Freundlich kündigen: So trennen sich Ingenieure professionell
Wie Ingenieure ihren Arbeitsvertrag freundlich und strategisch kündigen – rechtssicher, professionell und ohne verbrannte Erde.
Eine Kündigung muss sachlich und professionell bleiben – auch wenn sie auf Arbeitgeberseite nicht auf Begeisterung stößt. Gerade für Ingenieurinnen und Ingenieure entscheidet der Ton darüber, wie der Abschied in Erinnerung bleibt.
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Freundlich kündigen – das Wichtigste für Ingenieure
1) Rechtlich muss nur das Nötigste rein
Schriftlich und unterschrieben (§ 623 BGB), eindeutiger Kündigungswille, Kündigungstermin. Eine Begründung ist nicht nötig – und oft riskant.
2) Der Ton ist Strategie, nicht Höflichkeit
Ingenieur-Netzwerke sind klein. Ein professioneller Abgang schützt Reputation, Zeugnisqualität und spätere Optionen (Rückkehr, Referenzen, Zusammenarbeit).
3) Projektlogik mitdenken
Wer in Entwicklung, Bau oder Instandhaltung kündigt, sollte Übergabe und Wissenssicherung aktiv anbieten. Das senkt Konflikte und verhindert „Chaos-Abgang“.
4) Keine Trigger-Sätze
Keine Kritik am Management, keine Details zum neuen Arbeitgeber, keine emotionalen Begründungen. Das bringt Ihnen nichts – und kann die Trennung verhärten.
5) Sauber abschließen
Bitten Sie um schriftliche Bestätigung der Kündigung und ein qualifiziertes Arbeitszeugnis. Optional: Termin für Übergabe/Resturlaub/Arbeitsmittel.
Eine Kündigung ist kein rein formaler Akt. Für Ingenieurinnen und Ingenieure ist sie ein strategischer Moment. Wer in Projekten arbeitet, Spezialwissen trägt oder Teams führt, hinterlässt Spuren, fachlich und menschlich. Der Ton der Kündigung entscheidet mit darüber, ob der Abschied als professionell oder als Bruch wahrgenommen wird. Dieser Ratgeber zeigt, wie Sie Ihren Arbeitsvertrag rechtssicher, freundlich und klug kündigen – mit besonderem Blick auf typische Ingenieurrollen.
Warum eine freundliche Kündigung für Ingenieure besonders wichtig ist
Ingenieurmärkte sind eng. Spezialisierungen sind enger. Projektpartner, Vorgesetzte und Personalverantwortliche wechseln die Positionen, meist nicht die Branche. Eine sauber formulierte Kündigung:
- schützt Ihre fachliche Reputation,
- erleichtert die Projektübergabe,
- verbessert die Chancen auf ein wohlwollendes Arbeitszeugnis,
- hält Türen für spätere Zusammenarbeit offen.
Kurz: Freundlichkeit ist kein Stilmittel. Sie ist Risikomanagement.
Das rechtliche Fundament
Juristisch braucht eine Kündigung wenig. Alles Weitere ist freiwillig.
Pflichtangaben:
- Schriftform mit eigenhändiger Unterschrift (§ 623 BGB),
- eindeutiger Kündigungswille,
- Beendigungsdatum bzw. fristgerechte Kündigung.
Nicht erforderlich:
- Begründungen,
- emotionale Erklärungen,
- Hinweise auf einen neuen Arbeitgeber.
Wer mehr schreibt, sollte wissen warum.
Typische Besonderheiten im Ingenieuralltag
Projektverantwortung:
Viele Ingenieurinnen und Ingenieure kündigen mitten in Entwicklungsphasen, Bauabschnitten oder laufenden Inbetriebnahmen. Eine freundliche Kündigung signalisiert: Ich gehe, aber ich lasse kein Vakuum zurück.
Spezial- und Alleinwissen:
Je kritischer Ihr Know-how, desto größer die Nervosität auf Arbeitgeberseite. Ein kooperativer Ton senkt Eskalationen – etwa bei Freistellung oder Zeugnisfragen.
Führungs- und Steuerungsrollen:
Projektleiter und Führungskräfte werden an ihrem Abgang gemessen. Ein kontrollierter, sachlicher Abschied gehört zur professionellen Erwartung.
Der richtige Aufbau einer freundlichen Kündigung
- Klarer Einstieg
Ohne Vorrede, ohne Emotion.
„Hiermit kündige ich mein Arbeitsverhältnis mit der [Unternehmensname] ordentlich und fristgerecht zum [Datum].“
- Wertschätzung – konkret, nicht blumig
Ingenieurinnen und Ingenieure schätzen Präzision. Allgemeine Floskeln wirken hohl.
„Ich danke Ihnen für die Möglichkeit, an anspruchsvollen Projekten im Bereich [XY] mitzuarbeiten und meine fachlichen Kompetenzen weiterzuentwickeln.“
- Kooperationssignal
Das ist der strategische Kern der freundlichen Kündigung.
„Gern unterstütze ich eine strukturierte Übergabe meiner Aufgaben und stehe während der Kündigungsfrist für Rückfragen zur Verfügung.“
- Sachlicher Abschluss
„Bitte bestätigen Sie mir den Erhalt dieser Kündigung sowie den Beendigungstermin schriftlich. Zudem bitte ich um ein qualifiziertes Arbeitszeugnis.“
Varianten für freundliche Kündigungsschreiben
Ein freundliches Kündigungsschreiben bedeutet nicht, dass Sie eine Lobhudelei verfassen sollten. Wir haben drei Varianten für Sie vorformuliert:
Variante A: Standard (Fachkraft, neutral.professionell)
Adresse
PLZ Ort
z. Hd. Ansprechpartner*in / Personalabteilung
Adresse
PLZ Ort
Sehr geehrte*r Frau/Herr [Name],
hiermit kündige ich mein Arbeitsverhältnis mit der [Unternehmensname] ordentlich und fristgerecht zum [Datum].
Ich danke Ihnen für die Möglichkeit, meine Aufgaben im Bereich [Bereich/Team] wahrzunehmen und fachlich weiterzuentwickeln. Gern unterstütze ich eine strukturierte Übergabe meiner Aufgaben während der Kündigungsfrist.
Bitte bestätigen Sie mir den Erhalt dieser Kündigung sowie den Beendigungstermin schriftlich. Zudem bitte ich um die Ausstellung eines qualifizierten Arbeitszeugnisses.
Mit freundlichen Grüßen
[Unterschrift]
Vorname Nachname
Variante B: Projektumfeld (Übergabe betont, Ingenieur-typisch)
Adresse
PLZ Ort
z. Hd. Ansprechpartner*in / Personalabteilung
Adresse
PLZ Ort
Sehr geehrte*r Frau/Herr [Name],
hiermit kündige ich mein Arbeitsverhältnis mit der [Unternehmensname] ordentlich und fristgerecht zum [Datum].
Ich danke Ihnen für die Zusammenarbeit und die Möglichkeit, an Projekten wie [Projekt/Programm – optional] mitzuwirken. Um einen reibungslosen Abschluss sicherzustellen, biete ich an, die Übergabe meiner Aufgaben inklusive Dokumentation, Status der Arbeitspakete und offener Punkte strukturiert vorzubereiten.
Bitte bestätigen Sie mir die Kündigung schriftlich unter Angabe des Beendigungsdatums. Außerdem bitte ich um ein qualifiziertes Arbeitszeugnis.
Mit freundlichen Grüßen
[Unterschrift]
Vorname Nachname
Variante C: Führungskraft/Projektleitung (klar, kontrolliert, ohne Pathos)
Adresse
PLZ Ort
z. Hd. Geschäftsführung / Personalabteilung
Adresse
PLZ Ort
Sehr geehrte*r Frau/Herr [Name],
hiermit kündige ich mein Arbeitsverhältnis mit der [Unternehmensname] ordentlich und fristgerecht zum [Datum].
Ich danke für das Vertrauen und die Zusammenarbeit. Für die verbleibende Zeit schlage ich vor, kurzfristig die Übergabeplanung abzustimmen (Aufgaben, Verantwortlichkeiten, Meilensteine, Risiken), damit laufende Projekte und Teams geordnet weiterarbeiten können.
Bitte bestätigen Sie mir den Erhalt dieser Kündigung sowie den Beendigungstermin schriftlich. Zudem bitte ich um die Ausstellung eines qualifizierten Arbeitszeugnisses.
Mit freundlichen Grüßen
[Unterschrift]
Vorname Nachname
Was Ingenieure besser weglassen
- Kritik am Management oder an Projekten
- emotionale Begründungen („Überlastung“, „fehlende Wertschätzung“)
- Hinweise auf den neuen Arbeitgeber
- Drohungen oder Druckmittel
All das kann das Exit-Klima unnötig verschärfen – ohne Nutzen für Sie.
Sonderfälle aus der Praxis
Kündigung bei laufenden Großprojekten
Empfehlung: Gespräch vor Abgabe der Kündigung. Das erleichtert Übergaben, reduziert Konflikte und wirkt sich oft positiv auf das Zeugnis aus.
Remote-Arbeit oder Ausland
Die Kündigung muss im Original unterschrieben vorliegen. Scan oder E-Mail reichen nicht.
Kündigung in leitender Funktion
Hier sollte die Übergabe explizit angesprochen werden: Aufgaben, Verantwortlichkeiten, Risiken, Meilensteine. Das schafft Vertrauen – auch nach dem Abschied.
Mini-Checkliste: Saubere Übergabe anbieten
- Dokumentationsstand und offene Punkte
- relevante Ansprechpartner
- Ablageorte, Repositories, Zugänge
- laufende Termine und Meilensteine
- kritische Risiken oder Abhängigkeiten
Nicht alles gehört ins Kündigungsschreiben. Aber das Angebot sollte klar erkennbar sein.
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