Deutschland will viermal mehr KI-Leistung – doch beim Stromnetz wird es eng
Frankfurt rechnet bis Mitte der 2030er-Jahre mit Engpässen neuen bei Stromanschlüssen. In Berlin überstieg die Nachfrage die verfügbare Kapazität. Gleichzeitig treibt der Bund den Ausbau von KI-Rechenzentren voran.
Der Strombedarf von KI-Rechenzentren ist gewaltig.
Foto: Smarterpix/sdecoret
Deutschland will seine Rechenzentrumskapazitäten deutlich ausbauen. Bis 2030 soll sich die IT-Anschlussleistung gegenüber 2025 mindestens verdoppeln. Für High Performance Computing und Künstliche Intelligenz strebt die Bundesregierung sogar mindestens den vierfachen Wert an.
Ob diese Kapazitäten tatsächlich entstehen, hängt zunehmend auch davon ab, ob ausreichend Netzanschlussleistung verfügbar ist. In mehreren wichtigen Rechenzentrumsregionen Deutschlands wird genau diese knapp.
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Frankfurt erwartet Einschränkungen bis Mitte der 2030er-Jahre
Besonders deutlich zeigt sich die Situation in Frankfurt am Main. Nach Angaben der NRM Netzdienste Rhein-Main übersteigt die Nachfrage nach Netzanschlusskapazität die verfügbare Leistung aus dem vorgelagerten Übertragungsnetz deutlich. Als einen Treiber nennt der Netzbetreiber die hohe Zahl von Anschlussanfragen für Rechenzentren.
Neue Anschlussleistung ab 3,5 MW wird deshalb grundsätzlich über ein Pro-Rata-Verfahren verteilt. In einem lokalen Engpassgebiet greift dieses Verfahren bereits bei Anschlussanfragen oberhalb von 1 MW.
Kurzfristig dürfte sich die Lage nicht grundlegend entspannen. NRM geht davon aus, dass bis Mitte der 2030er-Jahre mit Einschränkungen bei der Vergabe von Netzanschlussleistungen zu rechnen ist.
Gleichzeitig erfolgt ein Ausbau des Stromnetzes. Nach Angaben von Mainova will man gemeinsam mit dem Übertragungsnetzbetreiber TenneT rund 1.000 MW zusätzliche Versorgungskapazität schaffen. Mainova plant außerdem Investitionen von rund 900 Mio. € in das Stromnetz innerhalb von fünf Jahren.
Der Strombedarf der Stadt ist bereits deutlich gestiegen. Mainova zufolge lag der Frankfurter Stromverbrauch 2024 bei rund 6,5 TWh und damit mehr als ein Viertel höher als zehn Jahre zuvor. Rechenzentren seien inzwischen die größten Stromverbraucher der Stadt und hätten den Flughafen überholt.
Berlin: 2.300 MVA angefragt, 365 MVA verfügbar
Auch in Berlin zeigt sich, wie groß die Diskrepanz zwischen dem Bedarf großer Stromverbraucher und verfügbaren Netzkapazitäten inzwischen werden kann.
Im Zuteilungsverfahren 2025 lagen Stromnetz Berlin 70 Anschlussanfragen mit zusammen rund 2.300 MVA vor. Zur Verfügung standen in drei Netzgebieten insgesamt 365 MVA Anschlusskapazität. Nach Prüfung erfüllten 47 Anfragen die Voraussetzungen für das Verfahren. 37 erhielten Anschlusskapazität, zehn konnte keine Leistung zugeteilt werden.Die Zahlen beziehen sich jedoch nicht ausschließlich auf Rechenzentren. Das Verfahren gilt für Großverbraucher mit einem Leistungsbedarf von mehr als 3,5 MVA. Dazu können neben Rechenzentren unter anderem Wärmeanlagen, Ladeinfrastruktur und Speicher gehören.
Bis 2024 wurden große Anschlussanfragen noch nach ihrem Eingang bearbeitet. Wegen der begrenzten Kapazitäten hat Stromnetz Berlin inzwischen ein gesondertes Zuteilungsverfahren eingeführt. Auch 2026 bleibt die Lage angespannt; das zweite Zuteilungsverfahren wurde zunächst verschoben.
16,8 GW Datacenter-Anfragen im Mitnetz-Gebiet
Noch größer ist die Herausforderung im Netzgebiet von Mitnetz Strom. Ende 2025 lagen dem Netzbetreiber 90 Anschlussanfragen für Datacenter mit einer Gesamtleistung von 16,8 GW vor. Verbindlich reserviert waren davon neun Projekte mit zusammen rund 1,4 GW. Die 16,8 GW entsprechen allerdings nicht dem künftig tatsächlich entstehenden Stromverbrauch. Anschlussanfragen können sich überschneiden, verändert oder zurückgezogen werden. Zudem erstreckt sich das Netzgebiet von MITNETZ über Teile von Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Die Gesamtleistung lässt sich daher keinem einzelnen Bundesland zurechnen.
Wie konkrete Projekte aussehen können, zeigt Lübbenau im Spreewald. Dort errichtet Schwarz Digits auf dem Gelände eines ehemaligen Kraftwerks ein neues Rechenzentrum. Vorgesehen sind zunächst rund 200 MW Anschlussleistung. Das Unternehmen beziffert das Investitionsvolumen auf 11 Mrd. € und gibt an, dass dort künftig Kapazitäten für bis zu 100.000 GPUs bereitgestellt werden könnten.
Die bestehende Energie- und Netzinfrastruktur des früheren Kraftwerksstandorts war nach Angaben der Stadt ein wichtiger Faktor bei der Standortwahl.
Bundesregierung will Anschlussverfahren neu ordnen
Der Engpass bei Großanschlüssen ist inzwischen auch auf Bundesebene angekommen. In ihrer Rechenzentrumsstrategie spricht die Bundesregierung von einem „Antragsstau“ bei Stromanschlüssen.
Künftig will manProjekte mit höherer Realisierungswahrscheinlichkeit stärker berücksichtigen. Die vier deutschen Übertragungsnetzbetreiber haben dazu im April 2026 ein Reifegradverfahren für große Stromverbraucher eingeführt. Bewertet wird unter anderem, wie weit ein Projekt entwickelt ist und wie wahrscheinlich seine Umsetzung erscheint.
Auch das Netzanschlusspaket der Bundesregierung folgt diesem Prinzip: Statt allein nach dem Zeitpunkt einer Anfrage soll stärker danach entschieden werden, welche Projekte tatsächlich umsetzungsreif sind.
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