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Konflikt am Golf treibt die Kunststoffpreise in die Höhe

27. Juli 2026

Trotz zwischenzeitlicher Waffenstillstandsabkommen zwischen dem Iran und den USA kommt der Nahe Osten nicht zur Ruhe. 
Die Krise hat weitreichende Folgen – unter anderem für die Preise von Kunststoff. 
Auch die TGA-Branche ist betroffen.
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Die Rohölpreise gingen mit Beginn des Konflikts genauso dynamisch nach oben, wie die Börsenkurse weltweit fielen und der Goldpreis kurzfristig stieg. Diese globalökonomischen Mechanismen sind nachvollziehbar und Marktpartnern wie Unternehmern durchaus bewusst, auch wenn sich die Börsen und Goldpreise seitdem wieder beruhigt haben. Für die global vernetzte Kunststoffindustrie ist dieses Szenario aber von besonderer ­Bedeutung: Energiepreise, Rohstoffverfügbarkeit und Logistikströme reagieren besonders sensibel auf politische Eskalationen in dieser Schlüsselregion.

SHK-Branche: Kaum Produkte ohne Kunststoffe

Für europäische Kunststoffverarbeiter und -produzenten ergeben sich aus dieser Lage diverse Unsicherheiten, die auch die TGA-Branche tangieren werden. Vom Lagerbehälter über Mehrschichtverbundrohre bis hin zu Abwasser- und Lüftungsleitungen, Ablaufgarnituren, Spülkästen, WC-Sitzen wird nahezu alles aus dem Werkstoff gefertigt, der einem zunehmenden Preisdruck ausgesetzt sein wird – aus Kunststoff. Der erwartete Preisanstieg wird Komponenten aus der Heizungs- Klima- und Lüftungstechnik ebenso verteuern wie Dämm- und Dichtstoffe. Kunststoff hat in den vergangenen Jahrzehnten in nahezu allen Bereichen der technischen Gebäudeausstattung Metalle ersetzt – in erster Linie zugunsten einer verbesserten Korrosionsbeständigkeit, des geringeren Gewichts oder besserer Montageeigenschaften.

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Blockade der Straße von Hormus führt zu Engpässen

Egal ob PVC, PP und PE, PE-X (strahlenvernetztes Polyethylen) oder PTFE-Dichtband (Teflon), Polymerprodukte sind im täglichen Handwerksalltag nicht mehr wegzudenken. All diese hochwertigen Kunststoffe werden in erster Linie aus Ethylen, Paraxylol und Styrol gefertigt. Durch die Blockade der Meeresenge von Hormus ist nicht nur die Versorgung wichtiger Märkte – vor allem in Asien und Europa – mit Erdöl und Flüssigerdgas LNG schwieriger geworden, sondern auch die dieser relevanten Kunststoffvorprodukte.

Experten erwarten verzögerte Preissteigerungen

Grundsätzlich erwarten Marktexperten wie Martin Bäcker, Head of Polymer Prices bei Kunststoff Information, der führenden Plattform für Preis- und Brancheninformationen rund um Kunststoffe, folgendes Szenario: „Kunststoff wird teurer, denn die Wirrungen und die Unsicherheit, die der militärische Konflikt mit sich bringt, treiben den Erdölpreis in die Höhe. Damit verteuern sich auch Naphtha (Rohbenzin) und alle daraus gewonnenen Polymervorprodukte. Hinzu kommt: Das Angebot an – bislang oft dumpinghaft günstigen – Importen wird drastisch schrumpfen. Eingeführtes Material wird teurer. Für die europäische Chemie- und Kunststofferzeugerbranche könnte sich daraus ein positiver Effekt ergeben.“

Effekte für die europäische Kunststoffhersteller?

Allerdings könnte die Konflikt auch positve Effekte für die europäischen Kunststoffhersteller haben: „Hatte die Industrie zuletzt durch die vermehrte Ankündigung von Anlagenstilllegungen für Schlagzeilen gesorgt, so könnten die reduzierten und teureren Importe nun dazu führen, dass die Produktion in Europa im Vergleich an ökonomischer Attraktivität gewinnt – allen Energiepreissteigerungen zum Trotz.“ Ein aktuelles Whitepaper mit dem Titel „Die Eskalation im Nahost-Konflikt und die Folgen für die europäische Kunststoffindustrie“ analysiert mögliche Szenarien und bewertet deren potenzielle ­Auswirkungen auf Energie- und Rohstoffmärkte, Lieferketten sowie Wettbewerbsstrukturen der europäischen Kunststoffindustrie.

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Erhöhung der Kunststoff-Abgabepreise um bis zu zehn Prozent

Wie sehr der Krieg am Golf tatsächlich zu einem Preistreiber in der Kunststofferzeugerbranche wird, hängt entscheidend von seiner Länge ab. Wenn der Konflikt weiter andauert, drohen massive Aufschläge. Hersteller, Großhandel und Verarbeiter aus der TGA-Branche müssen sich schon jetzt auf die aktuelle Entwicklung einstellen und entsprechend agieren. Aktuelle Rohstoffpreiserhöhungen von über 30 Prozent lassen eine Erhöhung der Kunststoff-Abgabepreise in der Größenordnung von etwa fünf bis zehn Prozent erwarten – drastisch steigende Transportkosten noch nicht gerechnet. Der Großhandel wird jetzt schon mit zeitnahen Preisankündigungen geflutet. Langfristige Festpreisgarantien sind in diesem Zusammenhang eben so wenig empfehlenswert wie Hamsterkäufe.



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