Hochschule 01.08.2025, 10:20 Uhr

Bafög: So wenige Bafög-Empfänger wie seit 25 Jahren nicht

2024 erhielten so wenige Menschen Bafög wie seit 2000 nicht. Neben Studierenden wurden auch Schüler gefördert – neu ist die Studienstarthilfe.

BAföG und Studienfinanzierung in Deutschland: Reformbedarf und die Herausforderungen für Studierende. Foto: panthermedia.net/zimmytws

BAföG und Studienfinanzierung in Deutschland: Reformbedarf und die Herausforderungen für Studierende.

Foto: panthermedia.net/zimmytws

Studieren ist eine tolle Erfahrung, doch die Frage nach der Finanzierung bleibt für viele eine Herausforderung. Nicht alle Studierenden können auf die Unterstützung der Eltern zählen und sind daher auf staatliche Förderungen angewiesen. Es ist kein Geheimnis, dass der Bildungserfolg in Deutschland stark vom Elternhaus geprägt ist. Kinder akademisch gebildeter Eltern haben tendenziell bessere Chancen auf einen Hochschulabschluss. Auch die Einwanderungsgeschichte und das Alter bei der Zuwanderung spielen eine entscheidende Rolle und wirken sich erheblich auf den Bildungsweg im Erwachsenenalter aus.

Doch die zentrale Frage bleibt: Wie gut ist das System der Studienfinanzierung wirklich auf die heutige Lebensrealität der Studierenden abgestimmt?

Bafög-Zahlen im Überblick

Im Jahr 2024 haben in Deutschland über 600.000 Menschen Bafög bekommen. Laut dem Statistischen Bundesamt waren es genau 612.800 – das sind 22.800 oder 4 % weniger als im Jahr davor. Damit ist die Zahl der Bafög-Empfänger so niedrig wie seit dem Jahr 2000 nicht mehr. In den Jahren 2022 und 2023 war sie zuvor leicht gestiegen.

Im Schnitt bekamen die Bafög-Empfänger 635 Euro im Monat – etwas weniger als im Vorjahr mit 640 Euro. Auch der Bund gab weniger Geld für Bafög aus: Die Ausgaben sanken um 9 % bzw. 316 Millionen Euro auf insgesamt 3,1 Milliarden Euro.

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Die meisten Bafög-Empfänger waren Studierende – rund 483.800. Etwa 21 % der Geförderten, also 129.000 Personen, waren Schülerinnen und Schüler. Studierende bekamen im Schnitt 657 Euro im Monat, Schüler 539 Euro.

Wie viel Bafög man bekommt, hängt zum Beispiel davon ab, auf welche Schule man geht, ob man noch zu Hause wohnt und wie viel man selbst oder die Eltern verdienen.

Laut Bundesamt waren die meisten Geförderten unter 25 Jahre alt und lebten nicht mehr bei ihren Eltern. Außerdem erhielten mehr Frauen als Männer Bafög: 59 % der Empfänger waren weiblich, 41 % männlich – ähnlich wie in den Jahren davor.

BAföG bleibt hinter den Bedürfnissen der Studierenden zurück

Das CHE hat auch 2023 alle Nutzungszahlen staatlicher Finanzierungsmöglichkeiten für Studierende auf Bundes- und Länderebene zusammengetragen. Die Daten stammen vom Statistischen Bundesamt, dem Bundesministerium für Bildung und Forschung sowie von Angaben der Anbieter, die auf Anfrage des CHE bereitgestellt wurden.

„So erfreulich es ist, dass die BAföG-Zahlen zuletzt leicht gestiegen sind: 87,5 % der Studierenden erhalten weiter kein BAföG. Das wichtigste Finanzierungsangebot des Landes ist weiterhin nicht auf der Höhe der Zeit, es passt nicht mehr zur Lebensrealität der Studierenden“, resümiert Ulrich Müller, Leiter politische Analysen beim CHE. „Während sich die Hochschulwelt weiterentwickelt hat, sind die staatlichen Fördermittel stehen geblieben. Die finanzielle Absicherung von Studierenden hängt aktuell vor allem an der Unterstützung im familiären Umfeld und an ihrer Eigeninitiative, sprich: der Möglichkeit, einen Nebenjob nachzugehen.“

Ungleiche BAföG-Förderung

Die BAföG-Förderquoten unterscheiden sich deutlich zwischen den Bundesländern. In Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern erhält etwa jede bzw. jeder fünfte Studierende BAföG, während es in Hamburg, dem Saarland und Thüringen nur etwa 10 % sind.

„Diese Unterschiede lassen sich nicht allein mit der Wirtschaftskraft der Länder erklären, die Gründe sind komplexer“, kommentiert Müller. Die großen Unterschiede in den Zahlen zeigen Probleme mit der Bekanntheit und Akzeptanz, die durch fehlende Transparenz und schlechte Kommunikation verstärkt werden.

Reformstau bei der Studienfinanzierung?

Ulrich Müller erklärte, man sehe seit Jahren bei BAföG und ähnlichen Angeboten einen großen Reformbedarf. Besonders der KfW-Studienkredit und der Bildungskredit würden an Bedeutung verlieren. Es scheine, als hätten sowohl Studierende als auch Politiker und Politikerinnen stillschweigend akzeptiert, dass die Studienfinanzierung keine staatliche Aufgabe, sondern eine private Angelegenheit der Studieninteressierten sei.

„Wenn im öffentlichen Nahverkehr eine wichtige Bahnlinie nicht zuverlässig fährt oder am Bedarf vorbeigeplant wird, steigen die Nutzerinnen und Nutzer auf das Auto um. Das heißt aber nicht, dass die Bahn überflüssig ist – sie muss vielmehr dringend an die Bedürfnisse der Fahrgäste angepasst werden. Den gleichen Fall sehen wir auch beim BAföG oder beim KfW-Studienkredit. Zukunfts- und bedarfsorientierte staatliche Studienfinanzierung sieht anders aus.“

Der Experte sieht dabei für die kommende Bundesregierung aufgrund der aktuellen Zahlen dringenden Handlungsbedarf. Zum einen müsse die BAföG-Förderung an die heutige Lebenssituation der Studierenden angepasst werden. Außerdem sollten staatliche Förderungen in einem flexiblen und umfassenden System zusammengeführt werden. Ein weiterer wichtiger Punkt sei, den Studierenden mehr Orientierung und Sicherheit bei Finanzierungsfragen zu bieten.

Neue Hilfe zum Studienstart – 1.000 Euro für junge Studierende

Seit dem Wintersemester 2024/2025 gibt es eine neue Unterstützung für Studienanfänger: die Studienstarthilfe. Dabei handelt es sich um einen einmaligen Zuschuss von 1.000 Euro für den Start ins Studium.

Die Hilfe richtet sich an unter 25-Jährige, die erstmals ein Studium beginnen und vorher Sozialleistungen wie zum Beispiel Bürgergeld erhalten haben. Sie wird unabhängig vom normalen Bafög gezahlt.

Im Jahr 2024 haben laut dem Statistischen Bundesamt 10.700 Personen diese Förderung bekommen. Der Bund gab dafür insgesamt 10,7 Millionen Euro aus.

Ein Beitrag von:

  • Alexandra Ilina

    Alexandra Ilina ist Diplom-Journalistin (TU-Dortmund) und Diplom-Übersetzerin (SHU Smolensk) mit mehr als 20 Jahren Berufserfahrung im Journalismus, in der Kommunikation und im digitalen Content-Management. Sie schreibt über Karriere und Technik.

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