McKinsey-Studie 08.03.2026, 10:00 Uhr

Frauen im Tech: Wo der Karriere-Aufstieg wirklich stockt

Die aktuelle McKinsey-Studie zeigt: Trotz steigender Qualifikation bleiben Frauen in Tech- und KI-Rollen unterrepräsentiert – gleichzeitig steckt hier enormes Potenzial, das Unternehmen gezielt nutzen könnten.

Zwei Kollegen arbeiten am Computer.

Frauen in Tech bleiben unterrepräsentiert: Trotz steigender MINT-Abschlüsse finden viele nur schwer den Einstieg in KI-, Daten- und Tech-Rollen.

Foto: Smarterpix/Myvisuals

Eine aktuelle Analyse von McKinsey zeigt ein widersprüchliches Bild auf dem europäischen Arbeitsmarkt: Obwohl immer mehr Frauen einen Abschluss in MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) erwerben, spiegelt sich dieser Fortschritt kaum in der Beschäftigung wider. Im Gegenteil: der Anteil von Frauen in Tech-Berufen ist in den vergangenen drei Jahren sogar von 22 % auf 19 % gesunken. Gleichzeitig nimmt die Zahl der Einstiegspositionen in vielen Tech-Bereichen ab, was den Zugang zu diesen Berufen zusätzlich erschwert.

Besonders deutlich wird die Ungleichverteilung bei Zukunftsrollen rund um Künstliche Intelligenz, Daten und Analytics. Von der wachsenden Nachfrage in diesen Bereichen profitieren bislang vor allem Männer. Auch in Führungspositionen der Technologiebranche sind Frauen weiterhin stark unterrepräsentiert: Nur 13 % der Managementrollen im Tech-Sektor sind mit Frauen besetzt, auf Senior-Ebene liegt der Anteil sogar bei lediglich 8 %.

Der Bericht zeigt jedoch auch ungenutztes Potenzial. Durch gezielte Förderprogramme und bessere Karrierepfade könnten europaweit bis zu 200.000 Frauen mit MINT-Hintergrund zusätzlich für Tech-Jobs aktiviert werden. Laut Studie verändert künstliche Intelligenz derzeit Wertschöpfung und Wettbewerb in Europa schneller, als viele Unternehmen ihre Talentstrategien anpassen. Um dem Fachkräftemangel in der Tech-Branche zu begegnen, wird es daher entscheidend sein, mehr Frauen für IT-, KI- und Datenberufe zu gewinnen und langfristig zu halten.

„Europa steht vor einer strategischen Weggabelung: KI kann zum Wendepunkt werden, um Frauen gezielt in zukunftskritische Tech- und KI-Rollen zu entwickeln, wenn Unternehmen Qualifizierung, Karrierepfade und Führung entsprechend weiterentwickeln“, kommentiert Henning Soller, Co-Autor und Partner aus dem Frankfurter McKinsey-Büro.

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Datengrundlage des Reports: Millionen Profile und europaweite Analysen

Für den Report haben die Autor:innen aktuelle Daten zur Tech-Arbeitswelt und Bildungssituation in den EU-27 ausgewertet. Zusätzlich analysierten sie umfangreiche Datensätze aus LinkedIn: Insgesamt wurden rund vier Millionen Profile aus mehr als 500 Unternehmen in 37 Ländern sowie verschiedene Tech-Jobkategorien untersucht.

Ergänzt wurde diese Analyse durch Workforce-Daten der Plattformen Getro und Findem, bei denen über 1,5 Millionen Profile gescannt wurden. Darüber hinaus flossen Interviews mit weiblichen Tech-Führungskräften aus ganz Europa in die Studie ein, um neben den quantitativen Daten auch persönliche Erfahrungen und Perspektiven aus der Branche zu berücksichtigen.

Drei strukturelle Hürden im Talent- und Karrieresystem der Tech-Branche

Der Report identifiziert drei zentrale strukturelle Entwicklungen, die erklären, warum sich die Geschlechterlücke im Tech-Sektor trotz steigender Qualifikation von Frauen nicht automatisch schließt.

  • Der Berufseinstieg bleibt eine kritische Hürde
    Immer mehr Frauen schließen ein MINT-Studium ab – ihr Anteil liegt inzwischen bei 33 % auf Bachelor-Niveau und sogar bei 39 % bei Promotionen. Dennoch spiegelt sich dieser Fortschritt kaum im Arbeitsmarkt wider. Besonders der Übergang vom Studium in eine klassische Tech-Rolle erweist sich als entscheidende Phase: Viele gut ausgebildete Absolventinnen schaffen den dauerhaften Einstieg in Tech-Berufe nicht.
  • Weniger Einstiegsjobs in wichtigen Tech-Bereichen
    Parallel dazu sinkt in mehreren zentralen Tech-Feldern die Zahl der Einstiegspositionen – unter anderem durch Automatisierung und den wachsenden Einsatz von KI. Besonders stark betroffen sind die Bereiche Product Development (-17 %) und Software Engineering (-13 %). Ein Wachstum bei Einstiegsrollen zeigt sich derzeit vor allem im Bereich KI, Daten und Analytics. Allerdings profitieren auch hier Männer stärker vom Nachfrageanstieg: Die Zahl der Einstiegsrollen für Männer wächst um 11 %, für Frauen um 7 %.
  • Die Karriereleiter wird nach oben hin immer schmaler
    Mit steigender Verantwortung nimmt der Frauenanteil in nahezu allen Tech-Berufsfeldern deutlich ab. Der stärkste Rückgang zeigt sich zwischen der Einstiegsposition und der ersten Führungsrolle – je nach Jobfamilie sinkt der Anteil hier um 20 % bis 52 %. Insgesamt sind heute nur 13 % der Managementpositionen im Tech-Bereich mit Frauen besetzt. Auf Senior-Management-Ebene, etwa auf Director- oder C-Level, liegt der Anteil sogar nur bei 8 %.

„KI-Wertschöpfung entsteht nicht allein durch Technologie, sondern durch Menschen in Schlüsselrollen. Unternehmen, die Frauen systematisch in wachsende Tech- und KI-Funktionen entwickeln, stärken ihre Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig“, sagt Melanie Krawina, Co-Autorin und Associate Partnerin aus dem Wiener McKinsey-Büro.

Strukturelle Ursachen: Konzentration auf kleinere, weniger einflussreiche Rollen

  • Hoher Frauenanteil in bestimmten Bereichen: Frauen sind im Tech-Sektor vergleichsweise häufig in Produktmanagement (39 %) und Design (53 %) vertreten.
  • Geringerer Einfluss dieser Rollen: Beide Bereiche machen jedoch nur einen kleinen Teil der gesamten Tech-Belegschaft aus – etwa 10 % im Produktmanagement und rund 5 % im Design – und führen seltener zu klassischen C-Level-Positionen.
  • Sinkende Nachfrage: Gleichzeitig geht die Gesamtnachfrage nach Produktrollen (-2 %) und Designrollen (-3 %) zurück. Besonders stark betroffen sind Einstiegspositionen mit Rückgängen von -17 % im Produktmanagement und -11 % im Design.

Handlungsagenda für Unternehmen: Drei zentrale Hebel für mehr Frauen in Tech und KI

Um das Wachstum rund um Künstliche Intelligenz und datengetriebene Geschäftsmodelle nachhaltig zu skalieren, müssen Unternehmen laut Report an drei strukturellen Stellschrauben gleichzeitig ansetzen.

  • Reculture – Führung stärker in die Verantwortung nehmen:
    Unternehmen sollten Führung konsequent an messbaren Ergebnissen in der Talententwicklung ausrichten. Dazu gehören klare Ziele, regelmäßige Reviews und eine Verknüpfung mit relevanten KPIs. Gleichzeitig können standardisierte Meeting- und Entscheidungsprozesse helfen, unbewusste Bias zu reduzieren. Ein weiterer wichtiger Faktor ist systematisches Sponsoring: Führungskräfte sollten gezielt Talente fördern und deren Karriere aktiv unterstützen.
  • Realign Skills – KI- und Datenkompetenzen als Basiskompetenz etablieren:
    Kompetenzen in den Bereichen Künstliche Intelligenz, Daten und Analytics müssen in Unternehmen breiter aufgebaut werden. Weiterbildung sollte eng mit realen Projekten verknüpft sein, etwa durch projektbasierte Lernformate. Zudem empfiehlt der Report strukturierte Programme für den Wiedereinstieg in Tech-Berufe. Auf diese Weise könnten europaweit rund 140.000 bis 200.000 Frauen mit MINT-Hintergrund zusätzlich für Tech-Rollen gewonnen werden.
  • Reimagine Operations – Karrierewege transparenter und skalierbarer gestalten:
    Viele Karrieren im Tech-Sektor hängen noch stark von informellen Netzwerken ab. Unternehmen können hier gegensteuern, indem sie transparente Rollenarchitekturen, standardisierte Return-to-Work-Programme und moderne Elternzeitmodelle etablieren. Sponsoring spielt dabei eine Schlüsselrolle: Frauen mit Sponsorinnen oder Sponsoren haben eine dreimal höhere Wahrscheinlichkeit, dass ihre Ideen umgesetzt werden. Zudem steigt mit aktiver Fürsprache die Chance um rund 70 %, dass ihre Vorschläge innerhalb des Unternehmens Unterstützung finden.

Ein Beitrag von:

  • Alexandra Ilina

    Alexandra Ilina ist Diplom-Journalistin (TU-Dortmund) und Diplom-Übersetzerin (SHU Smolensk) mit mehr als 20 Jahren Berufserfahrung im Journalismus, in der Kommunikation und im digitalen Content-Management. Sie schreibt über Karriere und Technik.

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