TÜV schlägt Alarm 03.06.2026, 11:00 Uhr

Notstrom, Löschanlage, Lüftung: Die Schwachstellen deutscher Gebäude

TÜV-Bericht 2026: Mehr als jede dritte Sicherheitsanlage in Gebäuden weist erhebliche Mängel auf. Besonders betroffen sind Lüftungsanlagen, Notstrom und Brandschutz.

Mann spricht in Walkie-Talkie und schaut dabei in sein Laptop. Im Hintergrund ist eine Lüftungsanlage zu sehen

Lüftungsanlagen, Feuerlöschanlagen und Notstromversorgung: Der TÜV meldet alarmierende Mängel bei sicherheitsrelevanter Gebäudetechnik.

Foto: Smarterpix / tampatra@hotmail.co

Wer ein Krankenhaus, ein Hochhaus oder ein Einkaufszentrum betritt, macht sich meist keine Gedanken über Brandmeldeanlagen, Notstromaggregate oder Rauchabzüge. Die Technik arbeitet unauffällig im Hintergrund. Genau das soll sie auch tun. Problematisch wird es jedoch, wenn diese Systeme im Ernstfall versagen.

Die aktuelle Mängelstatistik des TÜV-Verbands zeigt, dass die technische Gebäudesicherheit in Deutschland zunehmend unter Druck gerät. Bei den wiederkehrenden Prüfungen sicherheitsrelevanter Anlagen wurden 2025 deutlich mehr Mängel festgestellt als noch im Vorjahr. Besonders betroffen sind Lüftungsanlagen, Feuerlöschanlagen, Sicherheitsbeleuchtungen und Notstromversorgungen – also Systeme, die im Brandfall oder bei einem Stromausfall Menschen schützen sollen.

„Die Ergebnisse des aktuellen Baurechtsreports zeigen eine systemische Verschlechterung der technischen Gebäudesicherheit und des Brandschutzes“, sagt Dr. Joachim Bühler, Geschäftsführer des TÜV-Verbands.

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Kurz zusammengefasst

  • Mehr als jede dritte geprüfte Sicherheitsanlage weist wesentliche Mängel auf.
  • Lüftungsanlagen erreichen mit 44,2 % die höchste Mängelquote.
  • Feuerlöschanlagen und Notstromversorgungen verschlechtern sich deutlich.
  • Auch Neubauten fallen häufiger mit erheblichen Mängeln auf.
  • Fachleute sehen Defizite vor allem bei Wartung, Instandhaltung und Mängelbeseitigung.

Mehr als jede dritte Anlage mit schweren Mängeln

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Von insgesamt 66.023 geprüften Anlagen wiesen 35,9 % wesentliche Mängel auf. Weitere 37,2 % hatten geringfügige Mängel. Nur noch 26,9 % der Anlagen blieben ohne Beanstandungen. Im Vergleich zum Vorjahr stieg der Anteil wesentlicher Mängel um neun Prozentpunkte.

Das bedeutet nicht, dass jede betroffene Anlage unmittelbar ausfällt. Wesentliche Mängel zeigen jedoch, dass die Schutzfunktion eingeschränkt sein kann oder technische Defizite bestehen, die behoben werden müssen.

Auffällig ist dabei die Breite der Entwicklung. Die steigenden Mängelquoten betreffen nicht einzelne Anlagengruppen, sondern nahezu alle geprüften Sicherheitssysteme.

Lüftungsanlagen entwickeln sich zum Sorgenkind

Die höchste Quote erheblicher Mängel weisen inzwischen Lüftungsanlagen auf. Bei 44,2 % der geprüften Systeme stellten die Sachverständigen wesentliche Mängel fest. Im Jahr zuvor lag der Wert noch bei 34,8 %. Lediglich 30,1 % der Anlagen waren mängelfrei.

Das klingt zunächst überraschend. Schließlich verbinden viele Menschen Lüftungsanlagen vor allem mit Komfort und Raumklima. In modernen Gebäuden übernehmen sie jedoch deutlich mehr Aufgaben. Im Brandfall sollen sie verhindern, dass Rauch in Flucht- und Rettungswege eindringt. Funktionieren diese Systeme nicht wie vorgesehen, können sich Rauchgase schneller ausbreiten und die Evakuierung erschweren.

„Die hohen Mängelquoten zeigen, dass Defizite bei der Wartung, Instandhaltung und Abstimmung sicherheitsrelevanter Anlagen erhebliche Auswirkungen haben können“, sagt Bühler.

Feuerlöschanlagen verlieren an Zuverlässigkeit

Noch vor wenigen Jahren galten automatische Feuerlöschanlagen vielerorts als vergleichsweise unproblematisch. Die aktuellen Zahlen zeichnen jedoch ein anderes Bild.

Bei 40,6 % der geprüften Feuerlöschanlagen wurden wesentliche Mängel festgestellt. Gegenüber dem Vorjahr entspricht das einem Anstieg von mehr als zehn Prozentpunkten. Nur noch 29 % der Anlagen waren vollständig mängelfrei.

Dabei gehören Sprinkler- und andere Löschanlagen zu den wichtigsten Instrumenten des vorbeugenden Brandschutzes. Sie sollen Brände bereits in ihrer Entstehungsphase eindämmen und so Menschen sowie Sachwerte schützen.

Notstromversorgung wird zum kritischen Faktor

Besonders aufmerksam verfolgen Fachleute die Entwicklung bei Sicherheitsstromversorgungen. Denn von ihnen hängen zahlreiche weitere Sicherheitssysteme ab.

Fällt die reguläre Stromversorgung aus, müssen Notstromaggregate und Sicherheitsstromanlagen übernehmen. Sie versorgen beispielsweise:

  • Brandmeldeanlagen,
  • Alarmierungssysteme,
  • Rauchabzugsanlagen,
  • Sicherheitsbeleuchtungen,
  • Teile der Gebäudesteuerung.

Gerade deshalb sind die aktuellen Zahlen problematisch. Der Anteil wesentlicher Mängel stieg bei Sicherheitsstromversorgungen von 30,0 % auf 35,2 %. Gleichzeitig blieb nur noch knapp jede fünfte Anlage mängelfrei.

Der TÜV-Verband verweist in diesem Zusammenhang auf den großflächigen Stromausfall im Berliner Süden Anfang 2026. Solche Ereignisse zeigen, wie abhängig moderne Gebäude von einer funktionierenden Ersatzstromversorgung sind.

Das eigentliche Problem liegt oft im Betrieb

Der Bericht macht deutlich, dass die Ursachen nicht allein in der Technik selbst zu suchen sind. Häufig entstehen Probleme im laufenden Betrieb.

Sicherheitsrelevante Anlagen gehören vielfach zu den sogenannten ruhenden Systemen. Sie werden nur selten unter realen Bedingungen genutzt. Ein Notstromaggregat läuft oft jahrelang ausschließlich bei Tests. Rauchabzüge oder Brandmeldeanlagen kommen im Idealfall nie zum Einsatz.

Dadurch bleiben Defekte lange unbemerkt. Hinzu kommen Wartungsrückstände, fehlende Instandhaltung oder Probleme an Schnittstellen zwischen verschiedenen Gewerken. Moderne Gebäude bestehen heute aus einer Vielzahl miteinander vernetzter technischer Systeme. Bereits kleine Fehler können im Ernstfall größere Auswirkungen haben.

Alexander Knaus vom TÜV Hessen sieht vor allem ein Umsetzungsproblem: „Die in unabhängigen Prüfungen festgestellten Mängel werden häufig einfach nicht behoben.“

Neue Risiken durch Digitalisierung und Vernetzung

Zusätzlich wächst die technische Komplexität vieler Gebäude. Vernetzte Lüftungsanlagen, intelligente Gebäudesteuerungen und digitale Brandschutzsysteme erleichtern zwar den Betrieb, eröffnen aber auch neue Angriffsflächen.

„Oft reichen digital schlecht abgesicherte Lüftungsanlagen, vernetzte Jalousiesteuerungen oder Brandmeldesysteme als Einfallstore für Cyberkriminelle“, sagt Dr. Hermann Dinkler vom TÜV-Verband.

Damit rückt neben dem klassischen Brandschutz ein weiterer Aspekt in den Fokus: die Resilienz von Gebäuden. Gemeint ist die Fähigkeit, auch bei Stromausfällen, technischen Störungen oder Cyberangriffen funktionsfähig zu bleiben.

Bereits Neubauten zeigen mehr Mängel

Besorgniserregend ist zudem ein Blick auf die erstmaligen Prüfungen vor der Inbetriebnahme. Hier stieg der Anteil wesentlicher Mängel innerhalb eines Jahres von 19,7 % auf 26,3 %.

„Der deutliche Anstieg wesentlicher Mängel bei erstmaligen Prüfungen zeigt, dass viele Probleme schon in der Planungs- und Errichtungsphase entstehen“, sagt Bühler. Damit beginnt die Herausforderung nicht erst im Betrieb. Schon während Planung, Installation und Inbetriebnahme entstehen offenbar Fehler, die später die Sicherheit beeinträchtigen können.

Hier geht es zum TÜV Baurechtsreport 2026

Ein Beitrag von:

  • Dominik Hochwarth

    Redakteur beim VDI Verlag. Nach dem Studium absolvierte er eine Ausbildung zum Online-Redakteur, es folgten ein Volontariat und jeweils 10 Jahre als Webtexter für eine Internetagentur und einen Onlineshop. Seit September 2022 schreibt er für ingenieur.de.

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