungsmethode erstmals an Patienten getestet werden, die Markteinführung ist für 2018 geplant. Doch bis dahin müssen noch Sicherheitsbedenken geklärt werden. Die Amerikanische Arzneimittelzulassungsbehörde FDA lässt nämlich Tests erst zu, wenn das Risiko der Datenübertragung geklärt ist. Derzeit kommunizieren Chip und Fernbedienung über ein Funksignal, das noch unverschlüsselt ist. „Jemand könnte das Implantat also auch ohne Fernbedienung ein oder abschalten“, erklärt Thomas Rabe, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologische Endokrinologie und Fortpflanzungsmedizin (DGGEF).

Bis der Verhütungschip auf den Markt kommen kann, muss nicht zuletzt die Wirkung des Hormons untersucht werden. „Es bleibt abzuwarten, ob der Chip in der jetzigen Form wie gewünscht als Minipille wirkt oder als Pille danach“, so Rabe. Dabei ist besonders zu beachten, wie der Körper das Hormon aufnimmt. Ändern kann sich die Wirkung auch dann, wenn sich beispielsweise eine Kapsel um das Implantat bildet. 

Rabe sieht eine großes Potenzial für Medikamentenchips in der Medizin. Diabetiker, die täglich Insulin benötigen, hätten es mit einem Mikrochip einfacher. Gearbeitet wird derzeit auch an Mikrochips, die das Medikament Interferon bei der Autoimmunerkrankung Multiple Sklerose abgeben können. 

Von Petra Funk

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