Mit Sonnenlicht gegen Plastikmüll 23.02.2026, 19:04 Uhr

Mikroplastik im Wasser? Diese Technik macht Essig daraus

Mikroplastik wird zu Essigsäure: Ein neuer Katalysator nutzt Sonnenlicht, um Plastik im Wasser chemisch umzuwandeln.

Wei Wei, Doktorandin an der University of Waterloo

Wei Wei, Doktorandin an der University of Waterloo, die die Forschung leitete, arbeitet im Labor an der Wiederverwertung von Kunststoffen.

Foto: University of Waterloo

Mikroplastik findet sich heute in Flüssen, Seen und sogar im Trinkwasser. Die Partikel sind klein, chemisch stabil und nur schwer abbaubar. Genau diese Stabilität macht sie zum Umweltproblem. Ein Forschungsteam der University of Waterloo zeigt nun, dass sich dieser Nachteil technisch nutzen lässt. Mit Sonnenlicht und einem speziellen Katalysator verwandeln sie Kunststoffabfälle in Essigsäure – den Hauptbestandteil von Essig.

Plastik abbauen mit Sonnenlicht

Das Herzstück des Verfahrens ist ein spezieller KatalysatorIn diesem Fall sitzen einzelne Eisenatome in einem Trägermaterial aus Kohlenstoff und Stickstoff. Diese winzigen Eisen-Zentren übernehmen die eigentliche Arbeit.

Trifft Sonnenlicht auf das System, passiert Folgendes: Zunächst entstehen sehr reaktive Teilchen, sogenannte Hydroxylradikale. Diese greifen die langen Kunststoffketten an und zerlegen sie in kleinere Bausteine. Dabei entsteht unter anderem CO₂ als Zwischenprodukt.

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Im nächsten Schritt wird dieses CO₂ direkt weiterverarbeitet – ebenfalls mithilfe des Katalysators und des Lichts. Am Ende entsteht Essigsäure. Projektleiter Yimin Wu beschreibt das Ziel so: „Unser Ziel war es, das Problem der Plastikverschmutzung zu lösen, indem wir Mikroplastikabfälle mithilfe von Sonnenlicht in hochwertige Produkte umwandeln.“

Funktioniert das wirklich?

Im Labor zeigte das Verfahren klare Ergebnisse. Verschiedene Kunststoffe – darunter PET (etwa aus Getränkeflaschen), Polyethylen oder Polypropylen – ließen sich in Essigsäure umwandeln. Je nach Kunststofftyp erreichten die Forschenden unterschiedliche Ausbeuten. Besonders gut funktionierte der Prozess bei PVC.

Wichtig ist: Die Reaktion läuft bei Raumtemperatur und normalem Druck. Es braucht keine extremen Temperaturen und keine Hochdruckanlagen. Als Energiequelle dient Licht – im Experiment sowohl künstliches Sonnenlicht als auch echtes Tageslicht.

Auch die Stabilität des Katalysators wurde geprüft. Die Eisenatome blieben fest im Material verankert und lösten sich nicht heraus. Das ist wichtig, wenn man an eine spätere technische Anwendung denkt.

Warum gerade Essigsäure?

Essigsäure ist weit mehr als nur Haushaltsessig. Sie ist eine wichtige Grundchemikalie. Die Industrie nutzt sie unter anderem für Kunststoffe, Textilfasern, Lösungsmittel oder Klebstoffe. Bisher wird sie meist aus fossilen Rohstoffen hergestellt.

Hier entsteht sie aus Plastikabfall und Licht. Wu sagt dazu: „Mit dieser Methode kann reichlich vorhandene und kostenlose Sonnenenergie Plastikmüll abbauen, ohne dass zusätzliches Kohlendioxid in die Atmosphäre gelangt.“

Das Verfahren benötigt allerdings Wasserstoffperoxid. Dieser Stoff treibt die Reaktion an und verursacht derzeit einen Großteil der Kosten. Perspektivisch könnte man ihn jedoch nachhaltiger herstellen, etwa mithilfe erneuerbarer Energie.

Perspektive: Mikroplastik direkt im Wasser behandeln?

Ein besonders spannender Punkt: Die Reaktion findet in Wasser statt. Theoretisch könnte man also Mikroplastik direkt in Gewässern chemisch angreifen, statt es nur mechanisch herauszufiltern. Da die Kunststoffketten vollständig zerlegt werden, bleiben keine kleinen Partikel zurück.

Noch steht die Technik am Anfang. Das Experiment lief im Labormaßstab. Die Forschenden zeigten aber bereits, dass sich durch einfache Verbesserungen – etwa eine bessere Lichtausnutzung im Reaktor – die Ausbeute deutlich steigern lässt.

Hier geht es zur Originalpublikation

Ein Beitrag von:

  • Dominik Hochwarth

    Redakteur beim VDI Verlag. Nach dem Studium absolvierte er eine Ausbildung zum Online-Redakteur, es folgten ein Volontariat und jeweils 10 Jahre als Webtexter für eine Internetagentur und einen Onlineshop. Seit September 2022 schreibt er für ingenieur.de.

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