Sachsen-Anhalt 12.11.2025, 14:00 Uhr

Batterie trifft Solar: Statkraft eröffnet Deutschlands größtes Hybridkraftwerk

Statkraft hat in Zerbst das größte geförderte PV-Batteriespeicher-Kraftwerk Deutschlands in Betrieb genommen. Die Anlage kombiniert 46 MW Solarkraft mit einem 16-MW-Batteriespeicher. Bauzeit: nur 12 Monate.

Ministerpräsident Rainer Haseloff (Mitte) mit Statkraft-Vertretern bei der symbolischen Einweihung am 12.11. Foto: Statkraft/Silke Reents

Ministerpräsident Rainer Haseloff (Mitte) mit Statkraft-Vertretern bei der symbolischen Einweihung am 12.11.

Foto: Statkraft/Silke Reents

Der Co-Location-Boom geht weiter: Statkraft hat Deutschlands größtes Hybridkraftwerk heute (12. November) im Beisein von Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) auf dem Gelände einer ehemaligen Kiesgrube in Zerbst/Anhalt eingeweiht. Der nach eigenen Angaben größte Grünstrom-Erzeuger Europas investiert hier rund 45 Mio. €. Es ist das bislang größte Projekt der Norweger in Deutschland – und die erste Anlage, die sie selbst entwickelt haben.

Pünktlich nach 12 Monaten

Der 46,4-MW-Solarpark erzeugt auf 41 ha knapp 50.000 MWh  Grünstrom pro Jahr. Laut Betreiber reicht das, um jährlich rund 14.000 Haushalte zu versorgen und etwa 32.000 Tonnen CO₂ einzusparen. Der Solarstrom erhält eine Marktprämie aus der EEG-Innovationsausschreibung der Bundesnetzagentur (BNetzA).

Der Bau dauerte vom Spatenstich bis zur Eröffnung nur zwölf Monate – genau nach Plan. In Zeiten häufiger Bauverzögerungen bei Infrastrukturprojekten ist das eine Seltenheit. „Mit dem Solarpark Zerbst setzen wir ein starkes Zeichen: Wir haben ein großes Energiewende-Projekt schnell und effizient umgesetzt“, sagte Claus Urbanke, Vice President Wind, Solar & Storage Development bei Statkraft, bei der Eröffnung.

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Der Solarpark in Zerbst/Anhalt speist seit Oktober Strom ins lokale Netz ein. Foto: Statkraft/Silke Reents

Der Solarpark in Zerbst/Anhalt speist seit Oktober Strom ins lokale Netz ein.

Foto: Statkraft/Silke Reents

Zerbst profitiert finanziell

Nach Angaben von Statkraft profitiert die Stadt Zerbst/Anhalt unmittelbar von dem Projekt. Demnach entrichtet der Konzern neben der Gewerbesteuer eine freiwillige Kommunalabgabe in Höhe von rund 100.000 € pro Jahr. Über die Einnahmen könne die Stadt frei verfügen und damit zum Beispiel Infrastruktur-Projekte umsetzen.

Ministerpräsident Haseloff betonte: „Der Solarpark Zerbst ist ein Leuchtturmprojekt, das zeigt, wie die Energiewende in Sachsen-Anhalt gelingt. Die innovative Speichertechnologie macht dieses Hybridkraftwerk zu einem wichtigen Baustein für die Netzstabilität.“

Was ist ein Hybridkraftwerk?

Die Anlage kombiniert Solar- und Speichertechnologie am selben Standort – eine sogenannte Co-Location. 88 Batterie-Cubes mit je 16 Lithium-Ionen-Akkus und einer Gesamtleistung von 16 MW speichern bis zu 57 MWh Strom. Sie können überschüssigen Strom der Solarmodule tagsüber speichern und abends oder nachts abgeben, wenn kein Solarstrom mehr erzeugt wird.

„Batteriespeicher und Erneuerbare sind im Grunde eine sehr logische Kombination“, erklärte Klaas Bauermann, Head of New Business bei Statkraft, schon Mitte Oktober im Interview mit ingenieur.de. „Sie können überschüssigen Strom bei Einspeisespitzen aufnehmen und zu einem Zeitpunkt, zu dem die Erneuerbaren weniger produzieren und die Preise entsprechend hoch sind, wieder ins Netz ausspeisen.“

Diese Flexibilität kann die Stabilität des Stromnetzes erhöhen. Der Anteil von Wind und Solar im deutschen Strommix liegt mittlerweile bei über 60 %. Die Volatilität erneuerbarer Energien belastet jedoch in Spitzenphasen das Stromnetz und führt zu starken Preisschwankungen. „Wir brauchen für ein Energiesystem mit einem immer höheren Anteil an erneuerbarer Stromerzeugung kurzfristige Speicherkapazität, die Tagesschwankungen ausgleicht und mehr Flexibilität ins Netz bringt“, so Bauermann.

Vorteile der Co-Location

Ein weiterer Vorteil der Co-Location: Bei negativen Strompreisen werden neue Erneuerbare-Energien-Anlagen normalerweise abgeschaltet und bekommen keine Förderung. In Zerbst kann der Strom aber auf direktem Weg in die Batterie geleitet und erst später ins Netz eingespeist werden. „Negative Preise werden damit zur Chance“, erklärte Bauermann gegenüber ingenieur.de. „Der Strom wird zwischengespeichert und später mit Marktprämie vergütet.“

Hinzu kommt die optimale Nutzung der vorhandenen Infrastruktur: Wenn Solar- und Speicheranlage denselben Einspeisepunkt nutzen, spart das Kosten.

Statkraft ist früh dran – und plant weitere Projekte

Das Projekt in Zerbst gewann 2021 die Innovationsausschreibung der Bundesnetzagentur und erhält entsprechende Fördermittel. „Die Investitionsentscheidung für das Projekt hatten wir bereits zu einem Zeitpunkt getroffen, als der heutige Co-Location-Trend noch nicht absehbar war“, erklärte Bauermann auf ingenieur.de. Tatsächlich erlebt der Markt für Batteriespeicher in Deutschland gerade einen Boom – allerdings später als in anderen europäischen Märkten. „Die Kosten für Batteriespeicher sinken, und der Anteil von Wind und Solar im Strommix steigt“, so Bauermann. „Beides trifft momentan zusammen.“

Statkraft hat sein Projektportfolio in Deutschland in den letzten Jahren kontinuierlich aufgebaut. Der Konzern verfügt über eine Pipeline von Wind-, Solar- und Speicherprojekten mit einer möglichen Gesamtleistung von  4 GW. „Wir planen weitere Co-Location-Projekte dieser Größenordnung“, so Bauermann im Oktober. Mit Zerbst will Statkraft zeigen, dass diese Projekte nicht nur technisch machbar, sondern auch wirtschaftlich attraktiv sind.

Ein Beitrag von:

  • Magnus Schwarz

    Magnus Schwarz schreibt zu den Themen Wasserstoff, Energie und Industrie. Nach dem Studium in Aachen absolvierte er ein Volontariat und war mehrere Jahre als Fachredakteur in der Energiebranche tätig. Seit Oktober 2025 ist er beim VDI Verlag.

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