35 % weniger Infektionen 21.07.2014, 13:11 Uhr

Bakterienundurchlässige Folie schützt Wundränder wirksam vor Krankenhauskeimen

Werden die Wundränder während eines chirurgischen Eingriffs mit einer bakterienundurchlässigen Folie geschützt, können Krankenhausinfektionen um ein Drittel reduziert werden. Diese Maßnahme hat sich insbesondere bei operativen Eingriffen an Dick- und Mastdarm erfolgreich bewährt. Erstmals gibt eine Studie nun fundierte Informationen über den Erfolg dieser nicht neuen Methode. 

Die Abdeckung von Wundrändern bei einer Operation mit einer Folie kann die Ansteckung mit Keimen verhindern. In einer Studie an 15 Kliniken konnte die Zahl der Infektionen um 35 Prozent gesenkt werden.

Die Abdeckung von Wundrändern bei einer Operation mit einer Folie kann die Ansteckung mit Keimen verhindern. In einer Studie an 15 Kliniken konnte die Zahl der Infektionen um 35 Prozent gesenkt werden.

Foto: TU München/Klinikum rechts der Isar

Die Operation ist erfolgreich überstanden, doch der Patient ist nicht geheilt. Jährlich sterben bis zu 15.000 Menschen an den Folgen eines Krankenhausaufenthaltes – den vielgefürchteten Krankenhauskeimen. Bis zu 200.000 Patienten sind von Komplikationen durch sogenannte nosokomiale Infektionen nach einer Operation betroffen. Dabei handelt es sich um die häufigste postoperative Komplikation.

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Eine Behandlung nach solch einer Ansteckung dauert lange und ist in ihren Therapiemöglichkeiten deutlich beschränkt, wenn es sich dabei auch noch um antibiotika-resistente Keime handelt. Bis zur Identifizierung des Erregers kann es dann auch noch einige Tage dauern – eine große Gefahr für operierte Patienten.

Klassische Hygieneregeln alleine reichen nicht aus

Zwar wurden in den Kliniken die Hygieneregeln inzwischen stark erhöht. Doch sterilisierte OP-Instrumente, die Desinfektion von Händen und weitere Maßnahmen reichen nicht. Eine Lösung könnte eine althergebrachte Methode bieten, dessen Nutzen Münchener Wissenschaftler nun erstmals nachweisen konnten.

Eine bakterienundurchlässige Folie, die während eines chirurgischen Eingriffs um die Wundränder gelegt wird, schützt vor Infektionen. Keime können erst gar nicht in die Wunde hineingelangen. Diese Maßnahme untersuchten die Wissenschaftler um Professor Jörg Kleeff von der Chirurgie am Klinikum rechts der Isar erstmals in einer Studie. Dabei zeigte sich, dass bei der Patientengruppe, bei der die Bauchfolie während der OP angewendet wurde, 35 Prozent weniger Wundinfektionen entstanden, als bei der Kontrollgruppe, bei der die Ärzte nur die standardisierte Abdeckung mit Bauchtüchern verwendeten.

Ein Drittel weniger Krankenhausinfektionen durch Folie

Bei bauchchirurgischen Eingriffen ist die Infektionsgefahr besonders hoch. Besonders effektiv ist die Verwendung der Bauchfolie daher bei operativen Eingriffen am Mast- und Dickdarm, wo sich besonders viele Bakterien tummeln und in die Wunde geraten können. „Konservativ geschätzt ließen sich mit der Bauchfolie rund ein Drittel der postoperativen Wundinfektionen in der Abdominalchirurgie verhindern. Das sollte uns dazu veranlassen, die Bauchfolie flächendeckend in der Chirurgie zu etablieren“, rät Kleeff.

Dabei ist die Methode der Wundrandabdeckung nicht neu. „Viele Studien wurden methodisch so unzureichend durchgeführt, dass keine fundierte Aussage über die Effektivität der Bauchfolie getroffen werden konnte“, so Kleef. „Mit unserer aktuellen Studie, in die über 600 Patienten einbezogen wurden, haben wir dazu jetzt belastbare Zahlen.“ Die Studie wurde mithilfe des chirurgischen Studiennetzwerks CHIR-Net an 15 Partnerkliniken durchgeführt. Der positive Effekt wurde an allen beteiligten Kliniken festgestellt. „Das untermauert unsere Ergebnisse sehr solide“, erklärt der Chirurg. 

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