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Mut, Neugier und Empathie: Sara Marchinis Weg in der Chemie- und Verfahrenstechnik

06. Oktober 2025

Von Zweifeln geprägt, durch Mut und Unterstützung getragen: Sara Marchini erzählt ihren Weg zur erfolgreichen Ingenieurin und Forscherin in der Chemie- und Verfahrenstechnik.
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„Ich glaube nicht, junge Dame, dass Sie das Zeug dazu haben, Ingenieurin zu werden. Ingenieurwesen erfordert Härte, die Fähigkeit, Entscheidungen zu treffen und Druck auszuhalten – und Sie, Sie sind zu emotional.“ Mit diesen Worten begann Sara Marchini ihre Rede anlässlich der Verleihung des Dr.-Wilhelmy-VDI-Preises. Diese Worte, die ihr bereits viele Jahre zuvor während ihres Studiums gesagt worden waren, haben sie mehrere Jahre geprägt.

Schritt für Schritt zum Beweis: Sie kann es doch

Sie erklärte, dass diese Aussage sie damals sehr getroffen hat, doch Schritt für Schritt habe sie im Laufe ihrer Karriere bewiesen, dass sie sehr wohl dazu fähig sei – bei jeder Konferenz, jedem Paper und jeder Auszeichnung. Gleichzeitig habe diese Stimme sie bei jedem kleinen Rückschlag begleitet und ihr immer wieder die Frage gestellt, ob sie wirklich in diesem Beruf und in dieser Gemeinschaft hingehöre. „Wer hätte gedacht, dass Worte so viel Macht haben“, reflektierte sie.

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„Als Mädchen habe ich oft gefühlt: „Du bist nicht genug. Du bist nicht gut genug, nicht schlau genug, nicht hübsch genug, nicht lang genug – einfach nicht genug. Da fragt man sich irgendwann: Was ist mein Zweck? Was heißt es, genug zu sein?“, berichtete sie von ihren Erfahrungen beim Frauenkongress in Dresden, und mit jedem Wort – so schien es zumindest – traf sie einen Nagel mitten ins gesellschaftliche Bewusstsein. Es war keine gewöhnliche Rede, keine bloße Ansprache mehr – es war ein kraftvolles Statement, das noch lange im Raum nachhallen wird.

Netzwerke, Neugier, Geduld: Saras Botschaft an die nächste Generation

In ihrer Rede betonte Marchini, wie wichtig es sei, sich mit Menschen zu umgeben, die einen fördern und unterstützen. Für die nächste Generation von Ingenieurinnen und Ingenieuren gab sie drei zentrale Botschaften: Seid neugierig und mutig, verfolgt die Themen, die euch wirklich begeistern; baut Netzwerke auf und sucht euch Menschen, die inspirieren; und habt Geduld mit euch selbst, denn Fortschritt und Erfolg entstehen selten geradlinig. Abschließend zeigte sie ihre Dankbarkeit für die Auszeichnung für ihre Promotionsarbeit an der TU Dresden zum Thema „Development of a Methodology for Measuring Axial Gas Dispersion Coefficients in Bubble Columns using Gas Flow Modulation“ mit dem Dr.-Wilhelmy-VDI-Preis und hob die Bedeutung der Gemeinschaft von Ingenieurinnen hervor, die sie während des Kongresses erleben durfte. „Diese Gemeinschaft ebnet den Weg für die nächste Generation“, sagte sie.

Technik für ressourcenschonende Reaktoren

In ihrer Doktorarbeit untersuchte Sara Marchini die Optimierung von Gas-Flüssig-Reaktoren, wie sie in der chemischen und biochemischen Industrie eingesetzt werden. Die Jury war besonders beeindruckt von ihrer Gas-Strom-Modulationstechnik, die eine berührungsfreie Bestimmung hydrodynamischer Kennwerte in Reaktoren ermöglicht. Damit liefert sie entscheidende Grundlagen für effizientere und ressourcenschonendere Chemieanlagen. Ihre Arbeit verbindet exzellente Grundlagenforschung mit hoher industrieller Relevanz und leistet einen zukunftsweisenden Beitrag für den Technikstandort Deutschland.

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Von Philosophie zu Technik

Interessant: Sara Marchini wählte in der Schule Leistungskurse wie Philosophie, Geschichte und Altgriechisch – Fächer, die eher den Geist als die Technik fordern. Doch während sie sich durch antike Texte und ethische Fragestellungen arbeitete, bemerkte sie, dass Technik heute mehr denn je soziale und ethische Fragen aufwirft. „Ich dachte mir: Vielleicht kann ich mit meinem Hintergrund und meiner Emotionalität einen eigenen Beitrag leisten“, erzählt sie.

Mathe und naturwissenschaftliche Fächer lagen ihr, doch ihr Interesse galt nie nur dem Verständnis, wie Dinge funktionieren. Vielmehr wollte sie etwas Greifbares schaffen, etwas, das sowohl ihren analytischen wie auch ihren sozialen Blick fordert. Philosophie zu studieren erschien ihr zu abstrakt; Technik bot die Möglichkeit, wirklich etwas zu bewegen – und gleichzeitig den eigenen ethischen Kompass einzubringen.

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Anfangs stieß sie auf Skepsis: Wie sollte jemand, der Altgriechisch gelernt hatte, plötzlich Ingenieurin werden? Doch das hielt sie nicht auf. „Es ging nie darum, etwas zu beweisen“, sagt sie. „Es ging darum, einen eigenen Beitrag zu leisten – mit einem Blick, den nicht jeder in technischen Feldern hat.“

Von Pisa nach Dresden: Ein Weg voller Forschung und Mut

Marchini begann ihre wissenschaftliche Laufbahn in Italien an der Universität Pisa, wo sie Chemieingenieurwesen studierte. Über das EU-Programm „Erasmus+“ kam sie nach Dresden, um ihre Masterarbeit in der Abteilung für Experimentelle Thermofluiddynamik am HZDR zu schreiben.

Anschließend promovierte sie an der TU Dresden in der Professur für Bildgebende Messverfahren für Energie- und Verfahrenstechnik, wobei die Experimente am Institut für Fluiddynamik des HZDR durchgeführt wurden. Heute ist sie Gruppenleiterin in der Professur für Chemische Verfahrenstechnik an der TU Dresden, mit Forschungsschwerpunkten in chemischer Energiespeicherung und reaktiven Mehrphasenströmungen.

Parallel zu ihrer Forschung hat sie zahlreiche Artikel in renommierten Fachzeitschriften veröffentlicht, unter anderem zu Messmethoden des axialen Gasdispersionkoeffizienten in Blasensäulen, zur Gasstrommodulationstechnik und zu Unsicherheitsanalysen in der Gamma-Strahlen-Densitometrie. Ihre Arbeiten kombinieren fundierte Grundlagenforschung mit hoher industrieller Relevanz und unterstreichen ihre Expertise und Bedeutung für die Chemie- und Verfahrenstechnik.

Die Anerkennung für Dr. Sara Marchinis herausragende Forschungsarbeit ließ nicht lange auf sich warten: Zunächst erhielt sie im Mai 2025 den Gisela- und Erwin-Sick-Universitätspreis für Messtechnik. Kurz darauf wurde sie mit dem Manfred Hirschvogel Preis für die beste Dissertation im Bereich Maschinenbau ausgezeichnet.

Während ihres Studiums, erlebte sie Momente des Zweifelns und fragte sich, ob sie es schaffen würde. In ihrer Arbeitsgruppe am Helmholtz-Institut, fühlte sie sich jedoch von Anfang an gesehen, wertgeschätzt und gefördert – eine Erfahrung, die sie sehr motivierte. Ihr wurde ein besonders schwieriges, völlig neues Thema zugeteilt, und jemand sagte zu ihr: „Du bist richtig gut, ich glaube an dich.“ Genau diese Worte gaben ihr den Mut, die Herausforderung anzupacken.

Schlüssel zum Erfolg

In den vergangenen dreieinhalb Jahren hat sie alles gegeben – Schritt für Schritt. Natürlich gab es Schwierigkeiten, doch niemals hatte sie das Gefühl, daran zu scheitern. Um sie herum standen Menschen, die an sie glaubten und sie beständig ermutigten, wodurch sie immer weiter vorankam.

„Für die nächste Generation lautet mein Rat: Sucht euch die richtigen Menschen um euch herum, die euch stärken, inspirieren und unterstützen“, sagte die 30-Jährige.

Sie hat längst aufgehört, danach zu streben, „genug“ zu sein. Sie gibt jeden Tag ihr Bestes, leitet Forschungsprojekte ebenso wie die neuen Generationen mit Empathie, Emotionalität und Leidenschaft. Die Eigenschaften, die früher dazu geführt haben, dass sie als „nicht genug“ abgestempelt wurde, betrachtet sie nun heute als ihre größten Stärken. Könnte dies der wahre Schlüssel zum Erfolg sein?



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