Größter Elektrolyseur Deutschlands 28.11.2025, 11:43 Uhr

320 MW für Emden: Baubeginn für Europas Wasserstoff-Giganten

In Emden rollen die Bagger: EWE baut einen der größten Elektrolyseure Europas. Was das Projekt auszeichnet – und was es ausbremst.

Der Elektrolyseur in Emden als Rendering vor Feldern und mit Windrädern

So soll der 320-MW-Elektrolyseur in Emden ab 2027 aussehen.

Foto: EWE/Jan Lübkemann

In Emden entsteht eine der größten Wasserstoffanlagen Europas: Der Oldenburger Energieversorger EWE hat heute (28. November) offiziell mit dem Bau seines 320-MW-Elektrolyseurs begonnen.

Im Zusammenhang mit dem deutschen Wasserstoffhochlauf ist oft von „Meilensteinen“ die Rede, aber selten war der Begriff so angebracht wie hier. Zum Vergleich: Der aktuell größte Elektrolyseur Deutschlands befindet sich bei BASF in Ludwigshafen. Seine Kapazität: 54 MW.

Aber was zeichnet den Elektrolyse-Giganten in Emden neben seiner schieren Größe aus, und wie ist der Zeitplan?

Stellenangebote im Bereich Energie & Umwelt

Energie & Umwelt Jobs
European Energy A/S-Firmenlogo
Grid Connection Specialist - Wind / PV (m/w/d) European Energy A/S
Markkleeberg bei Leipzig Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Bauingenieur für Straßenplanung und -entwurf / Immissionsschutz (m/w/d) Die Autobahn GmbH des Bundes
Regensburg Zum Job 
Gemeinde Steinen-Firmenlogo
Leiter/in des Fachbereichs Bauen und Umwelt (w/m/d) Gemeinde Steinen
Steinen Zum Job 
Netz Leipzig GmbH-Firmenlogo
Teamleitung (m/w/d) Leitstelle Strom Netz Leipzig GmbH
Leipzig Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes, Niederlassung Südbayern-Firmenlogo
Ingenieur (m/w/d) Stoffstrom- und Abfallmanagement für die Außenstelle München-Maisach Die Autobahn GmbH des Bundes, Niederlassung Südbayern
München-Maisach Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes, Niederlassung Südbayern-Firmenlogo
Sachbearbeiter Wassertechnik - Gewässerschutzbeauftragter (m/w/d) in der Außenstelle Maisach Die Autobahn GmbH des Bundes, Niederlassung Südbayern
Maisach Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes, Niederlassung Südbayern-Firmenlogo
Umweltingenieur / Umwelttechniker als Ingenieur Abfallmanagement im Betrieb für die Außenstelle München-Maisach (m/w/d) Die Autobahn GmbH des Bundes, Niederlassung Südbayern
Maisach Zum Job 
Rolls-Royce-Firmenlogo
Projektingenieur (m/w/d) Elektrotechnik Rolls-Royce
Friedrichshafen Zum Job 
Daldrop + Dr.Ing.Huber GmbH + Co. KG-Firmenlogo
Projektleiter TGA (m/w/d) Reinraumtechnik Daldrop + Dr.Ing.Huber GmbH + Co. KG
Neckartailfingen Zum Job 
Stadtwerke Potsdam GmbH-Firmenlogo
Experte (m/w/d) Energieinfrastruktur und Bauprojekte - Planung und Realisierung - Stadtwerke Potsdam GmbH
Potsdam Zum Job 
BG ETEM-Firmenlogo
Ingenieur/-in (m/w/d) für den Außendienst als Aufsichtsperson BG ETEM
Region Hannover-Braunschweig-Göttingen Zum Job 
GW Batterien GmbH-Firmenlogo
Anwendungstechniker (m/w/d) GW Batterien GmbH
Zwickau Zum Job 
Stadt Koblenz-Firmenlogo
Ingenieur (w/m/d) für die Betreuung der Hochwasserschutzanlagen Stadt Koblenz
Koblenz Zum Job 
naturenergie netze GmbH-Firmenlogo
Ingenieur als Teamleiter Netzleitstelle (m/w/d) naturenergie netze GmbH
Rheinfelden (Baden), Donaueschingen Zum Job 
Kreis Coesfeld-Firmenlogo
Leitung der Abteilung Umwelt (m/w/d) Kreis Coesfeld
Coesfeld Zum Job 
Duale Hochschule Sachsen (DHSN)-Firmenlogo
W2-Professur für "Umweltanalytik und Umwelttechnik" (m/w/d) Duale Hochschule Sachsen (DHSN)
AOK Hessen. Die Gesundheitskasse.-Firmenlogo
Ingenieur (m/w/d) - Elektrotechnik AOK Hessen. Die Gesundheitskasse.
Groß-Gerau Zum Job 
Alltech Dosieranlagen GmbH-Firmenlogo
Vertriebs- und Projektingenieur (m/w/d) Schwerpunkt: Verfahrenstechnik / Umwelttechnik / Elektrotechnik Alltech Dosieranlagen GmbH
Weingarten Zum Job 
SOCON Sonar Control Kavernenvermessung GmbH-Firmenlogo
Vermessungsingenieur / Geodäsie (m/w/d) SOCON Sonar Control Kavernenvermessung GmbH
Gießen Zum Job 
Stadtwerke Essen AG-Firmenlogo
Ingenieur / Techniker (gn) für Kanal- und Entwässerungsplanung Stadtwerke Essen AG

Wasserstoff ab 2027: Siemens Energy liefert die Technik

Jetzt rollen die Bagger: In genau zwei Jahren, Ende 2027, soll in Emden grüner Wasserstoff entstehen. Eine Arbeitsgemeinschaft aus Ludwig Freytag, Gebrüder Neumann und MBN hat die Tief- und Hochbauarbeiten übernommen.

Das technische Herzstück – die PEM-Elektrolyse-Stacks – liefert Siemens Energy. Der Hersteller hat bereits die 20-MW-Anlage „Trailblazer“ von Air Liquide in Oberhausen sowie den Großelektrolyseur von BASF ausgestattet. Die Verdichter stammen vom Maschinenbauer Neuman & Esser aus der Nähe von Aachen.

„Mit dem Baustart gehen wir einen entscheidenden Schritt vom Planen ins Umsetzen“, sagte EWE-Vorstandschef Stefan Dohler. „Wir setzen damit ein starkes Signal für den industriellen Markthochlauf.“

Erzeugung, Speicher, Pipeline: EWEs Masterplan gegen das Henne-Ei-Problem

Die Anlage ist kein Einzelprojekt, sondern Teil des Großvorhabens „Clean Hydrogen Coastline“. Die Idee: Wasserstoff nicht nur erzeugen, sondern auch speichern und transportieren – ein geschlossenes System, das mit einem regionalen Ansatz die typischen Henne-Ei-Probleme des Markthochlaufs umgehen soll.

Damit das gelingt, rüstet EWE in Huntorf eine Salzkaverne zur großtechnischen Wasserstoffspeicherung um. Eine Pipeline-Achse zwischen Wilhelmshaven, Leer und Emden soll den Anschluss an das deutsche Wasserstoffkernnetz sicherstellen und bildet so die Wasserstoff-Arterie des Clusters.

Insgesamt investiert EWE bis zu 1 Mrd. €  in Clean Hydrogen Coastline. Mehr als die Hälfte wird über die IPCEI-Förderung von Bund und Ländern finanziert.

Clean Hydrogen Coastline: Die drei Teilprojekte im Überblick

  • Elektrolyse Ostfriesland: 320-MW-Elektrolyseur in Emden, Inbetriebnahme Ende 2027
  • Speicher Huntorf: Umrüstung einer Salzkaverne zur großtechnischen Wasserstoffspeicherung
  • H2-Pipeline-Infrastruktur Nordwest: Anbindung an das deutsche und europäische Wasserstoffkernnetz
Aktueller Blick auf das Baufeld in Emden. (Foto: EWE/Jan Lübkemann)

Aktueller Blick auf das Baufeld in Emden. (

Foto: EWE/Jan Lübkemann)

50 % Mehrkosten: Wie EU-Regeln den Wasserstoff verteuern

Trotz des Baufortschritts übt Dohler scharfe Kritik an den europäischen Rahmenbedingungen. Die EU-Regeln zur Zusätzlichkeit und Zeitgleichheit beim Strombezug würden die Produktionskosten in Emden um etwa 88 % erhöhen, hatte er im Sommer dem Fachportal H2News erklärt. Bezogen auf den Preis pro kg bedeute das über 50 % Mehrkosten. „Unser Wasserstoff wird teurer, als er sein müsste“, so Dohler damals.

Das Problem: Die sogenannten RFNBO-Kriterien für grünen Wasserstoff schreiben vor, dass Elektrolyseure ihren Strom aus neuen Erneuerbare-Energien-Anlagen beziehen und die Produktion stündlich mit der Stromerzeugung abgleichen müssen. Ein flexibler, preisoptimierter Betrieb ist damit kaum möglich.

Die Anlage in Emden profitiert allerdings noch bis 2030 vom Bestandsschutz. Erst danach greifen die strengeren Vorgaben.

Was sich laut EWE ändern muss

EWE fordert deshalb eine Reform der RFNBO-Regeln, wettbewerbsfähige Strompreise für Elektrolyseure sowie politische Instrumente, die die Wasserstoffnachfrage ankurbeln – etwa durch Quoten für grüne Industrieprodukte. Dohler verwies auf den jüngsten Bericht des Bundesrechnungshofs zur Nationalen Wasserstoffstrategie:

„Der Bericht bestätigt aus unserer Sicht, dass der Markthochlauf deutlich beschleunigt und wirtschaftlicher gestaltet werden muss“, sagte er. „Der Hochlauf gelingt nur, wenn Regulierung und Förderung zielgerichtet weiterentwickelt werden.“

Mit 37 Salzkavernen verwaltet der Energieversorger über 15 % der deutschen Erdgas-Kavernenspeicher. Sie alle eignen sich potenziell zur Wasserstoffspeicherung – und könnten den Nordwesten Deutschlands so zu einem Zentrum der H2-Wirtschaft machen.

Mehr zu Clean Hydrogen Coastline im EWE-Video

Hier wird Ihnen ein externer Inhalt von youtube.com angezeigt.
Mit der Nutzung des Inhalts stimmen Sie der Datenschutzerklärung von youtube.com zu.

Der Aufbau einer industriellen Wasserstoffwirtschaft ist eine der zentralen Aufgaben für die Zukunftsfähigkeit des Technologiestandorts Deutschland. Die VDI-Initiative „Zukunft Deutschland 2050″ begleitet diese Transformation mit faktenbasierten Analysen und Handlungsempfehlungen für Politik und Wirtschaft.

Grafik: VDI

Grafik: VDI

Mehr zur Initiative erfahren Sie hier: https://www.vdi.de/themen/zukunft-deutschland-2050

Ein Beitrag von:

  • Magnus Schwarz

    Magnus Schwarz schreibt zu den Themen Wasserstoff, Energie und Industrie. Nach dem Studium in Aachen absolvierte er ein Volontariat und war mehrere Jahre als Fachredakteur in der Energiebranche tätig. Seit Oktober 2025 ist er beim VDI Verlag.

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.