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Kalkmörtel verrät ein spannendes Geheimnis des Deutschen Ordens

01. Juni 2026

Festung Feldioara
Neue Analysen von Kalkmörtel datieren die Festung Feldioara in die Zeit des Deutschen Ordens und stützen eine alte Hypothese. Foto: picture alliance / Zoonar | Liane Matrisch
War Feldioara die wichtigste Festung des Deutschen Ordens in Siebenbürgen? Neue Daten liefern starke Hinweise.
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Eine neue Studie bringt Licht in eine seit Jahrhunderten diskutierte Frage der Mittelalterforschung. Mithilfe moderner Radiokarbon-Datierungen von Kalkmörtel konnten Forschende die ältesten Mauern der Festung Feldioara in Rumänien ins frühe 13. Jahrhundert datieren. Die Ergebnisse stützen die Annahme, dass die Anlage tatsächlich in die kurze Herrschaftszeit des Deutschen Ordens in Siebenbürgen fällt.

Seit Jahrhunderten diskutieren Historikerinnen und Historiker über die Rolle der Festung Feldioara, im Deutschen besser als Marienburg bekannt. Die Anlage liegt im Burzenland im Südosten des heutigen Rumäniens und gilt seit Langem als möglicher Hauptstützpunkt des Deutschen Ordens während dessen kurzer Herrschaft in der Region. Doch belastbare Beweise fehlten bislang.

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Nun liefert eine neue Studie, die in der Fachzeitschrift Archaeological and Anthropological Sciences erschienen ist, erstmals konkrete Datierungsdaten. Forschende aus Rumänien haben dazu moderne naturwissenschaftliche Methoden eingesetzt. Das Ergebnis stärkt die These, dass die ältesten steinernen Befestigungen tatsächlich in die Zeit des Deutschen Ordens zurückreichen.

Inhaltsverzeichnis

Eine Festung im Zentrum einer alten Debatte

Der Deutsche Orden wurde Ende des 12. Jahrhunderts während der Kreuzzüge gegründet. Ursprünglich kümmerte sich die Gemeinschaft um kranke und verletzte Pilger im Heiligen Land. Später entwickelte sich daraus ein militärischer Orden, der vor allem im östlichen Europa erheblichen Einfluss gewann.

Im Jahr 1211 rief der ungarische König Andreas II. die Ordensritter ins Burzenland. Ihre Aufgabe bestand darin, die Grenzregion gegen Angriffe der Kumanen zu sichern. Als Gegenleistung erhielten sie weitreichende Rechte und konnten eigene Siedlungen und Befestigungen errichten.

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Doch die Zusammenarbeit hielt nicht lange. Bereits 1225 vertrieb der König den Orden wieder. Historische Quellen deuten darauf hin, dass die Ritter ihre Machtbasis zunehmend ausgebaut hatten und deutlich unabhängiger agierten als ursprünglich vorgesehen. Genau in diese kurze Phase fällt die Geschichte von Feldioara.

Das Problem: Es fehlte ein eindeutiger Zeitnachweis

Archäologische Untersuchungen an der Festung laufen bereits seit den frühen 1990er-Jahren. Dabei fanden Forschende zahlreiche Hinweise auf eine Nutzung während der Ordenszeit. Die Funde allein reichten jedoch nicht aus, um die ältesten Mauern zweifelsfrei dem Deutschen Orden zuzuordnen.

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Zwar galt Feldioara seit Jahren als einer der aussichtsreichsten Kandidaten für ein wichtiges Zentrum des Ordens in Osteuropa. Doch die entscheidende Frage blieb offen: Wurden die ersten Steinbauten tatsächlich während der Herrschaft der Ordensritter errichtet?

Wie Kalkmörtel zum Zeitzeugen wurde

Um diese Frage zu beantworten, untersuchte das Forschungsteam den Kalkmörtel aus den ältesten Mauerabschnitten der Festung.

Auf den ersten Blick klingt das ungewöhnlich. Tatsächlich kann Kalkmörtel jedoch wertvolle Informationen über das Alter eines Bauwerks liefern. Während der Aushärtung nimmt der Mörtel Kohlendioxid aus der Atmosphäre auf. Die darin enthaltenen Kohlenstoffisotope lassen sich später mit der Radiokarbonmethode analysieren.

Allerdings ist dieses Verfahren bei historischem Mörtel anspruchsvoll. Verunreinigungen oder spätere Umbauten können die Ergebnisse verfälschen. Deshalb kombinierten die Forschenden mehrere Analyseverfahren und untersuchten insgesamt 13 Proben aus verschiedenen Bereichen der Anlage. Erst nach einer aufwendigen chemischen Aufbereitung wurden die Proben datiert.

Die Ergebnisse passen zur Herrschaft des Deutschen Ordens

Die Datierungen ergaben, dass die ältesten steinernen Befestigungen in Feldioara tatsächlich aus dem frühen 13. Jahrhundert stammen. Damit fallen sie genau in die Zeit, in der der Deutsche Orden im Burzenland aktiv war.

In der Studie schreiben die Forschenden, dass die frühesten Verteidigungsanlagen der Festung „tatsächlich in die Zeit des Deutschen Ordens datieren“.

Damit erhält eine seit Langem diskutierte Hypothese deutlich mehr Gewicht. Zwar beweist die Untersuchung nicht jedes Detail der Geschichte der Festung. Sie liefert jedoch erstmals naturwissenschaftliche Daten, die die Verbindung zwischen Feldioara und dem Deutschen Orden stützen.

Eine strategisch wichtige Anlage

Die Bedeutung der Festung dürfte weit über eine einfache Grenzbefestigung hinausgegangen sein. Archäologische Untersuchungen zeigen, dass die Anlage aus mehreren Bereichen bestand. Neben dem befestigten Kern existierten eine Siedlung und eine Kirche. Die Festung verfügte über massive Mauern, mehrere Türme und eine komplexe Verteidigungsstruktur.

Gleichzeitig machten spätere Ausgrabungen deutlich, dass der Standort bereits lange vor dem Mittelalter genutzt wurde. Die Geschichte des Ortes reicht bis in die Jungsteinzeit zurück. Der Deutsche Orden errichtete seine Befestigungen also nicht auf unberührtem Gelände, sondern nutzte einen Platz, der schon seit Jahrtausenden besiedelt war.

Neue Perspektiven für die Forschung

Für die Mittelalterarchäologie sind die Ergebnisse vor allem deshalb interessant, weil sie eine deutlich präzisere Chronologie ermöglichen. Forschende können nun genauer untersuchen, welche Bauteile tatsächlich auf die kurze Herrschaftszeit des Deutschen Ordens zurückgehen und welche erst später entstanden.

Die neue Studie beantwortet daher nicht alle Fragen rund um Feldioara. Sie schafft aber eine deutlich solidere Grundlage für die weitere Forschung.

Nach vielen Jahrzehnten archäologischer Arbeit liegt erstmals ein naturwissenschaftlicher Hinweis vor, der die Verbindung zwischen der Festung und dem Deutschen Orden zeitlich untermauert. Aus einer historischen Vermutung wird damit eine deutlich belastbarere Hypothese.Hier geht es zur Originalpublikation



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