Antike Geheimnisse 07.02.2024, 12:00 Uhr

KI entschlüsselt verbrannte Schriftrollen aus der Antike

Schriftrollen, die vor fast 2000 Jahren von Lava verschüttet und „unberührt“ geblieben sind, werden nun entschlüsselt – Dank künstlicher Intelligenz! Ein unbekanntes Werk kommt ans Licht.

Künstliche Intelligenz belebt antike Texte aus Herculaneum wieder: Die Enthüllung verschütteter Schriftrollen. Foto: PantherMedia / benkrut (YAYMicro)

Künstliche Intelligenz belebt antike Texte aus Herculaneum wieder: Die Enthüllung verschütteter Schriftrollen.

Foto: PantherMedia / benkrut (YAYMicro)

Im Jahr 79 n. Chr. wurde eine Villa in Herculaneum durch einen Vulkanausbruch verschüttet, inklusive ihrer Bibliothek mit hunderten Papyrusrollen. Moderne Experten setzen heute Röntgentechnik und künstliche Intelligenz ein, um die Texte auszulesen und lesbar zu machen.
Wissenschaftler um den Informatiker Brent Seales von der University of Kentucky enthüllten bei einer Pressekonferenz CT-Aufnahmen verkohlter Schriftrollen aus dem antiken Herculaneum.

Im Rahmen des Wettbewerbs „The Vesuvius Challenge“ gelang es Luke Farritor und Youssef Nader, zwei Informatikstudenten, den verborgenen Text zu entschlüsseln. Mit eigens trainierten KI-Modellen haben sie auf den röntgentomografischen Aufnahmen einer verkohlten Schriftrolle aus Herculaneum einzelne Buchstaben und sogar ein erstes Wort erkannt.

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Schriftrollen konserviert überliefert

Wichtig anzumerken ist es, dass in Vergleich zu anderen Schriftrollen dieses Manuskript direkt aus der Antike stammt. Denn es wurde nicht mehrfach kopiert und auf diese Weise bis in unsere Zeit überliefert. Dieses fast 2000 Jahre alte Manuskript wurde nicht abgeschrieben oder bearbeitet.

Wie bereits erwähnt stammt die gescannte Schriftrolle ursprünglich aus der Bibliothek der Villa dei Papiri, einem antiken Anwesen in Herculaneum, das am Fuße des Vesuvs lag. Beim Ausbruch des Vulkans im Jahr 79 n. Chr. wurde dieser Ort zusammen mit dem benachbarten Pompeji verschüttet. Aufgrund seiner Nähe zum Berg wurde Herculaneum nicht nur von vulkanischem Gestein verschüttet, sondern auch von heißen Schlammlawinen überrollt. Die Schriftrollen wurden von dieser umgebenden Hitze verkohlt und in der später zu Stein gewordenen Vulkanmasse konserviert.

CT-Scans mit einem Teilchenbeschleuniger aufgenommen

Die hochauflösenden CT-Scans, die Brent Seales und sein Team zuvor mit einem Teilchenbeschleuniger aufgenommen hatten, ermöglichten, auf einer winzigen Fläche mehrere Buchstaben und sogar ein vollständiges Wort zu identifizieren, berichtet Spektrum. Die Studenten Luke Farritor und Youssef Nader haben unabhängig voneinander dieselbe Stelle mit KI-Algorithmen entschlüsselt und zum gleichen Ergebnis gekommen.

So wurde neben den einzelnen Buchstaben ein altgriechisches Wort sichtbar, das möglicherweise „purpurfarben“, „purpurfarbene Kleidung“ oder „Purpurfarbstoff“ bedeutet.

Der vollständige Kontext der untersuchten Schriftrolle wurde zwar noch nicht erfasst. Doch basierend auf dem bisherigen Wissen über die Bibliothek in Herculaneum, gehen die Forschenden davon aus, dass es um eine philosophische Schrift aus der Epikureischen Schule geht.

Wann und wie wurden die Rollen gefunden?

Nachdem im Jahr 1750 Bauarbeiter bei der Errichtung eines Brunnenschachts auf einen Mosaikboden der Villa gestoßen waren, beauftragte König Karl VII. von Neapel und Sizilien Arbeiter, Tunnel durch das Gebäude zu graben. Während dieser Ausgrabungen stießen die Arbeiter auch auf hunderte verkohlte Buchrollen, bei denen fast alle „Seiten“ miteinander verbacken waren. Aber bis jetzt scheiterten alle Bemühungen, die karbonisierten Papyrusrollen auseinanderzunehmen. Dadurch fiel die Hälfte der etwa 800 Buchrollen in Bruchstücke auseinander.

Die Idee, mithilfe von Röntgentechnik nach Texten zu suchen, kam im Jahr 2002. Damals begannen mehrere Forschungsgruppen, Exemplare mithilfe moderner Röntgenbildgebung zu untersuchen, allerdings immer ohne Erfolg. Grund für die Misserfolge war die Tinte, die hauptsächlich aus Kohlenstoffpigmenten bestand. Sie erzeugte auf dem verkohlten Papyrus keine erkennbaren „Schatten“ durch absorbierende Röntgenstrahlung. Brent Seales, Leiter des EDUCElab an der University of Kentucky, kämpfte gut 20 Jahre lang mit diesem Problem und fragte, ob in den tomografischen Aufnahmen, insbesondere in den hochauflösenden, möglicherweise doch eine Spur der Tinte enthalten sein könnte. Vielleicht könnte der Scan dreidimensionale Strukturen erfassen, die von der Tinte stammen. Und das hat geklappt.

Was enthüllt die Herculaneum-Schriftrolle?

Unmittelbar nachdem die ersten Abschnitte entziffert worden waren, verfassten die Papyrologen, die an der Vesuvius Challenge teilnahmen, eine erste Übersetzung des Textes – mit aufregenden Ergebnissen. „Wir wissen nun, dass diese Schriftrolle keine bloße Kopie eines schon existierenden Werks ist. Sie enthält einen nie zuvor gesehenen antiken Text“, hieß es aus den Kreisen von Vesuvius Challenge,  die bis zum Ende 2023 lief.

Medienberichten zufolge handelt es sich um Fragmente eines philosophischen Werks, in dem über Genuss und Freude nachgedacht wird. Der antike Autor, höchstwahrscheinlich der Philosoph Philodemus, stellt die Frage, ob Dinge, die schwer zu erlangen sind, mehr Freude bereiten als solche, die leicht und reichlich verfügbar sind. Der antike Philosoph zieht den Schluss: „Ähnlich wie im Fall von Nahrung glauben wir nicht, dass seltene Dinge per se mehr Genuss bereiten…“, berichtet scinexx.de in Bezug auf Vesuvius Challenge. In einem weiteren Abschnitt der Schriftrolle soll demnach eine Person namens Xenophantus erscheinen – es wird vermutet, dass es sich um einen antiken Musiker handelt, den Philodemus auch in seinem Werk „Über Musik“ erwähnt.

In der Mitteilung der Vesuvius Challenge wird erwähnt, dass man erwartet, dass in der Sammlung noch viele weitere Texte von Philodemus vorhanden sein werden. Es wird spekuliert, dass auch andere Texte möglicherweise enthalten sind – beispielsweise ein Dialog von Aristoteles, eine verlorene Geschichte von Homer oder ein Gedicht von Sappho.

Ein Beitrag von:

  • Alexandra Ilina

    Redakteurin beim VDI-Verlag. Nach einem Journalistik-Studium an der TU-Dortmund und Volontariat ist sie seit mehreren Jahren als Social Media Managerin, Redakteurin und Buchautorin unterwegs.  Sie schreibt über Karriere und Technik.

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