Schlüsselkompetenzen 28.04.2022, 09:40 Uhr

Ok Boomer: Wenn es zwischen den Generationen kracht

Babyboomer, X, Y und Z: Die verschiedenen Generationen haben unterschiedliche Auffassungen von Arbeit und Karriere. Das kann zu Konflikten führen.

Zwischen den Generationen kann es im Büro bisweilen zu krachen - dabei können Teams vom Generationenwissen profitieren. Wie das geht, erfahren Sie im Podcast "Prototyp". Foto: Panthermedia.net/halfpoint

Zwischen den Generationen kann es im Büro bisweilen zu krachen - dabei können Teams vom Generationenwissen profitieren. Wie das geht, erfahren Sie im Podcast "Prototyp".

Foto: Panthermedia.net/halfpoint

„Ok, Boomer“, denkt der Mittzwanziger und macht sich pünktlich nach Feierabend auf den Weg zum Yogakurs. „Dienst ist Dienst! Und Schnaps ist Schnaps!“, ruft ihm der Kollege, der fast sein Großvater sein könnte, noch nach und startet in die nächste Überstunde. Ganz so klischeehaft läuft es selten bis nie – und doch: Zwischen den Generationen, die in vielen Unternehmen zusammenarbeiten, kracht es bisweilen. Und das liegt meist an grundverschiedenen Vorstellungen von Arbeit und Karriere.

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Unternehmen sollten diese Tatsache anerkennen – und lernen, dass sie sehr viel Potenzial aus dem Generationenwissen ziehen können, sagt Eva Holden. Sie ist Leiterin Personalentwicklung und Change bei der VDI GmbH. „Die sogenannten Babyboomer und die Generationen X, Y und Z ticken zum Teil sehr unterschiedlich“, so Holden. Die Nachkriegsgeneration etwa sei geprägt von einem sehr hohen Durchhaltevermögen. „Das Motto: Da musst du jetzt durch. Andere Dinge wie etwa die eigene Gesundheit haben keine Priorität, Arbeit geht immer vor.“ Zudem seien Menschen aus dieser Generation es gewöhnt, sich auch in straffe Hierarchiestrukturen einzufügen.

Generation Z fragt nach dem Sinn

Angehörige der nachfolgenden Generationen würden indes dazu neigen, Aufgaben immer auch zu hinterfragen und auf Eigenverantwortlichkeit zu dringen. Und die jüngste Generation Z suche meist ganz grundsätzlich nach dem Sinn hinter der Arbeit – ohne geht es nicht. „Das merkt man auch in Bewerbungsgesprächen. Jemand aus der Generation Z möchte, dass die Unternehmensvision zu seinen Werten passt und spricht das dann auch deutlich an.“ Es gehe nicht nur um die Frage: Was kann ich für das Unternehmen leisten? Sondern vor allem auch: Passt das Unternehmen mit seinen Zielen zu mir und meinen Werten? Und wie lässt sich der Job in mein Privatleben integrieren, das eine hohe Priorität für mich hat?

Eva Holden ist zu Gast bei „Prototyp“.

Eva Holden ist zu Gast bei „Prototyp“.

Im Alltag können diese unterschiedlichen Vorstellungen zu Konflikten führen. Ein Beispiel: „Wenn heutzutage junge Väter Elternzeit nehmen wollen, kann das von manchen womöglich als mangelnde Arbeitsdisziplin oder gar Schwäche interpretiert werden“, sagt Eva Holden. „Nach dem Motto: Du bist doch gerade erst zum Abteilungsleiter befördert worden – und jetzt willst du erst mal eine Auszeit?“ Auf der anderen Seite würden sich ältere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von jungen Kolleginnen und Kollegen bisweilen herabgewürdigt fühlen, wenn sie etablierte Arbeitsprozesse immer wieder hinterfragen. „Viele aus der Generation Z brauchen im Job klare Rahmenbedingungen. Ihr Anspruch an die Führungskräfte ist: Du musst mir ganz klar sagen, was ich machen soll, innerhalb dieses Korridors brauche ich dann aber meinen Freiraum.“ Dafür sei diese Generation bereit, sich voll und ganz für eine Sache zu engagieren.

Die einzige Lösung: Dialog

Offene Gespräche würden helfen, Missverständnisse und Vorurteile zwischen den Generationen abzubauen. „Ich habe das so oft erlebt: Im Gespräch entsteht dann plötzlich ein Verständnis für die Denkweise der anderen. Fast immer lösen sich dann Konflikte von selbst auf.“ Auch beim Besprechen von Projekten oder Verteilen von Aufgaben sollten Führungskräfte im Blick behalten, dass die Generationen unterschiedlich ticken. „Für bestimmte Themen braucht es unterschiedliche Ansprachen. Die älteren Kolleginnen und Kollegen wollen zurecht für ihre Erfahrung wertgeschätzt werden. Die Jüngeren tendieren dazu, immer nach dem Warum zu fragen.“

Die Strukturen in vielen Unternehmen seien aber nach wie vor an der Babyboomer-Generation ausgerichtet – doch die kommt allmählich ins Rentenalter. Und damit dürfte in den nächsten Jahren ein sehr arbeitnehmerfreundlicher Arbeitsmarkt entstehen. „Wenn sie die jungen Talente für sich gewinnen wollen, müssen Unternehmen jetzt etwas ändern“, so Holden. Wie das gelingt, und wie Teams vom Generationenwissen aller Mitarbeitenden profitieren können, das verrät Eva Holden in der aktuellen Ausgabe von Prototyp, dem Karrierepodcast von ingenieur.de und VDI nachrichten. Außerdem spricht sie am 30. Mai beim VDI nachrichten Job Hub auf der Hannover Messe zum Thema „Babyboomer, Generation X, Y, Z: Generationenwissen als Schlüsselkompetenz“.

Ein Beitrag von:

  • Peter Sieben

    Peter Sieben ist Content Manager und verantwortlicher Redakteur für ingenieur.de. Nach einem Volontariat bei der Funke Mediengruppe war er mehrere Jahre als Redakteur und Politik-Reporter in verschiedenen Ressorts von Tageszeitungen und Online-Medien unterwegs. Er schreibt über Forschung, Politik und Karrierethemen.

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