Myonen-Detektoren offenbaren unbekannten Hohlraum 10.11.2017, 07:28 Uhr

Wie vermisst man Pyramiden?

Die Pyramiden von Cheops gehören zu den Sieben Weltwundern. Dennoch machen Forscher immer wieder neue Entdeckungen in ihrem Innern, wie zuletzt ein 30 Meter großer Hohlraum. Wie kann das sein?

Die Computergrafik zeigt einen möglichen Hohlraum in der Cheops-Pyramide südwestlich von Gizeh. Forscher haben ihn mithilfe von kosmischen Strahlen entdeckt.

Die Computergrafik zeigt einen möglichen Hohlraum in der Cheops-Pyramide südwestlich von Gizeh. Forscher haben ihn mithilfe von kosmischen Strahlen entdeckt.

Foto: ScanPyramids Mission/dpa

Pyramiden gelten als geheimnisumwobene Bauwerke. Obwohl sie stetig erforscht werden, gibt es immer wieder neue Entdeckungen. Die Funde helfen, die Menschen, die vor Jahrtausenden lebten, besser verstehen zu können. Doch die Analyse von Pyramiden ist hoch komplex, das Auffinden neuer Räume schwer, weil die historisch wertvollen Bauwerke erhalten werden sollen.
Erst kürzlich gelang Pyramidenforschern Erstaunliches: Sie entdeckten mit sogenannten Myonen-Detektoren einen bisher unbekannten Hohlraum in der Cheops-Pyramide. Das wirft die Frage auf, ob diese und andere neuartige Technologien schonende Möglichkeiten bieten, einen tieferen Blick ins Innere der Giganten zu erhaschen.

Die neuentdeckte Höhle in der Cheops-Pyramide

Die Cheops-Pyramide in Ägypten ist eine der bekanntesten Pyramiden der Welt. Mit ihrer Höhe von rund 147 Metern und ihren vier Seitenlängen von jeweils rund 230 Metern ist sie zugleich die größte. Sie wurde vor etwa 4.500 Jahren unter Pharao Cheops auf dem Gizeh-Plateau errichtet. In ihrem Inneren wurden schon diverse Tunnel, Korridore, Schächte und Gänge, aber auch drei bedeutungsvolle Kammern entdeckt: die Königskammer, die Königinnenkammer und die Große Galerie. Sie waren bereits vor Jahrhunderten geplündert worden und sind deshalb schon länger zugänglich.

Wegen ihres gewaltigen Volumens von etwa 2,58 Millionen Kubikmetern wurden in der Cheops-Pyramide jedoch schon immer weitere bedeutungsvolle Hohlräume vermutet. Mit Hilfe von Elektromagnetismus-Scannern, Ultraschallgeräten und Robotern konnten in der jüngeren Vergangenheit auch mehr oder weniger interessante Kammern und Schächte entdeckt werden. Deren Möglichkeiten sind jedoch begrenzt, weil sie nah am Hohlraum eingesetzt werden müssen. Die ungefähre Lage der zu entdeckenden Hohlräume innerhalb der Pyramide muss daher schon bekannt sein, damit diese Technologien etwas aufspüren können.

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Im Herbst 2017 gelang es Forschern vom Projekt Scan Pyramids mit Hilfe einer neuen Technologie einen weiteren Gang von erstaunlicher Größe in der Cheops-Pyramide ausfindig zu machen. Er liegt oberhalb der Großen Galerie und soll laut Schätzungen ungefähr 30 Meter lang und acht Meter hoch sein. Damit gilt er als größter entdeckter Hohlraum der Pyramide seit dem 19. Jahrhundert.

Ob er sagenhafte Schätze enthält und zu welchem Zweck er von den alten Ägyptern in die Pyramide eingelassen wurde, ist bislang noch ungeklärt. Viel interessanter ist zu diesem Zeitpunkt, wie es dem Scan-Pyramid-Projekt gelang, den Gang zu finden. Denn die Technologie kann vielleicht auch andere Geheimnisse lüften.

Mit Myonen und Argon Hohlräume aufspüren

Das Scan-Pyramids-Projekt steht unter der Leitung einer Universität aus dem ägyptischen Kairo, einer aus dem kanadischen Quebec und einer aus dem japanischen Nagoya. Das internationale Projektteam macht sich kosmische Strahlung zunutze. Diese Strahlung führt in der oberen Atmosphäre zur Bildung von sekundärer kosmischer Strahlung, die Myonen umfasst. Dabei wiederum handelt es sich um Elementarteilchen, die zum Teil die gleichen Eigenschaften wie Elektronen besitzen, aber deutlich größer sind. Trotzdem sind die energiegeladenen Teilchen noch immer klein und schnell genug, um die Steine der Cheops-Pyramide durchdringen zu können.

Wie andere Teilchen auch werden Myonen direkt von ihrer Umwelt beeinflusst, so auch in Pyramiden. Anders als im dichten Gestein werden Myonen in Hohlräumen nämlich weniger stark absorbiert und abgelenkt. Die sich in Lichtgeschwindigkeit durch die Pyramide bewegenden Myonen bleiben dort also stärker erhalten. Mit Hilfe von entsprechend ausgerüsteten Detektoren wird die Dichte des Myonenflusses gemessen. Wird irgendwo eine erhöhte Dichte an Myonen gemessen, muss dort also ein Hohlraum vermutet werden. Als Referenz für die Zuverlässigkeit der Messung diente übrigens die Königinnenkammer, die durch den Myonenstrom ebenfalls sichtbar gemacht werden konnte.

Die Pyramiden von Giseh (Ägypten) bestehen aus (v.l.) der des Mykerinos, des Chephren und des Cheops.

Die Pyramiden von Giseh (Ägypten) bestehen aus (v.l.) der des Mykerinos, des Chephren und des Cheops.

Quelle: Mike Nelson/epa/dpa

Die Messungen des Scan-Pyramids-Projektes begannen bereits im Dezember 2015. Zum Einsatz kamen drei verschiedene Detektoren, die jeweils auf ihre Art Myonendichten messen können. Die Detektoren arbeiten mit lichtempfindlichen Filmen, einem Szintillator-Hodoskop, das bei Myonenkontakt Lichtblitze ausführt, sowie mit Argongas, das bei Myonenkontakt teilweise ionisiert. Alle Methoden sind in der Lage, Hohlräume in Pyramiden zu finden. Die Detektoren wurden innerhalb und außerhalb der Pyramide platziert. So haben sie in der Königinnenkammer und an der Nordseite der Pyramide gemessen. Bevor die Messungen zum neuentdeckten Hohlraum führten, vergingen allerdings einige Monate.

Weitere erfolgsversprechende Technologien zur Vermessung von Pyramiden

Nicht nur in Ägypten befinden sich noch unerforschte Pyramiden. Auch im mexikanischen Teotihuacán stehen einige der mysteriösen Bauten. Mit Hilfe eines ferngesteuerten Roboters konnten dort 2013 drei bis dato unbekannte Grabkammern entdeckt werden. Anders als in der Cheops-Pyramide machte dieser sich jedoch einen 120 Meter langen Tunnel zunutze. Er war so eng und unwegsam, dass er nur mit einem kleinen technischen Helfer und nicht von den Wissenschaftlern direkt erkundet werden konnte. Zudem war er teilweise verschüttet. Wir sollten davon ausgehen, dass diese Kammern zielsicher auch mit der neuen nicht-invasiven Technologie, die in der Cheops-Pyramide zum Einsatz kam, auffindbar gewesen wären. Ob wir dagegen zeitnah herausfinden, was sich in der Kammer befindet und wofür sie genutzt wurde, bleibt ungewiss. Das ägyptische Ministerium für Altertümer wacht scharf über seine Schätze –wie zuletzt zwei deutsche Amateur-Archäologen spüren mussten, die ohne offizielle Erlaubnis Farbe von der Pyramidenwand gekratzt hatten.

 

Ein Beitrag von:

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