Bildungsurlaub 2026: Wie Arbeitnehmer in Deutschland ihre Weiterbildung nutzen
Rekordjahr für Bildungsurlaub 2026: 1,2 Mio. Teilnehmende setzen auf Gesundheit, Weiterbildung und persönliche Entwicklung in Deutschland.
Hier ist eine allgemeinere Bildzeile zum Thema Bildungsurlaub und Weiterbildung: Bildzeile: „Bildungsurlaub bietet Chancen für Weiterbildung und persönliche Entwicklung – doch viele Beschäftigte nutzen die Möglichkeit noch zu selten.
Foto: picture alliance/dpa | Katharina Kausche
Inhaltsverzeichnis
Der Bildungsurlaub Trendbericht 2026 zeigt: Immer mehr Beschäftigte in Deutschland nutzen Bildungsurlaub, um in Gesundheit, Resilienz und Zukunftskompetenzen zu investieren. Die Nachfrage nach Bildungsurlaub ist 2025 deutlich gestiegen und erreicht ein neues Rekordniveau. Besonders auffällig ist der klare Fokus auf mentale und körperliche Gesundheit sowie digitale Kompetenzen. Gleichzeitig bleibt die tatsächliche Nutzung des gesetzlichen Anspruchs weiterhin gering.
Zentrale Trends beim Bildungsurlaub 2026
- +14 % Nachfrage: Rund 1,2 Mio. Beschäftigte nutzten 2025 Bildungsurlaub – ein neuer Höchststand.
- Gesundheit im Fokus: Jeder zweite Bildungsurlaub dient mentaler & körperlicher Gesundheit.
- Sprachkurse bleiben stark: Jeder dritte Bildungsurlaub ist ein Sprachkurs.
- Digitale Weiterbildung boomt: Deutlicher Anstieg bei IT-, KI- und Digital-Kompetenzen.
- Rückgang klassischer Themen: Nachfrage nach gesellschaftlichen und ökologischen Kursen sinkt deutlich.
- Regionale Unterschiede: Höchste Nachfrage in NRW, Hessen und Niedersachsen; steigendes Interesse in Stadtstaaten, Rückgang in Teilen Ostdeutschlands.
- Niedrige Nutzung: Nur 1 von 12 Anspruchsberechtigten nutzt Bildungsurlaub tatsächlich.
- Frauen dominieren: 59 % Frauen vs. 41 % Männer investieren in Bildungsurlaub.
- Neue Gesetze: Seit 2026 gibt es Bildungsurlaub in 15 von 16 Bundesländern. Sachsen hat ein Gesetz beschlossen, Bayern bleibt ohne gesetzlichen Anspruch. Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt planen Erweiterungen.
Anian Schmitt, Geschäftsführer von Bildungsurlauber.de, kommentiert:
„Die Zahlen zeigen deutlich: Mentale und physische Gesundheit wird für Angestellte zur klaren Priorität. Dauerstress, Erschöpfung, gesundheitliche Beschwerden wie Rücken- und Schlafprobleme sind ständige Begleiter der Arbeitswelt – genau hier setzt der Wunsch nach mehr Regeneration und Gesundheit an. In seine Gesundheit – und damit letztlich Leistungsfähigkeit – zu investieren ist hochprofessionell.“
Der Trend zeigt klar: Bildungsurlaub entwickelt sich zunehmend zum Instrument für Gesundheit, persönliche Entwicklung und digitale Zukunftskompetenzen – bleibt aber trotz steigender Nachfrage ein noch ungenutztes Potenzial im deutschen Weiterbildungssystem.
Wie funktioniert Bildungsurlaub?
Der gesetzliche Bildungsurlaub in Deutschland ermöglicht Beschäftigten, sich während der Arbeitszeit weiterzubilden. In Hessen etwa haben Vollzeitbeschäftigte Anspruch auf fünf Tage Bildungsurlaub pro Jahr, die auch gebündelt über zwei Jahre genommen werden können. Anspruchsberechtigt sind Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sowie arbeitnehmerähnliche Personen; Auszubildende und Landesbeamte haben in der Regel keinen gesetzlichen Anspruch, können aber Sonderurlaub beantragen.
Zulässig sind nur offiziell anerkannte Bildungsurlaubs-Kurse, die der beruflichen Weiterbildung, politischen Bildung oder einem Ehrenamt dienen. Wer Bildungsurlaub beantragen möchte, muss in der Regel mindestens sechs Monate im Unternehmen beschäftigt sein und den Antrag spätestens sechs Wochen vor Kursbeginn beim Arbeitgeber einreichen.
Gesetzlicher Anspruch und Reformen in den Bundesländern
Bildungsurlaub, auch als Bildungsfreistellung bekannt, ist ein gesetzlich verankerter Sonderurlaub, der zusätzlich zum regulären Erholungsurlaub genommen werden kann. In nahezu allen Bundesländern Deutschlands besteht ein Anspruch, mit Ausnahme von Bayern. Üblich sind fünf Tage pro Jahr, die für berufliche Weiterbildung, politische Bildung oder ehrenamtliche Tätigkeiten genutzt werden können.
Bundesländer wie Rheinland-Pfalz, Sachsen und Sachsen-Anhalt modernisieren aktuell ihre Bildungszeitgesetze. In Rheinland-Pfalz werden künftig auch ehrenamtliche Qualifikationen und digitale Lernformate anerkannt. Sachsen führt ab 2027 drei Tage Bildungsurlaub pro Jahr ein, die für berufliche, politische oder ehrenamtliche Weiterbildung genutzt werden können. Kleine Betriebe erhalten eine Erstattung für die freigestellten Tage. Sachsen-Anhalt ermöglicht mit dem neuen Gesetz, das ab September 2026 gilt, die Nutzung einzelner oder halber Tage und erkennt digitale Formate offiziell an.
Elke Hannack, stellvertretende DGB-Vorsitzende, betont die Bedeutung einheitlicher Regelungen: „Bildungszeit ist Zukunftszeit – gerade in einer Arbeitswelt, die sich rasant verändert. Ich freue mich, dass der Bildungsurlaub immer beliebter wird. Damit das so bleibt, müssen die Regelungen der Bundesländer einheitlicher werden und wichtige Themen wie Teilhabe und politische Bildung endlich überall abdecken. Und natürlich müssen Sachsen und Bayern endlich nachziehen und den Anspruch auf Bildungsfreistellung wie alle anderen Länder auch gesetzlich verankern.“
Trends und Nachfrage: Digitale Kompetenzen gewinnen
Die Nachfrage nach Bildungsurlaub ist 2025 um 14 Prozent gestiegen. Während Gesundheits- und Stressbewältigungskurse weiterhin dominieren, gewinnen digitale Angebote, etwa IT, Office oder Programmierung, stark an Bedeutung. Auch Kurse zur persönlichen und beruflichen Entwicklung sind gefragt, während klassische Themen wie Umweltbildung, politische Bildung oder Studienreisen rückläufig sind.
Die Teilnehmerstruktur zeigt, dass vor allem die Altersgruppen zwischen 25 und 54 Jahren Bildungsurlaub in Anspruch nehmen. Frauen stellen mit 59 % den größten Anteil. Bei der Recherche und Buchung dominieren Desktop-Computer und mobile Geräte, während Tablets kaum genutzt werden.
Auch interessant: Re-skilling als Firewall gegen Jobverlust
Nur wenige Beschäftigte nutzen ihren Anspruch auf Bildungsurlaub
Obwohl mehr als die Hälfte der Unternehmen ihren Mitarbeitenden Bildungsurlaub ermöglicht, bleibt die tatsächliche Nutzung vergleichsweise gering. Durchschnittlich greifen nur wenige Beschäftigte pro Jahr darauf zurück.
Das zeigt eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur bei den zuständigen Ministerien und Verwaltungen aller 16 Bundesländer. Demnach liegt der Anteil der Beschäftigten, die ihren Bildungsurlaub tatsächlich in Anspruch nehmen, in einigen Bundesländern bei unter 1 % der Anspruchsberechtigten, in anderen nur geringfügig darüber. Trotz gesetzlicher Möglichkeiten bleibt Bildungsurlaub damit für viele Beschäftigte weiterhin ungenutzt.
Besonders deutlich wird der Unterschied zwischen Angebot und Nutzung in Bundesländern wie Mecklenburg-Vorpommern, während in Bremen und Hamburg vergleichsweise viele Beschäftigte Bildungsurlaub nutzen. Die Dauer entspricht meist dem gesetzlichen Anspruch von fünf Tagen.
„Obwohl es den Bildungsurlaub bereits seit den 1970er Jahren gibt, fristet er bis heute eher ein Nischendasein“, sagte der Arbeitsmarktexperte Ulf Rinne vom Institut zur Zukunft der Arbeit gegenüber der dpa im Januar. „In anderen Ländern nehmen teils deutlich mehr Menschen an Weiterbildungsmaßnahmen teil“, sagt Rinne.
Den Grund für die geringe Nutzung von Bildungsurlaub sieht er in der komplexen Struktur der deutschen Weiterbildungslandschaft. Diese sei von zahlreichen konkurrierenden Angeboten und Förderinstrumenten geprägt, was zu mangelnder Transparenz und einer unübersichtlichen Informationslage führe. Genau darin liege eine der größten Hürden – sowohl für Beschäftigte als auch für Unternehmen. Unbestritten sei jedoch, dass der Bedarf an Weiterbildung hoch sei und in Zukunft weiter steigen werde.
Weiterbildung erreicht viele Beschäftigte noch nicht
Nach Einschätzung von Arbeitsmarktexperten lassen sich zwei Gruppen besonders schwer für Weiterbildung und Bildungsurlaub gewinnen: ältere Beschäftigte und geringqualifizierte Arbeitnehmer. Gerade sie würden bisher seltener von Weiterbildungsangeboten profitieren. Langfristig brauche Deutschland daher eine deutlich stärkere Weiterbildungskultur. Weiterbildung sollte zu einem selbstverständlichen Bestandteil jeder Erwerbsbiografie werden, sodass regelmäßige berufsbezogene Qualifizierung künftig eher die Regel als die Ausnahme ist.
Kosten, Marktvolumen und Bedeutung für Weiterbildung
Die Preise für Bildungsurlaubskurse liegen durchschnittlich bei 578 Euro, mit leichtem Anstieg von 3 % gegenüber dem Vorjahr. Teurer sind Studienreisen (1 224 Euro) und Kreativkurse (732 Euro), während Sprachkurse zu den günstigeren Angeboten zählen. Mit einem jährlichen Marktvolumen von rund 680 Millionen Euro bleibt der Bildungsurlaubsmarkt eine Nische im Weiterbildungs- und Reisemarkt, dennoch größer als Gesundheits- und Wellness-Coaching und ein fester Bestandteil der betrieblichen Weiterbildung.
Ein Beitrag von: