Wie Collective Intelligence und KI den Projekterfolg beeinflussen
Wovon hängt eigentlich der Erfolg eines Transformationsprojektes ab? Die aktuelle Studie zeigt: Es sind nicht nur Technik und Prozesse entscheidend – besonders Collective Intelligence, also die gebündelte Intelligenz der Teams, in Kombination mit künstlicher Intelligenz, macht den Unterschied.
Transformationsprojekte erfolgreich gestalten: Wie Teams und KI gemeinsam den Unterschied machen.
Foto: Smarterpix/DCStudio
Inhaltsverzeichnis
Transformationsprojekte sind für Unternehmen echte Kraftakte. Sie ziehen sich oft über lange Zeit, verlangen klare Ziele, Durchhaltevermögen und ein gut abgestimmtes Team. Viele Vorhaben starten motiviert, verlieren aber schon früh an Tempo oder scheitern ganz. Ein gemeinsames Forschungsprojekt der IU Internationalen Hochschule und der dos santos GmbH zeigt nun, wie sich die Erfolgschancen deutlich steigern lassen: durch den gezielten Einsatz von Collective Intelligence (CI) und künstlicher Intelligenz (KI). Die Studienergebnisse werden im zweiten Quartal 2026 in einem Sammelband bei Springer veröffentlicht.
Collective Intelligence: Die Kraft des Teams im Wandel
Collective Intelligence, kurz CI, bedeutet die gebündelte Intelligenz eines Teams: Alle bringen ihr Wissen, ihre Ideen und Erfahrungen ein, um gemeinsam bessere Entscheidungen zu treffen. In Transformationsprojekten kann diese Teamkraft enorm wirken.
Ricardo Miquelino von der dos santos GmbH erklärt: „Künstliche Intelligenz und kollektive Intelligenz sind keine Zukunftsmusik, sie sind heute schon entscheidende Erfolgsfaktoren. Wer beide konsequent kombiniert, steigert die Erfolgschancen von Transformationen dramatisch. Gleichzeitig dürfen wir die menschliche Dimension nicht vernachlässigen – wichtig ist, dass man alle Mitarbeiter mitnimmt und vor allem: Man sollte ihre Bedenken ernst nehmen.“
Schon die Zahlen zeigen es: Setzt man auf KI, steigt der Net Promoter Score von einem verhaltenen 7,7 auf starke 34,3. Auch CI wirkt deutlich – hier steigt der Score auf 22,5.
Der Net Promoter Score (NPS) misst Zufriedenheit und Weiterempfehlung. Er reicht von -100 bis +100 – negative Werte zeigen Unzufriedenheit, ab +30 gilt es als großer Erfolg. Ein Wert von 7,7 bedeutet also nur einen schwachen Start.
Mensch trifft Maschine
„Künstliche Intelligenz trägt vor allem dort zum Erfolg von Transformationsprojekten bei, wo sie Daten strukturiert, Prozesse automatisiert und Informationen besser verfügbar macht. Kollektive Intelligenz sorgt gleichzeitig für Beteiligung, Co-Entwicklung und Transparenz. In unseren Daten werden die Projekte am besten bewertet, in denen beides zusammenspielt – Mensch und Technologie. Dort sehen wir nicht nur effizientere Abläufe, sondern auch mehr Akzeptanz, weil Information, Beteiligung und Entscheidungstransparenz stärker ausgeprägt sind.“, sagt Dr. Axel Schulz, Head of AI and Data Intelligence Center DB Fernverkehr.
Am stärksten schlägt die Kombination aus beidem zu Buche: KI plus kollektives Wissen katapultieren den Score auf 37,5. Das verdeutlicht eindrucksvoll, wie viel Potenzial in der Zusammenarbeit von Mensch und Maschine steckt.
Mit anderen Worten: Wer auf die gebündelte Kraft von Teams (CI) und die Unterstützung durch KI setzt, steigert den Erfolg von Transformationsprojekten deutlich.
Technik schlägt Kultur: Warum nicht alle Transformationen gleich laufen
Nicht alle Transformationsprojekte sind gleich einfach. Die Einführung neuer Technologien läuft meist reibungslos – solche Projekte erreichen einen NPS von 42,9. Veränderungen, die die Unternehmenskultur betreffen, sind deutlich schwieriger: Hier liegt der Score bei -33,3, viele scheitern schon früh.
Die Analyse des Forscherteams zeigt klar: Technische Veränderungen haben deutlich höhere Erfolgschancen als Projekte, die den Menschen in den Mittelpunkt stellen.
Wer im Wandel am meisten kämpft – und warum Kultur so schwerfällt
Besonders auffällig: Neue Mitarbeitende sind oft am frustriertesten. Sie kennen die Unternehmenskultur noch nicht gut und fühlen sich im Veränderungsprozess häufig allein gelassen – ihr NPS liegt bei -60,0. Erfahrene Mitarbeitende mit mehr als zehn Jahren Zugehörigkeit sind entspannter und deutlich positiver eingestellt (NPS 28,6).
Das Top-Management zeigt sich ebenfalls unzufrieden (-14,3), besonders bei Kommunikation und Zielerreichung.
Warum gerade die Neuen so frustriert sind, wie Führungskräfte ihre Rolle im Wandel besser gestalten könnten und warum Kulturwandel deutlich schwieriger ist als technologische Transformation – diesen Fragen gehen die beiden Experten dieser Studie nach: Prof.ⁱⁿ Dr.ⁱⁿ Katharina-Maria Rehfeld von der IU Internationalen Hochschule und Ricardo dos Santos Miquelino, Mitgründer der dos santos GmbH, der unter anderem Unternehmen wie Deutsche Bahn und Zeiss berät.
„Unsere Studie zeigt deutlich: Technologieprojekte erzielen beeindruckende Erfolge – insbesondere, wenn Kommunikation, Führung und Zusammenarbeit von Anfang an konsequent eingebunden werden. Wer diese Faktoren berücksichtigt, kann den Wandel effizient gestalten und nachhaltige Ergebnisse sichern“, erklärt Prof. Dr. Katharina-Maria Rehfeld von der IU Internationale Hochschule.
So wurde die Studie durchgeführt
Ziel der Untersuchung war es, besser zu verstehen, wie Transformationsprojekte in Unternehmen der DACH-Region gestaltet werden, welche Herausforderungen es gibt und wie wirksam sie sind. Untersucht wurden Methoden, kulturelle Rahmenbedingungen, Kommunikation und die Wahrnehmung abgeschlossener Projekte. Dafür kombinierten die Forschenden eine Onlinebefragung mit Tiefeninterviews, um Zahlen und Erfahrungen miteinander abzugleichen.
Im Frühjahr 2025 wurden 67 Mitarbeitende und Führungskräfte aus 29 Unternehmen eingeladen, von ihren Projekten der vergangenen zwölf Monate zu berichten. Ergänzend führten die Experten und Expertinnen zwei ausführliche Einzelinterviews mit Projektverantwortlichen durch.
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