Rohstoffe 18.12.2024, 17:00 Uhr

Globale Kohlenachfrage stagniert bis 2027 auf Rekordniveau

Weltweit wird Kohle 2024 neue Rekordwerte erreichen, so die Internationale Energieagentur IEA. Warum nur? Eine Analyse.

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Kohletagebau im indischen Dhanbad: Indien wird nach Schätzungen der Internationalen Energieagentur in Zukunft weltweit das einzige Land sein, das die Produktion weiter signifikant steigern wird.

Foto: imago images/Joerg Boethling

„Die Nachfrage nach Kohle wächst zwar langsamer seit dem großen Aufschwung im Jahr 2021, aber sie wächst weiter“, erklärt Keisuke Sadamori, Direktor für Energiemärkte und -sicherheit bei der Internationalen Energieagentur (IEA), gegenüber der Presse. Die globale Kohlenachfrage habe 2024 einen neuen Höchststand erreicht und wird voraussichtlich bis 2027 auf diesem Niveau verharren. Das zeigt der aktuelle Bericht „Coal 2024“ der Internationalen Energieagentur (IEA).

Doch während in den Industrieländern der Verbrauch zurückgeht, steigt er in Schwellenländern weiter an. Die weltweite Kohlenachfrage wird 2024 ein Rekordniveau von 8,77 Mrd. t erreichen. Weitere Rekordwerte sollen laut IEA 2024 bei der Kohle übertroffen werden:

  • Die Stromerzeugung aus Kohle wird wohl voraussichtlich den Rekord von 2023 übertreffen und 10.700 TWh erreichen (+2 %). Dabei sinkt der Anteil am Strommix global wahrscheinlich erstmals unter 35 %.
  • Die Kohleproduktion wird erstmals 2024 voraussichtlich 9 Mrd. t übersteigen (+1 %).
  • Der globale Kohlehandel erreicht mit 1,55 Mrd. t ebenfalls einen neuen Rekordwert, sowohl bei Stein- als auch bei Kokskohle.

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Wie entwickelt sich die globale Nachfrage nach Kohle auf Rekordniveau?

Laut IEA-Bericht ist die weltweite Nachfrage nach Kohle 2024 auf ein Rekordniveau von 8,77 Mrd. t gestiegen, das ist ein Anstieg um 1 % gegenüber dem Vorjahr. Der Haupttreiber: die wachsende Elektrizitätsnachfrage in Ländern wie China und Indien. China ist 2024 für 56 % des weltweiten Kohleverbrauchs verantwortlich, mit einem Rekordverbrauch von 4,9 Mrd. t. Das ist ebenfalls ein Anstieg um 1 % gegenüber dem Vorjahr. Bis 2027 soll die weltweite Nachfrage auf einem Plateau von etwa 8,87 Mrd. t verharren, da die ebenfalls global stark wachsenden erneuerbare Energien einen Teil der steigenden Energiebedarfe decken werden.

„Für die Zukunft erwarten wir, dass die Kohlenachfrage in den entwickelten Volkswirtschaften weiter sinken wird, sowohl im Strom- als auch im Industriesektor“, so Sadamori. Dies werde jedoch mittelfristig durch das Wachstum in Indien und den Asean-Ländern mehr als ausgeglichen. Allerdings spiele hier eine Rolle, wie sich die weltweit steigenden Stromnachfrage tatsächlich entwickeln werde. In den IEA-Modellen gehe man von einem steilen Anstieg aus, so Sadamori, dennoch werde die Kohle ein bis 2027 andauerndes Plateau erreichen.

Warum ist China so wichtig für die globale Kohlenachfrage?

China ist zwar noch der weltgrößte Kohlekonsument, vor allem zur Stromerzeugung, will aber perspektivisch dekarbonisieren. Dazu fährt das Land CCS-Projekte, wie dieses am Kraftwerk Taizhou in Ostchina. Weltweit, so die Internationale Energieagentur, komme aber der Ausbau der Kohlenstoffspeicherung nur langsam voran.

Foto: IMAGO/Xinhua

Ein Drittel der weltweit verbrauchten Kohle wird in chinesischen Kraftwerken zur Stromerzeugung verbrannt. In 2023 erzeugte China 5884 TWh Strom aus Kohle und hat seine Kapazität auf 1170 GW ausgebaut. Der Ausbau von Kernkraftwerken, von Solar- und Windenergie sowie die Stabilisierung der Wasserkraftproduktion in China sollen den Kohleverbrauch bremsen. Doch gleichzeitig steigt die Elektrizitätsnachfrage in China weiterhin stark, getrieben von Sektoren wie Elektromobilität und Rechenzentren.

Wetterbedingte Schwankungen könnten dem Bericht zufolge den prognostizierten jährlichen Kohleverbrauch in China im Jahr 2027 um bis zu 140 Mio. t nach oben wie auch nach unten beeinflussen. Laut Sadamori ist die mögliche Bandbreite des Kohleverbrauchs durch wetterbedingte Schwankungen in China allein größer als die jährlichen Veränderungen der globalen Kohlenachfrage in der IEA-Prognose.

In den Industrieländern sinkt die Kohlenachfrage kontinuierlich. Die EU und die USA verzeichnen 2024 Rückgänge von 16 % bzw. 5 %. Gründe sind der Ökostromausbau und politische Maßnahmen zur Dekarbonisierung. In der EU deckt Kohle nur noch 10 % des Strombedarfs. Die gesamte EU verbrauchte 2024 312 Mio. t, 2027 sollen es nur noch 244 Mio. t sein.

Hingegen wächst der Kohleverbrauch in Schwellenländern wie Indien, Indonesien und Vietnam. Indien macht sich auf, China als globalen Pacemaker für die Kohle abzulösen. Die Kohlenachfrage in dem bevölkerungsreichsten Land der Erde wird wohl 2024 um 70 Mio. t auf 1315 Mrd. t steigen, getrieben durch Strom- und Industrieproduktion. „Bis 2025 erwarten wir, dass Indien mehr als das Doppelte der Kohlemengen verbraucht, die in der EU und den USA zusammen genutzt werden“, erklärt Sadamori. Zudem erwarte die IEA, „dass Indien das einzige Land sein wird, das die Kohleproduktion in Zukunft weiter signifikant steigern wird, sowohl im öffentlichen als auch im privaten Sektor“.

Wie steht es um den internationalen Kohlehandel?

Der internationale Kohlehandel hat 2024 ein Rekordniveau von 1,55 Mrd. t erreicht, wird aber bis 2027 zurückgehen. Indonesien, der größte Exporteur von Kohle, wird 2024 voraussichtlich 550 Mio. t Kohle exportieren, 10 % mehr als 2023. Asien bleibt der größte Markt, mit Importnationen wie China und Indien sowie Exportländern (obwohl beide selbst stark fördern) wie Indonesien und Australien.

Was bedeuten die Rekorde bei der globalen Kohlenachfrage für den Klimaschutz?

Die CO2-Emissionen aus Kohle werden laut IEA bis 2027 kaum sinken. Der Ausbau der Kohlenstoffspeicherung (CCUS) komme weltweit nur langsam voran. Die wachsende Nutzung erneuerbarer Energien reicht nicht aus, um die steigenden Emissionen in Schwellenländern auszugleichen. Anmerkung: Im September 2024 schloss das Vereinigte Königreich sein letztes Kohlekraftwerk. Dies markiert das Ende von 142 Jahren Kohleverstromung in einem Land, das einst die industrielle Revolution anführte.

Ein Beitrag von:

  • Stephan W. Eder

    Stephan W. Eder ist Technik- und Wissenschaftsjournalist mit den Schwerpunkten Energie, Klima und Quantentechnologien. Grundlage hierfür ist sein Studium als Physiker und eine anschließende Fortbildung zum Umweltjournalisten.

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