Augenhöhlenchirurgie 08.01.2021, 06:58 Uhr

Weltneuheit bei AR-Technologie: Ärzten gelingt Unglaubliches im OP

Ein Chirurg, der mit einer HoloLens-Brille auf dem Kopf operiert: So könnte die Zukunft im OP-Saal aussehen. Einem Ärzteteam aus Israel ist dank 3D-Technik und Augmented Reality eine Weltneuheit in der Augenmedizin gelungen.

Ärzte im OP-Saal mit Augmented Reality Brille

Israelische Chirurgen führen weltweit erste 3D-AR-Augenhöhlenchirurgie durch. (Symbolbild)

Foto: panthermedia.net/Romaset

Das neue Jahr hat mit einer Weltneuheit aus der Medizintechnik begonnen: Ärzten des Galilee Medical Center in Nahariya, Israel, ist eine Operation an den Augen mithilfe von Augmented Reality (AR) und 3D-Technologie gelungen. Der 31-jährige Patient litt unter Augenhöhlenfrakturen. Die Kombination aus medizinischem Wissen und technologischer Unterstützung führt zu bahnbrechenden Leistungen.

Nach der Operation sagte der Professor und Generaldirektor des Galilee Medical Center: „Die Zukunft ist schon da.“

Der Patient erlitt schwere Verletzungen im Gesicht – der Boden seiner linken Augenhöhle wies Brüche auf. Das führte zu starken Beeinträchtigungen und dem Wahrnehmen von Doppelbildern. Bei der Operation verwendeten die Ärzte eine gänzlich neue Methode: eine Kombination aus AR und 3D-Technologie. Die Ausführungen des operierenden Arztes wurden so besonders präzise. Zudem verringerte sich die Zeit des Eingriffs signifikant.

HoloLens für das Ärzteteam

Dank eines Computertomographie-Scans (CT) wurde im Galilee Medical Center eine Platte entworfen, die dem Augenhöhlenboden des Patienten entspricht. Als Vorlage diente die unversehrte rechte Augenhöhle. Die Platte wurde dank einer Software, die ein 3D-gedrucktes Modell des Schädels des Patienten nachbildete, präzise hergestellt. Diese Platte wurde daraufhin in Titan gedruckt und unter Verwendung von AR unter das Auge des Patienten gelegt. Ein Arzt verwendete die HoloLens Augmented-Reality-Brille von Microsoft, die mit der Software und damit sowohl mit den Schädel- als auch mit den Plattenmodellen des Patienten verbunden war.

Dieses Modell wurde mithilfe der HoloLens virtuell über dem Kopf des Patienten platziert. Der Chirurg konnte so in Echtzeit die richtigen Griffe tätigen. Insgesamt dauerte die Operation anderthalb Stunden; der Patient konnte einige Tage später nach Hause gehen.

„Diese Technologie wird zu verbesserten klinischen Ergebnissen beitragen und wiederholte Bildgebung und Operationen reduzieren“, sagte der behandelnde Professor Samer Srouji.

Roboter unterstützen die Chirurgen

Der AR-Eingriff folgte auf eine AR-unterstützte Rückenoperation der Schweizer Klinik Balgrist. Das Galilee Medical Center kommt generell futuristisch daher, denn der Einsatz von 3D und AR ist noch lange nicht alles. Roboter unterstützen die Chirurgen zum Beispiel bei der Vorbereitung von Knieoperationen.

„Die Verwendung eines Roboters ermöglicht es, das Kniegelenk des Patienten optimal auf die Operation vorzubereiten und gleichzeitig die Genauigkeit auf höchstem Niveau zu verbessern. Darüber hinaus ermöglicht es eine Echtzeitsimulation des Operationsergebnisses, bevor es durchgeführt wird, während die Operation angepasst wird der Patient“, gibt Einal Bathish, ein Orthopäde des Zentrums, an.

Zwei Patienten im Alter von über 60, die an einer fortgeschrittenen Knorpelerosion litten, wurden nacheinander operiert. „Die Methode verbessert auch den Bewegungsumfang und verkürzt die Erholungsphase, so dass Patienten schnell zu ihrer Routine zurückkehren und regelmäßige Aktivitäten ausführen können“, führt Bathish weiter aus.

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HoloMed: Wie AR das Unsichtbare sichtbar macht

Augmented Reality ist auch schon vor dem Eingriff in Israel in OPs eingesetzt worden. Vor allem Neurochirurgen setzen auf AR-Brillen. Bei der Punktion des Hirnventrikels wird dem behandelnden Arzt zum Beispiel die Navigationsunterstützung direkt ins Sichtfeld eingeblendet. Einen ersten Testlauf gab es auch hierzulande – am Klinikum Günzburg. Eine Ventrikelpunktion zählt zwar zu den Routine-Eingriffen in der Neurochirurgie, allerdings sitzt der Katheter, der ins Gehirn eingeführt wird, nur bei zwei von drei Punktionen an der richtigen Stelle. Die Herausforderung: Der Arzt sieht den mit Hirnwasser gefüllten Hohlraum im Gehirn oft nicht. Hier hilft Augmented Reality mit einer virtuellen Abbildung.

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