Heiko Mell 24.01.2026, 10:00 Uhr

Ich möchte Ingenieur werden – aber in welchem Fach?

Karriereberater Heiko Mell spricht über die Chancen und Fallstricke einer späten beruflichen Neuorientierung und erklärt, warum Konsequenz und realistische Planung wichtiger sind als reine Traumverwirklichung.

Symbolbild für Change und Neustart

Späte Berufsorientierung: Mit Strategie und Durchhaltevermögen den Karriere-Neustart meistern.

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Foto: PantherMedia / Prosto

Frage:

Ich bin 37 Jahre alt, habe einen Abschluss als M. Sc. Geographie (Klima und Umwelt) und habe zunächst vertriebs- und projektorientiert bei Herstellern von Energieanlagen gearbeitet. Seit drei Jahren bin ich im öffentlichen Dienst in der Regionalplanung beschäftigt.

Ich würde gern meine berufliche Situation verändern und plane ein Fernstudium im Ingenieurbereich. Nun stehe ich in der Entscheidungsfindung zwischen zwei fachlichen Richtungen, die ich beide sehr interessant finde. Meine größten Bedenken beruhen dabei auf meinem etwas fortgeschrittenen Alter, ich müsste mit 42 Jahren mit nur dem Bachelor noch einmal beruflich Fuß fassen.

Beruflicher Neustart mit Struktur und klaren Zielen – 28.01.2026

Die erste mögliche Fachrichtung wäre Elektrotechnik mit Richtung erneuerbare Energien bzw. Energietechnik, wobei ich auch der KI gegenüber aufgeschlossen bin. Die zweite Richtung wäre Bauingenieurwesen mit dem Ziel, im erweiterten städtebaulichen Bereich tätig zu sein (Straßenbau, Hochwasserschutz, Hochbau etc.).

Nun reizt mich das Bauingenieurwesen inhaltlich etwas mehr (erhöhtes Interesse und größere Begeisterung), jedoch verspreche ich mir von der Elektrotechnik in meiner Gesamtsituation bessere Chancen.

Für Ihre Expertise wäre ich Ihnen sehr verbunden.

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Antwort:

Die grundsätzliche und spontane Antwort fällt mir sehr leicht und ich gebe sie gern: Eine solche pauschale Abwägung zwischen zwei Studienrichtungen ist mir auf dieser Informationsbasis schlicht unmöglich. Denn Sie müssen ja nicht nur an Ihrer neuen Fachrichtung Interesse haben und sich dort Chancen ausrechnen – Sie müssen auch noch entsprechend begabt sein. Man wird z. B. Elektroingenieur, weil man eine möglichst große Leidenschaft für das Fach empfindet, weil man eigene Begabungen dafür erkennt. Wer gerade in Ihrer Situation eine dieser Richtungen nur wählen würde, weil er dort in ca. fünf Jahren besonders große Chancen vermutet, wäre von einer zweiten Pleite bedroht.

Eckpunkte für eine realistische berufliche Neuorientierung

Aber ich will Ihnen so gut wie möglich helfen. Daher liste ich gern einige Eckpunkte auf:

  1. Es ist gut und richtig, dass Sie ein Fernstudium wählen. Wenn Sie also nach zwei Semestern merken, das war die falsche Richtung oder nach fünf, dass die ganze Idee mit dem zusätzlichen (anstrengenden) Studium nichts taugte, dann steigen Sie aus, ohne Spuren in Ihrem Lebenslauf zu hinterlassen.
  2. Daraus folgt: Halten Sie während dieser ganzen Phase der beruflichen Neuorientierung eisern an Ihrer heutigen Anstellung fest. Mögliche interne Veränderungen oder erweiterte Aufgaben sind „erlaubt“, Arbeitgeberwechsel erst einmal eher nicht.
  3. Wenn Sie in Ihrem dann doch recht fortgeschrittenen Alter von 42 Jahren jemanden von Ihrer neuerworbenen Qualifikation überzeugen wollen, dann brauchen Sie als Mindestvoraussetzung einen exzellenten Studienabschluss. Mit einer 3 vor dem Komma begeistern Sie niemanden.
  4. Bei diesem Abschluss werden Sie ca. acht Jahre lang bei Ihrem öffentlichen Arbeitgeber und in dieser oder einer ähnlichen Funktion tätig sein. Auf den beiden „Säulen“ sollten Sie dann aufbauen statt nach dieser langen Zeit zu einem wiederum anderen/neuen Arbeitgebertyp und dort in eine völlig neue Tätigkeitsrichtung zu streben. Als Berufseinsteiger von 42 Jahren brauchen Sie jeden „Pluspunkt“, den Sie darstellen können.

„Sie tun es immer wieder“ (Mell) – wer einmal seine berufliche Ausrichtung aus eigener Sicht in den Sand gesetzt hat, läuft Gefahr, das schlicht zu wiederholen. Also erkennen Sie: Ihre Fähigkeiten in der „Kunst“, aus den Faktoren Interesse, Begabungen, Arbeitsmarkt, Glück + Zufall eine erfolgreiche Berufslaufbahn aufzubauen, sind nicht besonders groß und wachsen auch nicht mehr. Horchen Sie also nicht zu sehr in sich hinein und suchen Sie nicht zu intensiv nach Ihrer vermeintlichen Traumrichtung, sondern: treffen Sie eine vor allem auch vernunftgesteuerte Grundentscheidung über die generelle neue Fachrichtung. Dabei suchen Sie nach einem Weg, der vor allem auch auf den dann vorliegenden acht letzten Berufsjahren aufbaut. In meinen Augen spricht das fürs Bauingenieurwesen.

Den Weg zum Erfolg planen – trotz später Neuorientierung

Dann informieren Sie sich über vorhandene Positionen bei Ihrem Arbeitgeber und über ausgeschriebene offene Stellen bei ähnlichen Arbeitgebern (Stellenanzeigen), suchen sich hinsichtlich der Studiendetails eine Richtung, die oft und viel gesucht wird und die Sie sich für Ihre Person immerhin vorstellen können – und dann bleiben Sie unter allen Umständen dabei und ziehen das bis zum Prädikatsexamen konsequent durch.

Die Frage, ob Ihnen das neue Fach gefällt und ob es Ihren Träumen mehr oder weniger entspricht, stellen Sie sich während des Fernstudiums gar nicht erst! Sie beißen sich da durch und denken über Ihre Zufriedenheit mit dieser Wahl überhaupt nicht mehr nach. Es geht um die allerletzte Chance in Ihrem Berufsleben, jetzt ist dann Konsequenz gefragt.

Als Trost: Was jetzt ansteht, ist „nur“ ein Studium. Das ist nicht Ziel, sondern bloß der Weg dorthin. Jeder von uns hat im Studium Dinge lernen und Fähigkeiten spezieller Art demonstrieren müssen, die mit der späteren Praxis nichts zu tun hatten. Träumen Sie also, wenn das unbedingt sein muss, von einer späteren beglückenden Berufstätigkeit, aber erwarten Sie nicht, dass schon der Weg dorthin, das Studium, all Ihren Hoffnungen und Wünschen gerecht wird.

Da der Berufseinstieg in einem neuen Fach mit Anfang 40 nicht eben leicht ist, planen Sie rechtzeitig auch einen möglichen Start mit der neuen Qualifikation beim heutigen Arbeitgeber oder doch einem dieses Typs. Das Prinzip eines solchen beruflichen Neuanfangs lautet: Soweit wie möglich aufbauen auf dem, was in den sonst schnell als „verloren“ geltenden Jahren zwischen 19 und 42 dominiert hat – und dabei zählen aktuelle Erfahrungen doppelt.

Wenn Erfahrungen und Realität aufeinanderprallen

Konkret: Ein Unternehmen der klassischen Bauindustrie wird vielleicht skeptisch auf einen Berufseinsteiger von 42 Jahren schauen, der die letzten acht Jahre im öffentlichen Dienst in der Regionalplanung engagiert gewesen ist.

Nun muss ich im Interesse der anderen Leser noch einmal grundsätzlich werden: Soll und kann man überhaupt guten Gewissens jemandem zu einem solchen Experiment raten, der offensichtlich schon einmal eine falsche Wahl getroffen hatte, dann bis heute 10 Jahre auf der Basis dieser als falsch erkannten Entscheidung gebraucht hat, bis ihm eine Lösung (neues Studium) einfiel – und der jetzt noch nicht einmal die zentrale Idee für eine neue Ausrichtung hat, sondern munter zwischen zwei grundverschiedenen Varianten schwankt?

Ich glaube ja, denn ungeschrieben steht zwischen den Zeilen dieser Einsendung, dass dieser Leser heute unglücklich ist und die Ursache dafür in der nicht gegebenen Ingenieurqualifikation sieht – und auch immer wieder sehen wird, wenn nichts in dieser Richtung geschieht.

Und weil ich so viele Einzelkunden in der Beratung habe und hatte, die in vergleichbaren Fällen schließlich nahezu alle berufliche Niederlagen und Enttäuschungen darauf zurückführen („bloß weil ich die falsche Ausbildung bzw. die richtige nicht habe“), riskiere ich trotz einiger Bedenken eine solche Empfehlung. Und auch weil ich weiß, dass der Einsender zunächst im Fernstudium hart gefordert wird, sich beweisen muss und außer Freizeitverzicht erst einmal wenig dabei riskiert.

Ein Beitrag von:

  • Heiko Mell

    Heiko Mell ist Karriereberater, Buchautor und freier Mitarbeiter der VDI nachrichten. Er verantwortet die Serie Karriereberatung innerhalb der VDI nachrichten.  Hier auf ingenieur.de haben wir ihm eine eigene Kategorie gewidmet.

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