Kommentar 12.12.2024, 13:15 Uhr

Stromnetzausbau doppelt so teuer? Bitte genau hinschauen!

Derzeit scheint alles immer nur teurer zu werden. Die Energiewende ohnehin. Dabei bleiben entlastende Effekte mitunter außen vor.

Derzeit scheint alles immer nur teurer zu werden. Die Energiewende ohnehin. Dabei bleiben entlastende Effekte mitunter außen vor. Foto: panthermedia.net / S_Razvodovskij

Derzeit scheint alles immer nur teurer zu werden. Die Energiewende ohnehin. Dabei bleiben entlastende Effekte mitunter außen vor.

Foto: panthermedia.net / S_Razvodovskij

Wer auf schlechte Nachrichten wartet, der findet sie, wie die aus der letzten Woche bei der Deutschen Presse-Agentur (dpa): „Stromnetzausbau könnte 651 Mrd. € kosten“. Bis 2045. Die Summe teilt sich auf in 328 Mrd. € für Übertragungs- und 323 Mrd. € für Verteilnetze. Das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung hat nachgerechnet. „Die jährlichen Investitionen müssen sich mehr als verdoppeln“, so das IMK zu Beginn der Mitteilung. Chapeau! Aber Bangemachen? Gilt nicht, wir dröseln mal auf!

Wo kommt der doppelt so hohe Investitionsbedarf bei Stromnetzen her?

Erstens: Die exakte Verdopplung bezieht sich auf den Investitionsbedarf für Stromverteilnetze im Vergleich zu den bisherigen Ausbaukosten, im Schnitt müssten es 14,4 Mrd. € per annum sein. 2023 aber gaben die Verteilnetzbetreiber lediglich 7 Mrd. € aus.

Bei den Übertragungsnetzen, so das IMK, müsste sogar fast zweieinhalbmal so viel investiert werden: jährlich in Zukunft 19,8 Mrd. € statt der zuletzt 8 Mrd. € im Jahr 2023.

Bezogen auf die gesamten Investitionen für den Stromnetzausbau sind insgesamt 127 % mehr nötig, nämlich zukünftig 34 Mrd. € per annum statt 15 Mrd. € aus dem vergangenen Jahr.

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Die Datenlage für die Stromnetzausbaukosten ist uneinheitlich

Zweitens: Bundesnetzagentur, Übertragungs- (ÜNB) wie Verteilnetzbetreiber (VNB) sind von Gesetzes wegen gefordert, Angaben zum Netzausbau zu machen; die Branchenverbände BDEW (Energiewirtschaft) und ZVEI (Energietechnik) ermitteln als Betroffene. Es gibt Differenzen zwischen diesen Ausbauzahlen. Darauf hat das IMK, wie auch schon andere, hingewiesen. Sowohl das ef.Ruhr wie das BET haben entsprechende Berechnungen vorgenommen. Die Tendenz ist die gleiche. Es wird auf jeden Fall mehr als heute.

Stiefkind bei der Datenlage für den Netzausbau ist die Niederspannungsebene im Verteilnetz

Drittens: Mit den Netzausbaukosten im Verteilnetz legt das IMK den Finger in die Wunde, denn die Datenbasis ist hier aus mehreren Gründen nicht so gut. Denn nur VNB mit mehr als 100.000 Kunden melden ihre Bedarfe bei der Bundesnetzagentur. Diese größeren VNB stehen für drei Viertel der deutschen Verteilnetze. Genau die vielen kleineren der insgesamt 865 VNB aber haben viele Kilometer Niederspannungsnetze, die bei den Ausbaubedarfszahlen deutlich unterschätzt sein dürften. Das IMK weist darauf hin, dass im Verteilnetz die Datenlage für die Hoch- und Mittelspannungsebene durch die Berichtspflichten für die größeren VNB offenbar recht gut ist. Aber es fehlten, so die Studie, „Informationen auf Niederspannungsebene auch bei veröffentlichungspflichtigen VNB“.

Entlastende Netzinvestitionen anderer Marktteilnehmer bleiben außen vor

Viertens: Wer den Netzausbaubedarf sehr konservativ schätzt, geht vom Worst-Case-Szenario aus. Das ist zum Beispiel aus Sicht von Netzbetreibern verständlich; sie müssen die Netzfunktion sicherstellen – auch im Worst Case. Stromspeicher, die die Last verringern bzw. Überschüsse abpuffern könnten, sind nur mittelbar erfasst. Und dann auch nur als Investitionen durch die Netzbetreiber. Dabei können sie nicht nur netzentlastend wirken, wenn sie netzseitig stehen und die Investitionen als Netzausbaukosten über Netzentgelte umgelegt werden können.

Auch auf der Verbrauchsseite oder bei Stromerzeugern kann technisch wie ökonomisch aus Investitionen in Stromspeicher ein Schuh werden. Wenn ein Unternehmen Teile seines Spitzenbedarfs erst mal aus der eigenen Speichereinheit zieht, wird das Netz entlastet. Wenn ein Solarpark Überschussstrom erst mal im eigenen Speicher puffert und dann gleichmäßiger ins Netz abgibt, ebenso. Doch ihr Einsatz ist wegen der Doppelbepreisung von ein- und ausgespeichertem Strom für die Investoren nicht immer attraktiv.

Die Folgen dieser Doppelbepreisung für den Ausbau mit Stromspeichern sind kaum abschätzbar. Würden andere Marktteilnehmer als die Netzbetreiber mehr in Stromspeicher investieren, weil es sich eher rechnet, dann wäre den Netzbetreibern geholfen – und die Netzausbaukosten würden verringert. Nur der Gesetzgeber aber könnte die Doppelbepreisung abschaffen.

Fazit: Das Bild ist viel differenzierter als gedacht. Genau hinschauen lohnt.

Ein Beitrag von:

  • Stephan W. Eder

    Stephan W. Eder

    Stephan W. Eder ist Technik- und Wissenschaftsjournalist mit den Schwerpunkten Energie, Klima und Quantentechnologien. Grundlage hierfür ist sein Studium als Physiker und eine anschließende Fortbildung zum Umweltjournalisten.

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