Aufzug ohne Betonschacht: Schindler X8 soll Altbauten leichter erschließen
Zwei Aufzüge in zwei Tagen: Schindler zeigt auf 2200 m Höhe, wie sich der X8 ohne tragenden Betonschacht installieren lässt.
chindler bringt zwei X8-Aufzüge auf einen Berg. Das System ohne tragenden Betonschacht soll vor allem bei Altbausanierungen helfen.
Foto: Schindler
Ein Personenaufzug ohne tragenden Betonschacht, tiefe Grube und dreiphasigen Stromanschluss: Mit dem Schindler X8 will der Schweizer Hersteller den nachträglichen Einbau von Aufzügen vereinfachen. Wie flexibel sich das System montieren lässt, demonstrierte das Unternehmen auf rund 2200 m Höhe am Männlichen oberhalb von Grindelwald.
Für die Vorführung ließ Schindler ein temporäres, modular aufgebautes Haus auf den Berg transportieren. Darin wurden zwei betriebsfähige X8-Aufzüge installiert. Die Montage dauerte nach Angaben des Unternehmens zwei Tage. Mehr als 500 Gäste, darunter Architekten, Bauunternehmen, Immobilienverwalter und Investoren, besichtigten die Anlagen.
Die Aktion war die dritte Station einer Produkttour nach Auftritten auf der Aufzugsmesse GEE in Mailand und der Swissbau in Basel.
Inhaltsverzeichnis
Kein tragender Aufzugsschacht erforderlich
Das zentrale Merkmal des X8: Nach Angaben von Schindler benötigt das System keinen tragenden Aufzugsschacht. Die Schachtumschließung muss deshalb nicht zwingend aus Stahlbeton bestehen, sondern kann beispielsweise aus Holz gefertigt werden.
Das kann vor allem bei Bestandsgebäuden Vorteile bringen. Dort fehlen häufig der Platz und die statischen Voraussetzungen für einen klassischen Aufzugsschacht aus Beton. Auch Eingriffe in Fundamente, Decken und Dachbereiche können den nachträglichen Einbau erheblich verteuern.
Pro Haltestelle benötigt der X8 laut Hersteller lediglich eine Wandöffnung für die Aufzugstür. Der Aufzug wird über einen einphasigen Standard-Stromanschluss versorgt. Ein dreiphasiger Drehstromanschluss soll nicht erforderlich sein.
Welche Anforderungen an Absicherung, Anschlussleistung und die elektrische Gebäudeinstallation gestellt werden, geht aus den öffentlich zugänglichen Produktinformationen allerdings nicht hervor.

Bis zu zehn Haltestellen
Beim X8 handelt es sich nicht um einen langsamen Plattformlift. Der Personenaufzug erreicht eine Geschwindigkeit von 1 m/s und kann bis zu zehn Haltestellen bedienen. Die maximale Förderhöhe beträgt 30 m.
Schindler bietet zwei Ausführungen an. Die kleinere Variante ist für eine Nennlast von 480 kg beziehungsweise sechs Personen ausgelegt. Das größere Modell kann 630 kg oder acht Personen befördern.
Die Kabinen messen je nach Variante 1000 × 1300 mm oder 1100 × 1400 mm. Die kleinste angegebene Schachtgrundfläche liegt bei etwa 1500 × 1500 mm. Abhängig von Kabine, Türbreite und Einbausituation kann mehr Platz erforderlich sein.
Zur Auswahl stehen mittig öffnende, zweiteilige Türen mit einer Breite von 800 oder 900 mm. Ein zweiter Kabinenzugang auf der gegenüberliegenden Seite ist nicht vorgesehen.
Nicht vollständig ohne Grube und Schachtkopf
Schindler wirbt damit, dass der X8 ohne Grube und Schachtkopf auskomme. Das technische Datenblatt zeichnet jedoch ein differenzierteres Bild. Es nennt eine Mindestgrubentiefe von 150 mm sowie eine Schachtkopfhöhe von mindestens 2400 mm.
Der X8 benötigt damit zwar keine konventionelle, tiefe Aufzugsgrube. Eine geringe Einbautiefe unterhalb der untersten Haltestelle bleibt jedoch erforderlich. Auch am oberen Schachtende muss ausreichend Bauraum vorhanden sein.
Die Herstellerangaben sind an dieser Stelle missverständlich. Der X8 ist nicht vollständig schachtlos. Sein Vorteil liegt vielmehr darin, dass er laut Schindler ohne tragende Schachtkonstruktion auskommt und deutlich geringere Anforderungen an Grube und oberen Schachtabschluss stellt als viele konventionelle Aufzugssysteme.

Nachrüstung bleibt eine Bauaufgabe
Der verringerte Platzbedarf könnte den Einbau besonders in älteren Mehrfamilienhäusern erleichtern. Dort wurden Aufzüge häufig gar nicht vorgesehen oder lassen sich wegen enger Treppenhäuser, niedriger Geschosshöhen und begrenzter Tragreserven nur mit großem Aufwand ergänzen.
Zu einer einfachen Plug-and-play-Lösung wird der Aufzug dadurch nicht. Je nach Einbauort können weiterhin Wand- oder Deckendurchbrüche notwendig sein. Auch Statik, Brandschutz, Schallschutz, Fluchtwege und Barrierefreiheit müssen projektspezifisch geprüft werden.
Hinzu kommen Genehmigung, Abnahme und regelmäßige technische Prüfungen. Wie die Kräfte aus Führungsschienen, Antrieb, Kabine und Fangvorrichtung konkret in das Gebäude eingeleitet werden, beschreibt Schindler in den öffentlich zugänglichen Unterlagen bislang nicht.
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