Solarkraftwerk auf Baggersee 14.10.2025, 11:38 Uhr

Bayern: So funktioniert die erste vertikale Floating-PV der Welt

In Bayern ist die erste senkrechte Floating-PV der Welt gestartet. Wir zeigen, wie sie funktioniert – und welches Potenzial die Technologie hat.

Geschäftsführer Dr. Philipp Sinn mit Ministerpräsident Marcus Söder und anderen Gästen auf einem Boot vor der Floating PV-Anlage nahe München. Foto: SINN Power GmbH

Geschäftsführer Dr. Philipp Sinn mit Ministerpräsident Marcus Söder und anderen Gästen auf einem Boot vor der Floating PV-Anlage nahe München.

Foto: SINN Power GmbH

Schwimmende Photovoltaikanlagen („Floating PV“) haben ein Problem: Sie bedecken viel Wasserfläche und liefern – wie klassische Dachanlagen – ihre Spitzenleistung zur Mittagszeit. Das Problem: Genau dann ist der Strom an der Börse am wenigsten wert.

Eine neue Technologie dreht das Konzept buchstäblich um 90 Grad: Im bayerischen Kieswerk Jais bei Starnberg ging unlängst die erste vertikal schwimmende PV-Anlage der Welt in Betrieb. Die Anlage von Sinn Power aus Gauting produziert vor allem morgens und abends Strom – also dann, wenn konventionelle PV-Anlagen schwächeln.

Wie funktioniert vertikale Floating-PV?

Die sogenannte SKipp-Technologie basiert auf senkrecht montierten Solarmodulen, die in Ost-West-Ausrichtung auf dem Wasser installiert werden.

Stellenangebote im Bereich Energie & Umwelt

Energie & Umwelt Jobs
Die Autobahn GmbH des Bundes, Niederlassung Südbayern-Firmenlogo
Ingenieur (m/w/d) Stoffstrom- und Abfallmanagement für die Außenstelle München-Maisach Die Autobahn GmbH des Bundes, Niederlassung Südbayern
München-Maisach Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes, Niederlassung Südbayern-Firmenlogo
Sachbearbeiter Wassertechnik - Gewässerschutzbeauftragter (m/w/d) in der Außenstelle Maisach Die Autobahn GmbH des Bundes, Niederlassung Südbayern
Maisach Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes, Niederlassung Südbayern-Firmenlogo
Umweltingenieur / Umwelttechniker als Ingenieur Abfallmanagement im Betrieb für die Außenstelle München-Maisach (m/w/d) Die Autobahn GmbH des Bundes, Niederlassung Südbayern
Maisach Zum Job 
Rolls-Royce-Firmenlogo
Projektingenieur (m/w/d) Elektrotechnik Rolls-Royce
Friedrichshafen Zum Job 
Daldrop + Dr.Ing.Huber GmbH + Co. KG-Firmenlogo
Projektleiter TGA (m/w/d) Reinraumtechnik Daldrop + Dr.Ing.Huber GmbH + Co. KG
Neckartailfingen Zum Job 
THOST Projektmanagement GmbH-Firmenlogo
Ingenieur*in / Projektmanager*in (m/w/d) in der Steuerung von Großprojekten im Bereich Energiewende THOST Projektmanagement GmbH
European Energy A/S-Firmenlogo
Grid Connection Specialist - Wind / PV (m/w/d) European Energy A/S
Markkleeberg bei Leipzig Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Bauingenieur für Straßenplanung und -entwurf / Immissionsschutz (m/w/d) Die Autobahn GmbH des Bundes
Regensburg Zum Job 
Stadtwerke Essen AG-Firmenlogo
Ingenieur / Techniker (gn) für Kanal- und Entwässerungsplanung Stadtwerke Essen AG
Stadtwerke Potsdam GmbH-Firmenlogo
Experte (m/w/d) Energieinfrastruktur und Bauprojekte - Planung und Realisierung - Stadtwerke Potsdam GmbH
Potsdam Zum Job 
VSE Verteilnetz GmbH-Firmenlogo
Technischer Sachbearbeiter Sekundärtechnik-Ausführung Schutz- und Leittechnik (m/w/d) VSE Verteilnetz GmbH
Saarwellingen Zum Job 
Netz Leipzig GmbH-Firmenlogo
Teamleitung (m/w/d) Leitstelle Strom Netz Leipzig GmbH
Leipzig Zum Job 
Landesbetrieb Straßenwesen Brandenburg-Firmenlogo
Ingenieur / Ingenieurin (m/w/d) als Dezernatsleitung Planung West Landesbetrieb Straßenwesen Brandenburg
Potsdam Zum Job 
Regierungspräsidium Freiburg-Firmenlogo
Bachelor / Diplom (FH) (w/m/d) Bau-, Chemie-, Umweltingenieurwesen, Verfahrenstechnik Regierungspräsidium Freiburg
Freiburg Zum Job 
Gemeinde Steinen-Firmenlogo
Leiter/in des Fachbereichs Bauen und Umwelt (w/m/d) Gemeinde Steinen
Steinen Zum Job 
Staatliches Hochbauamt Stuttgart-Firmenlogo
Ingenieur der Fachrichtung Landschaftsplanung / Landschaftsarchitektur / Umweltplanung (w/m/d) Staatliches Hochbauamt Stuttgart
Stuttgart, Stetten am kalten Markt Zum Job 
BG ETEM-Firmenlogo
Ingenieur/-in (m/w/d) für den Außendienst als Aufsichtsperson BG ETEM
Region Hannover-Braunschweig-Göttingen Zum Job 
GW Batterien GmbH-Firmenlogo
Anwendungstechniker (m/w/d) GW Batterien GmbH
Zwickau Zum Job 
Stadt Koblenz-Firmenlogo
Ingenieur (w/m/d) für die Betreuung der Hochwasserschutzanlagen Stadt Koblenz
Koblenz Zum Job 
Gemeindewerke Baiersbronn-Firmenlogo
Technische:r Betriebsleiter:in für Strom und Telekommunikation Gemeindewerke Baiersbronn
Baiersbronn Zum Job 

Anders als herkömmliche Floating-PV-Systeme, die wie Flöße flach auf der Wasseroberfläche liegen, stehen die Module vertikal und fangen Sonnenlicht aus zwei Richtungen ein. Die Ostseite produziert dadurch morgens, die Westseite abends Strom.

Zwischen den Modulreihen verlaufen mindestens 4 m breite Freiwasserkorridore. Eine kielartige Unterstruktur fixiert die Module über ein Seilsystem im Seegrund. Sie reicht bis zu 1,6 m ins Wasser. Bei Winddruck und wechselnden Wasserständen kann sich die Konstruktion kontrolliert bewegen. Das minimiert mechanische Belastungen und erhöht so die Lebensdauer der Anlage.

Welche Leistung erzielt sie?

Die Anlage auf dem Gilchinger See (knapp 30 km westlich von München) verfügt über 2600 PV-Module. Zusammen erzielen sie eine Leistung von 1,87 MW. Die erwartete Jahresproduktion liegt bei rund 2 GWh – genug, um den Strombedarf von rund 500 Haushalten im Jahr zu decken.

Schon in den ersten Betriebswochen konnte die Netznutzung des angeschlossenen Kieswerks nach Angaben von Sinn Power um knapp 60 % reduziert werden. Besonders interessant: Noch ist die PV-Anlage mit keinem Stromspeicher verbunden. Über das Jahr erwartet der Hersteller eine Reduktion von bis zu 70 %. Das wäre eine deutliche Entlastung des lokalen Stromnetzes: Das Kieswerk benötigt bis zu 3 GWh Strom pro Jahr.

Bemerkenswert ist auch die Leistungsdichte: Die Anlage bedeckt nur 4,65 % der Seefläche. Damit bleibt sie klar unter der im Wasserhaushaltsgesetz festgelegten Obergrenze von 15 %. Diese geringe Flächenversiegelung ermöglicht deutlich höhere Leistungswerte pro beanspruchter Wasserfläche als klassische Floating-PV-Systeme.

Panoramaansicht der Anlage

2600 PV-Module stehen senkrecht auf einem Baggersee nahe München. Ihre Ausrichtung könnte die Solarbranche revolutionieren.

Foto: SINN Power GmbH

Welche Vorteile hat das System?

Konventionelle Floating PV liefert ihre Maximalleistung zur Mittagszeit, wenn das Stromangebot hoch und die Einspeisevergütung niedrig ist. Durch die vertikale Ausrichtung wird jedoch „PV-Strom produziert, wenn herkömmliche Kraftwerke keinen produzieren“,  wie Sinn Power-Geschäftsführer Dr.  Philipp Sinn bei der Einweihung betonte. Dadurch verschieben sich die Produktionsspitzen in die Morgen- und Abendstunden, wo die Nachfrage steigt und der Strom einen höheren Preis erzielt.

Auch ökologisch bietet die vertikale Ausrichtung Vorteile: Die geringere Wasserbedeckung ermöglicht einen Sauerstoffaustausch und Lichteinfall an der Oberfläche. Damit beeinträchtige sie „weder Flora, Fauna noch das aquatische Habitat“, heißt es bei Sinn Power. Die Konstruktion fördere zudem die natürliche Umwälzung der Wasserschichten.Erste Beobachtungen sollen sogar zeigen, dass die Anlage neuen Lebensraum schafft. Auf den Schwimmkörpern des Seilsystems habe man Wasservögel gesichtet, im Bereich der Rückstellgewichte sammelten sich Fischschwärme. Des Weiteren verweist das bayrische Unternehmen auf Messbojen, die bereits vor Baubeginn installiert wurden: Diese zeigten eine tendenzielle Verbesserung der Wasserqualität seit Inbetriebnahme.

Welches Potenzial hat die SKipp-Technologie?

Die patentierte SKipp-Technologie ist für alle ganzjährig wasserführenden künstlichen Gewässer ab 1,6 m Tiefe konzipiert – insbesondere Kiesgruben und Baggerseen. Und das Potenzial ist groß: Allein in Deutschland gibt es laut Handelsblatt eine vierstellige Zahl von Kieswerken. Und durch die vertikale Anordnung lässt sich die 15-%-Flächenregel des Wasserhaushaltsgesetzes deutlich unterschreiten, wodurch auch kleinere Gewässer wirtschaftlich nutzbar werden.

Als Zielgruppen nennt Sinn Power vor allem Unternehmen mit hohem Strombedarf oder geplanter Elektrifizierungsstrategie. Der Hersteller entwickelte das System auch für maritimen Einsatz und sieht Potenzial für Offshore-Anwendungen unter wellenbelasteten Bedingungen.

Der Zeitpunkt könnte günstig sein: Die weltweit installierte Leistung von Floating-PV stieg laut einem im Juli veröffentlichten Leitfaden des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme (ISE) zuletzt von 10 MW im Jahr 2014 auf 7,7 GW im Jahr 2023. „Die Floating PV-Technologie verfügt über ein signifikantes Potenzial zur Förderung nachhaltiger Energieerzeugung,“, so das Institut.

Ein Beitrag von:

  • Magnus Schwarz

    Magnus Schwarz schreibt zu den Themen Wasserstoff, Energie und Industrie. Nach dem Studium in Aachen absolvierte er ein Volontariat und war mehrere Jahre als Fachredakteur in der Energiebranche tätig. Seit Oktober 2025 ist er beim VDI Verlag.

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.