Proof-of-Concept 20.03.2026, 12:30 Uhr

Weltweit erster Prototyp einer Quantenbatterie entwickelt

Forschende präsentieren den weltweit ersten Prototyp einer Quantenbatterie. Der Proof of Concept zeigt schnelles Laden und Entladen dank Quanteneffekten.

CSIROs Reinraum für die Entwicklung von Prototypen für Quantenbatterien

CSIROs Reinraum für die Entwicklung von Prototypen für Quantenbatterien.

Foto: CSIRO

Der Gedanke ist verlockend: Das Handy ist leer, Sie haben es eilig – und statt lange auf den Ladebalken zu starren, wäre der Akku fast sofort wieder voll. Genau mit dieser Vorstellung spielt die Forschung an Quantenbatterien. Nur: Noch ist das keine Technik für den Alltag. Was Forschende jetzt gezeigt haben, ist etwas anderes – und trotzdem ziemlich spannend.

Ein Team um die australische Forschungsorganisation CSIRO hat einen Prototypen vorgestellt, der einen vollständigen Lade- und Entladevorgang einer Quantenbatterie demonstriert. Nach Angaben der Beteiligten ist es der erste funktionsfähige Proof of Concept dieser Art.

Das Bauteil lädt, speichert und gibt Energie wieder ab. Allerdings in winzigen Mengen und nur für sehr kurze Zeit. Von einer Akku-Revolution für Smartphones oder Elektroautos kann also keine Rede sein. Aber die Arbeit zeigt, dass sich ein lange diskutierter Quanteneffekt erstmals in einem realen System durchgehend nutzen lässt.

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Warum Quantenbatterien nicht wie normale Akkus funktionieren

Klassische Batterien folgen einer einfachen Logik: Je größer sie sind, desto mehr Energie können sie speichern – aber meist dauert auch das Laden länger. Quantenbatterien könnten dieses Verhältnis zumindest unter bestimmten Bedingungen auf den Kopf stellen.

Der Grund liegt in sogenannten kollektiven Quanteneffekten. Dabei arbeiten die einzelnen Speichereinheiten nicht mehr nur nebeneinander her, sondern verhalten sich wie ein gemeinsames System. Genau das kann das Laden beschleunigen. Theoretisch sinkt die Ladezeit mit 1/√N, wenn N für die Zahl der beteiligten Einheiten steht. Anders gesagt: Wird das System größer, kann es pro Einheit schneller laden statt langsamer. Genau dieser Punkt macht Quantenbatterien für die Forschung so interessant.

Das klingt erst einmal widersinnig. Bei einem herkömmlichen Akku würde niemand erwarten, dass mehr Speicher automatisch kürzere Ladezeiten bringt. In der Quantenwelt gelten aber andere Spielregeln – jedenfalls dann, wenn Licht und Materie stark genug miteinander koppeln.

Der Weg aus der Theorie ins Labor

Die Idee der Quantenbatterie ist nicht neu. Neu ist, dass sie sich Schritt für Schritt aus der Theorie in ein technisches Bauteil übersetzt. Schon frühere Arbeiten des Teams hatten gezeigt, dass sich der vorhergesagte Ladeeffekt in einem organischen Mikroresonator experimentell beobachten lässt. Hinter dem sperrigen Begriff steckt vereinfacht eine winzige mehrschichtige Struktur, die Licht auf engem Raum einfängt und damit ungewöhnliche kollektive Zustände ermöglicht.

Genau hier lag aber auch lange das Problem. Der frühere Prototyp konnte zwar zeigen, dass das Laden nach den vorhergesagten Quantenregeln funktioniert. Was noch fehlte, war der nächste Schritt: die gespeicherte Energie wieder sinnvoll abzugreifen.

Die weltweit erste voll funktionsfähige Quantenbatterie als Proof-of-Concept, entwickelt von CSIRO und seinen Partnern, der University of Melbourne und dem RMIT. Foto: CSIRO

Den haben die Forschenden nun nachgereicht. Sie ergänzten zusätzliche Schichten, mit denen sich die eingefangene Energie als elektrischer Strom aus dem Bauteil herausholen lässt. Entscheidend ist also nicht, dass nun plötzlich viel Energie gespeichert würde. Entscheidend ist, dass der vollständige Zyklus gelingt: laden, kurz speichern, wieder entladen. Genau das macht den neuen Prototypen mehr als nur zu einer physikalischen Kuriosität.

„Unser Proof-of-Concept-Gerät demonstriert schnelles, skalierbares Laden und Energiespeichern bei Raumtemperatur und legt damit den Grundstein für Energielösungen der nächsten Generation,“ sagt James Quach von CSIRO.

Was der Prototyp tatsächlich kann – und was nicht

An diesem Punkt lohnt sich eine saubere Einordnung. Die neue Quantenbatterie ist kein Akku im üblichen Sinn. Sie versorgt kein Smartphone, keinen Laptop und schon gar kein Elektroauto. Dafür sind Kapazität und Speicherzeit viel zu klein.

CSIRO spricht von einem Prototypen, der bei Raumtemperatur arbeitet und dessen gespeicherte Energie sechs Größenordnungen länger erhalten blieb, als das Laden selbst dauerte. Das klingt zunächst spektakulär. Tatsächlich bewegt sich das Ganze aber immer noch in extrem kurzen Zeitfenstern. Die Energie bleibt also nicht lange gespeichert – nur eben deutlich länger, als das Aufladen in diesem System dauert. Auch deshalb wäre es falsch, aus der Arbeit schon eine baldige Alltagstechnik abzuleiten.

Gerade deshalb könnte die Technik interessant werden

Dass Quantenbatterien für den Massenmarkt noch keine Rolle spielen, macht die Forschung nicht nebensächlich. Im Gegenteil. Ihre erste echte Stärke könnte ausgerechnet dort liegen, wo klassische Batterien gar nicht hinpassen.

Denkbar sind Anwendungen in Quantentechnologien selbst, also in Systemen, die sehr kleine Energiemengen extrem schnell und präzise bereitstellen müssen. Dazu zählen etwa Quantencomputer, photonische Bauteile oder hochsensible Sensoren. In solchen Bereichen ist nicht entscheidend, ob ein Speicher stundenlang durchhält. Wichtiger kann sein, dass Energie in sehr kurzer Zeit exakt verfügbar ist.

Auch hybride Konzepte sind denkbar. Dann würde eine Quantenbatterie ihre Stärke beim schnellen Laden ausspielen, während ein klassischer Speicher die Energie länger hält. Das wäre technisch deutlich plausibler, als Quantenbatterien als direkten Ersatz für Lithium-Ionen-Akkus zu verkaufen.

James Quach benennt den zentralen Engpass selbst recht nüchtern: „Der nächste Schritt für Quantenbatterien besteht derzeit darin, ihre Energiespeicherzeit zu verlängern.“

Hier geht es zur Originalpublikation

Ein Beitrag von:

  • Dominik Hochwarth

    Redakteur beim VDI Verlag. Nach dem Studium absolvierte er eine Ausbildung zum Online-Redakteur, es folgten ein Volontariat und jeweils 10 Jahre als Webtexter für eine Internetagentur und einen Onlineshop. Seit September 2022 schreibt er für ingenieur.de.

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