Mobilfunk 21.05.2025, 08:30 Uhr

Wie der künftige Mobilfunkstandard 6G die Wirtschaft pusht

Als 5G-Nachfolger hat der künftige Mobilfunkstandard 6G das Zeug dazu eine Transformation anzustoßen, wie die Ergebnisse einer aktuellen Studie zeigen.

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Der künftige Mobilfunkstandard 6G könnte sich höchst positiv auf Wirtschaft und Geslleschaft auswirken.

Foto: mauritius images / Aleksia / Alamy

Die Studie „Alles vernetzt, alles möglich“ der VDI/VDE Innovation + Technik GmbH und der Gesellschaft für Wirtschaftliche Strukturforschung mbH (GWS) zeigt quantifizierbare wirtschaftliche Effekte dieses zukünftigen Übertragungsstandards auf. Die Prognosen sind bemerkenswert: 6G könne das Bruttoinlandsprodukt (BIP) bis 2050 um 1,8 % steigern, die Produktion im verarbeitenden Gewerbe und im Handel um mehr als 2,5 % erhöhen und den Fachkräftemangel um 700.000 Personen reduzieren.

Diese Zahlen sind keine isolierten Schätzungen, sondern das Resultat umfangreicher modellbasierter Szenario-Analysen, gestützt auf dem etablierten Inforge-Modell der GWS. Die Forschenden projizieren dabei die Entwicklung der deutschen Wirtschaft bis 2050 und vergleichen zwei Szenarien: eines mit und eines ohne umfassenden 6G-Ausbau. Der positive Effekt ergibt sich nicht aus der reinen Verfügbarkeit von Hochgeschwindigkeitsnetzen, sondern vor allem aus dem tiefgreifenden Wandel, den 6G als infrastrukturelle und technologische Plattform ermöglicht. Denn 6G wird im Unterschied zu seinen Vorgängern nicht nur Daten schneller übertragen. Vielmehr soll es auch ein Fundament für ein vollständig vernetztes Ökosystem bilden, in dem Kommunikation, Datenverarbeitung, Sensorik und künstliche Intelligenz (KI) ineinandergreifen. So avanciert 6G nach Einschätzung der Studie zur Schlüsseltechnologie für smarte Automatisierung. Im Zusammenspiel mit KI können Prozesse in Produktion, Transport, Logistik, Pflege und Landwirtschaft im größeren Rahmen automatisiert oder effizienter gestaltet werden.

Künftige Mobilfunkgeneration: Strukturhebel statt Jobkiller

Die Studie betont, dass 6G kein Jobkiller werde, sondern ein „Strukturhebel“ sei. Angesichts der alternden Bevölkerung und der schrumpfenden Erwerbsbevölkerung in Deutschland ist die intelligente Kompensation fehlender Arbeitskräfte durch Technologie nicht nur hilfreich, sondern wirtschaftlich überlebensnotwendig. Durch die Automatisierung repetitiver oder gefährlicher Tätigkeiten werden Fachkräfte nicht ersetzt, sondern entlastet. Ihre Kompetenzen können gezielter eingesetzt werden, während smarte Systeme Lücken schließen. Besonders im Osten Deutschlands entstehen laut Studie regionale Innovationscluster – etwa in der Chipfertigung, Softwareentwicklung oder Landwirtschaft –, die durch 6G neue Wachstumsimpulse erhalten.

Positive Auswirkungen in Wellenform

Ein wirtschaftlicher Durchbruch durch 6G ist jedoch nicht unmittelbar zu erwarten. Die Effekte entfalten sich in Wellen. Zwischen 2025 und 2035 dominieren Investitionen in Infrastruktur, ohne dass diese sofort in der Breite produktivitätssteigernd wirken. Im Gegenteil: In dieser Phase steigen Kosten, etwa durch höhere Löhne infolge des Fachkräftemangels und durch hohe Importanteile technischer Komponenten, was zunächst eine Belastung darstellt. Erst mit dem flächendeckenden Einsatz von 6G ab etwa 2040 setzen die positiven Impulse ein: Automatisierung greift, Arbeitskräfte werden produktiver eingesetzt und neue Dienste entstehen.

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Im verarbeitenden Gewerbe und im Handel zeigt sich dies besonders deutlich. Hier wird bis 2050 ein Produktionszuwachs von über 2,5 % im Vergleich zu einem Referenzszenario ohne 6G erwartet. Möglich wird das durch eine höhere Anlagenverfügbarkeit, die Nutzung cyberphysischer Zwillinge, autonome Transportsysteme und ein verbessertes Lieferketten-Management in Echtzeit. Cyberphysische Zwillinge beschreiben die gleichzeitige Entwicklung und Wechselwirkung eines virtuellen (Cyber-Zwilling) und eines physischen (Physischer Zwilling) Systems. Diese Zwillinge werden eingesetzt, um reale Systeme oder Prozesse in der virtuellen Welt zu simulieren und zu optimieren. Die 6G-Technologie liefert die benötigte Ultra-Low-Latency-Kommunikation, hohe Zuverlässigkeit und massive Gerätekonnektivität, die diese Anwendungen erst ermöglichen. Ähnliches gilt für die Landwirtschaft, in der autonome Landmaschinen und sensorgestützte Steuerungssysteme mit 6G effizienter betrieben werden können.

Zudem ist 6G laut Studie ein Katalysator für neue Exportchancen. Als Technologieplattform wird es zur Grundlage für innovative Produkte „made in Germany“. Der Export entsprechender Lösungen – von Netzwerktechnik über autonome Systeme bis hin zu KI-gestützten Dienstleistungen – kann helfen, technologische Souveränität zu sichern und neue Märkte zu erschließen. Langfristig trägt dies zur Stärkung der europäischen Industrie bei und fördert eine größere Unabhängigkeit von nicht europäischen Anbietern.

Auch gesellschaftliche Effekte von künftiger Mobilfunkgeneration zu erwarten

Neben dem wirtschaftlichen Aspekt weist die Studie auch auf die gesellschaftliche Relevanz von 6G hin. Die allgegenwärtige Vernetzung, ermöglicht durch terrestrische und nicht terrestrische Netze, bringt digitale Dienste auch in ländliche und strukturschwache Regionen. Telemedizin, Bildungsangebote und Verwaltungsleistungen könnten so flächendeckend und in Echtzeit angeboten werden – ein nicht zu unterschätzender Beitrag zur Daseinsvorsorge und sozialen Teilhabe. Die Studie stellt klar: Damit diese Potenziale Wirklichkeit werden, müssen politische, regulatorische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen frühzeitig geschaffen werden. Dazu gehören etwa eine klare Frequenzpolitik mit passenden Anreizen für den Netzausbau, Investitionen in Forschung und Entwicklung sowie eine strategische Förderung von Unternehmen bei der Nutzung von 6G in ihren Geschäftsmodellen. Denn 6G entfaltet sein Potenzial nicht allein als Technologie – entscheidend ist ihr produktiver Einsatz in der realen Wirtschaft.

Ein Beitrag von:

  • Elke von Rekowski

    Chefredakteurin der VDI energie + umwelt und freie Redakteurin der VDI nachrichten sowie Ingenieur.de, unter anderem für die Themen Elektronik und Telekommunikation. Als langjährige Technikjournalistin arbeitete sie für verschiedene Branchenmagazine und Fachzeitschriften. Außerdem ist sie Mit-Gründerin einer E-Health Nachrichtenplattform.

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