Über 13 Jahre nach der Katastrophe 04.11.2024, 12:30 Uhr

Fukushima: Roboter birgt erstmals geschmolzenen Kernbrennstoff

Ein Roboter birgt erstmals geschmolzenen Brennstoff aus Fukushima-Reaktor. Die 5 mm große Probe soll Erkenntnisse über den Zustand des radioaktiven Materials liefern.

Kernkraftwerk Fukushima

Der Rückbau des Kernkraftwerks Fukushima wird noch viele Jahre dauern. Erstmals wurde nun eine Probe des geschmolzenen Brennstoffs geborgen.

Foto: IMAGO/Kyodo News

Über 13 Jahre nach der Nuklearkatastrophe in Fukushima gelang es einem Roboter erstmals, ein kleines Fragment geschmolzenen Brennstoffs aus dem beschädigten Reaktor zu entnehmen. Die Mission wurde von der Tokyo Electric Power Company Holdings (TEPCO) geleitet und soll dabei helfen, den Rückbau des zerstörten Kernkraftwerks zu beschleunigen.  Die geborgene Probe ist nur etwa 5 Millimeter groß und 3 Gramm schwer. Sie wird nun analysiert, um den Zustand und die Abbauprozesse der radioaktiven Materialien besser zu verstehen.

Schwierige Bedingungen für den Einsatz

Seit dem schweren Erdbeben und Tsunami von 2011, das zur Kernschmelze in drei Reaktoren des Kraftwerks führte, befindet sich TEPCO im Dauereinsatz, um den Rückbau sicher zu gestalten. Schätzungen zufolge lagern noch immer rund 880 Tonnen hochradioaktiver, geschmolzener Brennstoff im Kraftwerk. Der Einsatz robuster, ferngesteuerter Roboter hat sich dabei als unentbehrlich erwiesen, denn die Strahlung innerhalb des Reaktors ist für Menschen tödlich.

Das aktuelle Projekt begann bereits im August 2024, doch technische Herausforderungen führten immer wieder zu Verzögerungen. Zunächst führte ein Verfahrensfehler zu einem etwa dreiwöchigen Stillstand. Später fielen die beiden Kameras des „Telesco“-Roboters aus, was eine Unterbrechung zur Reparatur erforderte.

Bergung am 2. November

Am 2. November gelang es dem „Telesco“-Roboter schließlich, ein kleines Brennstofffragment aus einem Bereich des Reaktors Nr. 2 zu entnehmen. Mit einem speziellen, an eine Angel erinnernden Greifarm konnte er die Probe sicher packen und in einen geschützten Container überführen. TEPCO zufolge stammt die Probe aus einer Zone direkt unterhalb des Reaktorkerns, in der sich bei der Kernschmelze 2011 große Mengen geschmolzenen Brennstoffs angesammelt hatten.

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„Diese winzige Probe wird uns wichtige Daten liefern, um den Rückbauprozess besser planen zu können“, erklärte Akira Ono, der Leiter des Fukushima-Kraftwerks. Auch die Entwicklung weiterer Technologien und Roboter für die sichere Entsorgung des radioaktiven Materials soll durch diese Untersuchung vorangetrieben werden.

Untersuchung und Rückbaupläne

Nun steht die Analyse der Probe im Fokus. „Wir müssen feststellen, ob die Radioaktivität unter einem bestimmten Grenzwert liegt“, berichtet ein TEPCO-Vertreter. Sollte dieser überschritten werden, könnte eine weitere Probenahme erforderlich werden. Die Analyse soll wertvolle Hinweise darauf geben, wie der Brennstoff im Laufe der Jahre degradiert ist und wie eine sichere Entsorgung geplant werden kann.

Japans Regierung und TEPCO haben das Ziel ausgegeben, den vollständigen Rückbau des Kraftwerks innerhalb von 30 bis 40 Jahren abzuschließen. Diese Einschätzung gilt jedoch als optimistisch, da die Herausforderung, tonnenweise hochradioaktives Material sicher zu bergen und zu lagern, enorm ist.

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Langfristige Pläne und Sicherheitsbedenken

Parallel zur Rückbauplanung für Fukushima wurden auch die Sicherheitsstandards für andere Atomkraftwerke in Japan drastisch erhöht. Kürzlich wurde im Nordosten des Landes das Kernkraftwerk Onagawa wieder in Betrieb genommen, das beim Erdbeben von 2011 ebenfalls beschädigt wurde. Infolge der Katastrophe wurden zahlreiche Sicherheitsmaßnahmen wie etwa eine 29 Meter hohe Flutmauer eingeführt. Dies zeigt die Bemühungen Japans, die Nukleartechnologie sicherer zu gestalten und weitere Unfälle zu verhindern.

TEPCO und die Regierung arbeiten eng zusammen, um neue Technologien für den sicheren Rückbau zu entwickeln. Der Einsatz von Robotern, wie der jüngste Erfolg von „Telesco“ beweist, ist dabei essenziell. Die gesammelte Probe soll helfen, den Zustand des Reaktors besser zu verstehen und die Abbauprozesse sicher zu gestalten.

Ein Beitrag von:

  • Dominik Hochwarth

    Redakteur beim VDI Verlag. Nach dem Studium absolvierte er eine Ausbildung zum Online-Redakteur, es folgten ein Volontariat und jeweils 10 Jahre als Webtexter für eine Internetagentur und einen Onlineshop. Seit September 2022 schreibt er für ingenieur.de.

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