Selbstständigkeit 24.04.2024, 08:00 Uhr

Freelancer-Kompass 2024: Geld verdienen als Freelancer – Die aktuellen Stundensätze

Freelancer verdienen im Durchschnitt 63.000 Euro pro Jahr und arbeiten 41 Stunden pro Woche. Diese Zahlen zeigen, warum für die meisten Freelancer eine Festanstellung kaum noch attraktiv ist. Auch Ingenieure entscheiden sich zunehmend für die Freelancer-Tätigkeit.

Freelancer

Die Herausforderungen und Möglichkeiten für Freelancer im digitalen Zeitalter.

Foto: PantherMedia / SarkisSeysian

Laut dem Freelancer-Kompass 2024 verdienen Freelancer im Durchschnitt 63.000 Euro pro Jahr und investieren durchschnittlich 41 Stunden pro Woche in ihre Arbeit. Angesichts dieser Zahlen ist es nicht überraschend, dass für die meisten Freelancer eine Festanstellung kaum noch als attraktive Option in Betracht kommt.

Ingenieure als Freelancer

Auch Freelancer im Bereich Ingenieurwesen spielen eine zunehmend wichtige Rolle auf dem deutschen Arbeitsmarkt. Mit der wachsenden Digitalisierung und der Flexibilisierung von Arbeitsstrukturen entscheiden sich viele Ingenieure dafür, als Freelancer zu arbeiten. Diese Fachkräfte bieten Unternehmen spezifisches Know-how für bestimmte Projekte oder Aufgaben, ohne dass diese langfristig an sie gebunden sind. Für Ingenieure bietet die Freelancer-Tätigkeit die Möglichkeit, ihre Fachkenntnisse in verschiedenen Branchen und Projekten einzusetzen und gleichzeitig ihre Unabhängigkeit zu wahren. Allerdings müssen sie sich auch mit Herausforderungen wie der Akquise von Aufträgen, der eigenen Buchhaltung und der sozialen Absicherung auseinandersetzen. Trotzdem erfreut sich die Freelancer-Tätigkeit in Deutschland einer wachsenden Beliebtheit und trägt zur Vielfalt und Flexibilität des Arbeitsmarktes bei.

Freelancer Map befragte für die Studie 3.042 Selbstständige aus Deutschland, Österreich und der Schweiz zu verschiedenen Aspekten ihrer Tätigkeit. Von den Befragten war die Hälfte in den Bereichen IT, Entwicklung oder SAP tätig.

Über einen Zeitraum von sechs Wochen haben 3.042 Freelancer, Freiberufler und Selbstständige insgesamt 75 Fragen beantwortet, was diese Umfrage zur größten Studie über Freelancer im deutschsprachigen Raum macht.

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Warum wird man Freelancer?

Menschen entscheiden sich aus verschiedenen Gründen dafür, Freelancer zu werden. Eine der Hauptmotivationen ist die Flexibilität, die diese Arbeitsform bietet. Als Freelancer können sie ihre Arbeitszeiten selbst bestimmen und ihre Projekte nach ihren eigenen Vorstellungen wählen. Diese Flexibilität ermöglicht es, Beruf und Privatleben besser miteinander zu vereinbaren. Zudem schätzen viele Freelancer die Vielfalt ihrer Arbeit. Sie haben die Möglichkeit, an unterschiedlichen Projekten in verschiedenen Branchen und Unternehmen zu arbeiten, was ihnen ermöglicht, ständig Neues zu lernen und sich fachlich weiterzuentwickeln.

Die Unabhängigkeit, die mit der Selbstständigkeit als Freelancer einhergeht, ist ebenfalls ein wichtiger Faktor. Als ihr eigener Chef können Freelancer ihre Arbeitsweise selbst bestimmen und sind nicht an die Hierarchien und Vorgaben eines Unternehmens gebunden. Diese Autonomie ermöglicht es, eigenständig Entscheidungen zu treffen und den eigenen beruflichen Weg zu gestalten. Zudem bieten sich oft höhere Verdienstmöglichkeiten als Freelancer an. Durch ihre Spezialisierung und Flexibilität können sie oft höhere Honorare erzielen als in einer Festanstellung.

Für viele Freelancer spielt auch die berufliche Selbstverwirklichung eine wichtige Rolle. Sie haben die Möglichkeit, Projekte zu wählen, die ihren Interessen und Fähigkeiten entsprechen, was zu einer größeren Zufriedenheit und Erfüllung im Beruf führen kann. Darüber hinaus bietet die Arbeit als Freelancer die Chance, ein eigenes berufliches Netzwerk aufzubauen. Durch die Zusammenarbeit mit verschiedenen Kunden und Unternehmen können Freelancer ihr Netzwerk erweitern und neue Kontakte knüpfen, was langfristig zu neuen beruflichen Möglichkeiten führen kann.

Das belegen auch die zahlen der Studie. Zwei von drei Teilnehmern der Studie geben an, dass der Wunsch nach Unabhängigkeit sie dazu bewogen hat, den Sprung in die Selbstständigkeit zu wagen. Die Möglichkeit, frei zu entscheiden, der eigene Chef zu sein und die Arbeitsbedingungen selbst festzulegen, stehen dabei im Mittelpunkt der Motivation. Bei genauerer Betrachtung der Gründe zeigt sich jedoch auch, dass rund ein Drittel der Befragten den Schritt in die Selbstständigkeit aufgrund besonderer Lebensumstände gemacht hat. Dieser Einblick wirft ein Licht auf die Herausforderungen in unserer Arbeitswelt.

„Warum funktionieren die modernen Arbeitsformen – digital, remote, hybrid – bei Freelancern immer schon? Der Grund dafür sind psychologische Faktoren: u. a. das Streben nach Autonomie. Für Freiberufler ist es selbstverständlich, zeit- und ortsunabhängig zu arbeiten. Wenn ich mit dieser Erwartung in mein Berufsleben einsteige, werde ich immer Mittel und Wege finden, diese auch umzusetzen“, erklärt Professor Dr. Hannes Zacher im Freelancer-Kompass 2024. Er forscht u. a. zu adaptivem Arbeitsverhalten und Arbeitsgesundheit.

Was kann man als Freelancer verdienen?

Demnach beträgt der durchschnittliche Stundenlohn 102 Euro, was einen leichten Anstieg im Vergleich zu vorher darstellt. Laut der Umfrage arbeiten Freelancer im Schnitt 41 Stunden pro Woche. „Wichtig ist immer, sich die Frage zu stellen, für welchen Preis man bereit wäre, einen Auftrag durchzuführen. Wer Dienstleistungen als clevere „Pakete“ anbietet anstatt Leistungen zu Stundensätzen, holt meist mehr heraus“, erklärt im Freelancer-Kompass die Expertin Mona Wiezoreck, die Freelance-Neulinge durch Coaching und Beratung unterstützt.

Die durchschnittlichen Stundensätze für Freelancer variieren je nach Tätigkeitsbereich. Für Beratungs- und Managementaufgaben beträgt der Stundensatz laut dieser Daten 118 Euro, während im Bereich SAP ein Satz von 117 Euro veranschlagt wird. Im Bereich Entwicklung, Technologie und Daten liegt der Stundenlohn im Durchschnitt bei 94 Euro, für IT-Infrastruktur werden 100 Euro pro Stunde berechnet. Im Bereich Marketing und Kommunikation beträgt der Durchschnittssatz jeweils 90 Euro. Für Ingenieure gibt es 97 Euro pro Stunde. Für grafische Arbeiten, Content-Erstellung und Medien liegt der Stundenlohn im Durchschnitt bei 77 Euro.

Dabei ist es interessant zu betonen, dass 67 % der Befragten aus dem Bereich Ingenieurwesen mit diesen Stundensätzen zufrieden sind.

Kritik an der Studie

Allerdings müsste man bei diesen Zahlen beachten, dass bei der Befragung einige Werte verschoben sein könnten. Grund dafür ist die Auswahl der Befragten. Zum einen haben mehr als drei Viertel der Befragten, nämlich 78 Prozent, eine Berufserfahrung von über zehn Jahren und werden daher als sogenannte Senior Experts betrachtet. Diese Erfahrung ermöglicht es ihnen, entsprechend höhere Preise für ihre Dienstleistungen zu verlangen. Diejenigen, die nicht so viele Jahre Erfahrung haben, könnten weniger pro Stunde bekommen. Zum anderen sind 72 Prozent der Befragten Akademiker:innen, und 86 Prozent sind männlich. Obwohl der Gender-Pay-Gap in diesem Bereich keine dominante Rolle spielt, ist dennoch ein markanter Unterschied bei der Geschlechterverteilung festzustellen.

Ein Beitrag von:

  • Alexandra Ilina

    Alexandra Ilina ist Diplom-Journalistin (TU-Dortmund) und Diplom-Übersetzerin (SHU Smolensk) mit mehr als 20 Jahren Berufserfahrung im Journalismus, in der Kommunikation und im digitalen Content-Management. Sie schreibt über Karriere und Technik.

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