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Echtzeitmessung zeigt, wie Atome Verbindungen eingehen

17. Juni 2025

Markus Koch im Femtosekunden-Laser-Labor am Institut für Experimentalphysik der TU Graz
Markus Koch im Femtosekunden-Laser-Labor am Institut für Experimentalphysik der TU Graz. Er und sein Team haben erstmals den Energiefluss bei der Bindung von Atomen in Echtzeit beobachtet. Foto: Lunghammer – TU Graz
Physiker der TU Graz beobachten erstmals in Echtzeit, wie Atome chemische Bindungen eingehen – mit Laserpulsen und Heliumtröpfchen.
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Was passiert, wenn sich zwei Atome zu einem Molekül verbinden? Diese scheinbar einfache Frage konnte bisher nur theoretisch beantwortet werden. Denn chemische Bindungen entstehen im Zeitmaßstab von Femtosekunden – das sind Millionstel einer Milliardstel Sekunde. Forschende der Technischen Universität Graz haben nun einen Weg gefunden, diese Vorgänge live zu verfolgen. Ihr Ansatz kombiniert superflüssiges Helium mit ultrakurzen Laserpulsen.

Inhaltsverzeichnis

Heliumtröpfchen als „Nano-Kühlschränke“

Um die chemische Reaktion präzise beobachten zu können, mussten die Magnesiumatome zunächst voneinander getrennt werden – und das auf atomarer Ebene. Möglich wurde dies durch superflüssiges Helium. Die Forschenden betteten einzelne Magnesiumatome in winzige Heliumtröpfchen ein, die bei nur 0,4 Kelvin (-272,75 °C) existieren. Diese Tröpfchen wirkten wie eine Art Quantenkühlschrank, der die Atome in einem definierten Abstand voneinander hält, ohne dass sofort eine Bindung entsteht.

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„Normalerweise gehen Magnesiumatome sofort feste Bindungen ein, sodass es keine definierte Ausgangsstellung für die Beobachtung der Bindungsprozesse gibt“, erklärt Projektleiter Markus Koch. In der Heliumumgebung dagegen ließen sich die Atome gezielt anregen.

Laserimpulse setzen die Kettenreaktion in Gang

Ein erster Laserpuls – auch Pump-Puls genannt – regte die eingebetteten Magnesiumatome an. Die dadurch ausgelöste Clusterbildung wurde mit einem zweiten, zeitlich versetzten Laserpuls vermessen. Mithilfe von Photoelektronen- und Ionenmessungen konnte das Team verfolgen, welche Teilchen sich verbanden, wie sich ihre Energie veränderte – und wie Elektronen den Reaktionsverlauf begleiteten.

Femtosekundenphysik trifft Clusterchemie

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Beobachtete Zeiten:

• Sofortreaktion kompakter Cluster: ~380 fs

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• Clusterbildung aus Schaum: ~450 fs Anstieg, ~4 ps Abfall

Erkannte Prozesse:

• Energie-Pooling durch mehrfach angeregte Mg-Atome

• Übergang zu hoch angeregten Zuständen

• Fragmentation durch Energieübertrag auf Atomkerne

 

Zwei Wege zur Bindung

Die Experimente zeigten zwei verschiedene Reaktionspfade: Einige Magnesiumatome reagierten sofort auf den Laserpuls – das waren solche, die bereits beim Einbettungsprozess kompakte Cluster gebildet hatten. Andere bildeten zunächst nur eine „schaumartige“ Struktur – eine lose Anordnung, die erst mit Verzögerung zu einem dichten Verbund zusammenfiel. Die Zeit bis zur Reaktion lag bei rund 450 Femtosekunden. So präzise wurde ein solcher Vorgang noch nie aufgezeichnet.

Energie-Pooling: Gemeinsam stark

Besonders interessant war eine Beobachtung zur Energiedynamik: Beim Clusterwachstum übertrugen mehrere Atome ihre Anregungsenergie auf ein einzelnes Atom. Dieses erreichte dadurch einen extrem hohen Energiezustand – deutlich höher, als der Laserpuls allein hervorrufen könnte. Dieser sogenannte Energie-Pooling-Effekt lässt sich mit einem inneren Energieverstärker vergleichen.

Markus Koch erklärt: „Zwei angeregte Magnesiumatome können ihre Energie kombinieren und ein drittes Atom in einen noch höheren Zustand bringen.“ Diese Energieüberladung war so stark, dass sie zum Auseinanderbrechen einzelner Cluster führte. Dabei wurden sogar geladene Teilchen aus den normalerweise rückhaltstarken Heliumtröpfchen herausgeschleudert.

Was passiert nach der Reaktion?

Auch die Nachwirkungen der Reaktion verliefen unterschiedlich. Kompakte Cluster kehrten bereits nach rund 0,4 Pikosekunden in stabilere elektronische Zustände zurück. Bei schaumartigen Clustern dauerte dies bis zu vier Pikosekunden. Das deutet auf eine stärkere Energieaufnahme und eine schlechtere Wärmeableitung hin – womöglich, weil die Cluster sich beim Zerfall von ihrer Heliumumgebung thermisch entkoppeln.

Bemerkenswert: Trotz hoher Energieaufnahme blieb das Magnesium nichtmetallisch. Erst bei mehr als 20 Atomen zeigt Magnesium metallisches Verhalten. Die hier beobachteten Verbände bestanden aus kleineren Einheiten mit van-der-Waals-artiger Bindung.

Perspektiven für Medizin und Technik

Die Studie zeigt nicht nur, wie chemische Bindungen entstehen. Sie öffnet auch neue Perspektiven für technische Anwendungen. Prozesse wie Energie-Pooling oder photonische Upconversion könnten für lichtbasierte Therapien, effizientere Sensoren oder neuartige Solarzellen genutzt werden. Die Forschenden hoffen, dass sich ihre Methode auch auf andere Elemente übertragen lässt – und so der molekularen Grundlagenforschung neue Werkzeuge an die Hand gibt.

Hier geht es zur Originalpublikation



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