Anzeige

Gravitationswellen: was macht KI mit Einsteins Erbe?

15. April 2025

Schwarzes Loch
Schwarze Löcher – hier gezeichnet von einer generativen KI – verursachen Gravitationswellen, wenn sie miteinander kollidieren. Sie sind schwer zu messen, mit KI soll es besser gehen. Foto: PantherMedia /
TIAM SEONG YEW
Gravitationswellen sind kaum messbar, eröffnen aber tiefe Einblicke in kosmische Ereignisse. KI kann bei der Entdeckung helfen.
Anzeige
Anzeige


Kollisionen von Schwarzen Löchern oder Supernova-Explosionen schleudern winzige Erschütterungen durch die Raumzeit. Diese Gravitationswellen sind kaum messbar, eröffnen aber tiefe Einblicke in kosmische Ereignisse. Albert Einstein hat sie in der Allgemeinen Relativitätstheorie vorhergesagt, der erste Nachweis glückte jedoch erst im Jahr 2016. Seitdem sind sie ein wichtiges Werkzeug für die moderne Astrophysik.

Doch um diese Wellen aufzuspüren, braucht es extrem empfindliche Detektoren. Ihre Entwicklung ist technisch höchst anspruchsvoll. Klassische Ansätze stoßen dabei an Grenzen. Nun zeigt sich: Künstliche Intelligenz kann hier neue Wege aufzeigen – und schlägt in manchen Fällen sogar menschliche Kreativität.

Anzeige
Anzeige

Inhaltsverzeichnis

Der Mensch entwirft, die Maschine übertrifft

Am Max-Planck-Institut für die Physik des Lichts (MPL) arbeiten Forschende an der Frage, ob Maschinen bessere Lösungen finden als Menschen. Konkret geht es um Detektoren, die auf Interferometrie basieren. Dieses Messverfahren nutzt die Überlagerung von Lichtwellen, um minimale Veränderungen in der Raumzeit sichtbar zu machen.

Dr. Mario Krenn, Leiter des ›Labors für künstliche Wissenschaftler‹ am MPL, hat gemeinsam mit Kolleg*innen vom LIGO-Projekt – bekannt für den ersten Nachweis von Gravitationswellen – eine künstliche Intelligenz entwickelt. Sie trägt den Namen ›Urania‹ und soll neuartige Detektordesigns generieren.

„Nach etwa zwei Jahren der Entwicklung und Anwendung unserer KI-Algorithmen haben wir Dutzende neuer Lösungen entdeckt, die besser zu sein scheinen als experimentelle Entwürfe von menschlichen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern. Wir stellten uns die Frage, was der Mensch im Vergleich zur Maschine übersehen hatte“, erklärt Krenn.

Anzeige
Anzeige
Illustration des ersten Gravitationswellenereignisses, das von LIGO beobachtet wurde. Die erfassten Wellenformen von LIGO Hanford (orange) und LIGO Livingston (blau) sind unter den Abbildungen der verschmelzenden schwarzen Löcher überlagert.

Wie lassen sich Gravitationswellen messen?

Gravitationswellen werden mithilfe hochsensibler Instrumente nachgewiesen, die minimale Veränderungen in der Raumzeit erfassen können. Die gängigste Methode basiert auf der Laserinterferometrie. Ein typischer Gravitationswellendetektor, wie das bereits erwähnte Laser Interferometer Gravitational-Wave Observatory (LIGO), besteht aus zwei langen, rechtwinklig zueinander angeordneten Armen.

Und so erfolgt die Messung: Ein Laserstrahl wird aufgeteilt und in beide Arme geschickt. Am Ende jedes Arms wird der Strahl reflektiert und kehrt zurück zum Ausgangspunkt, wo die beiden Strahlen überlagert werden. Eine durchlaufende Gravitationswelle verändert minimal die Länge der Arme, was zu einer Verschiebung des Interferenzmusters führt. Diese Verschiebung kann gemessen und analysiert werden, um Informationen über die Gravitationswelle zu erhalten.

Anzeige
Anzeige

Die Veränderungen, die Gravitationswellen verursachen, sind extrem klein – oft im Bereich von 10⁻²¹ Metern. Um solche winzigen Effekte zu messen, müssen Detektoren äußerst empfindlich sein und vor Störungen wie seismischen Aktivitäten, thermischen Schwankungen und anderen Umweltfaktoren geschützt werden. Techniken wie Vakuumröhren, seismische Isolierung und hochpräzise Lasersysteme sind daher essenziell für den erfolgreichen Nachweis von Gravitationswellen.

Künstliche Intelligenz entdeckt neue Ideen – und alte

Urania arbeitet nicht wie ein klassischer Simulationsalgorithmus. Die KI durchforstet einen riesigen Raum möglicher Detektorarchitekturen, prüft deren Leistungsfähigkeit und verfeinert ihre Vorschläge durch maschinelles Lernen.

Interessant: Viele ihrer Lösungen enthalten Elemente, die bereits bekannt sind – aber in völlig neuen Kombinationen. Andere Vorschläge wirken unkonventionell, sogar kontraintuitiv. Manche Designs könnten das heutige Verständnis von Gravitationswellendetektoren grundlegend verändern.

Die Forschenden haben ihre Aufgabe als ein sogenanntes kontinuierliches Optimierungsproblem formuliert. Das bedeutet: Die KI verbessert schrittweise Parameter und Strukturen, um am Ende möglichst leistungsfähige Designs vorzuschlagen.

Gravitationswellen

Definition: Gravitationswellen sind Wellen in der Raumzeit, die durch beschleunigte Massen erzeugt werden. Sie wurden 1916 von Albert Einstein im Rahmen seiner Allgemeinen Relativitätstheorie vorhergesagt.

Eigenschaften:

  • Breiten sich mit Lichtgeschwindigkeit aus.
  • Verursachen minimale Stauchungen und Dehnungen im Raum.
  • Extrem schwache Effekte, daher schwer nachweisbar.

Quellen:

  • Verschmelzende Schwarze Löcher.
  • Kollisionen von Neutronensternen.
  • Supernova-Explosionen.
  • Rotierende asymmetrische Neutronensterne (Pulsare).

Nachweis:

  • Erstmals direkt nachgewiesen am 14. September 2015 durch LIGO.
  • Verwendete Technik: Laserinterferometrie.
  • Weitere Detektoren: Virgo (Europa), KAGRA (Japan), GEO600 (Deutschland).

Wissenschaftliche Bedeutung: Gravitationswellen eröffnen eine neue Möglichkeit, das Universum zu beobachten, insbesondere Ereignisse, die mit elektromagnetischen Teleskopen nicht sichtbar sind.

Weiterführende Informationen:Wikipedia: Gravitationswelle

 

Der „Detektor-Zoo“ – 50 Entwürfe für die Zukunft

Um die Ergebnisse zugänglich zu machen, haben die Beteiligten die 50 leistungsfähigsten Entwürfe in einem öffentlich einsehbaren Archiv gesammelt. Sie nennen es ›Detektor-Zoo‹. Hier können andere Forschende die Ideen analysieren, testen und weiterentwickeln.

Die Designs könnten die Empfindlichkeit künftiger Gravitationswellenobservatorien deutlich steigern – laut Studie sogar um mehr als den Faktor zehn. Damit würden Ereignisse erkennbar, die bislang völlig unentdeckt bleiben.

Vom Werkzeug zur Mitdenkerin

Die Arbeit zeigt: Künstliche Intelligenz kann nicht nur menschliche Arbeit ergänzen, sondern eigenständig neue Wege in der Wissenschaft eröffnen. Urania ist nicht darauf programmiert, bekannte Methoden zu imitieren. Stattdessen denkt sie „anders“ – und inspiriert dadurch auch die Forschenden selbst.

Krenn betont: „Wir befinden uns in einer Ära, in der Maschinen neue Lösungen in der Wissenschaft entdecken können, die besser sind als die von Menschen erdachten, und die Aufgabe des Menschen besteht darin, zu verstehen, was die Maschine getan hat. Dies wird sicherlich ein sehr wichtiger Teil der Zukunft der Wissenschaft werden.“

Hier geht es zur Originalpublikation



Anzeige
Anzeige

Top Stellenanzeigen

CAD-Konstrukteur (m/w/d)
Boyd Weiler GmbH & Co. KG

13.09.2026
Weiler-Simmerberg
Senior Ingenieur Systemintegration und KI-basierte Performancebewertung (w/m/d)
TransnetBW GmbH

13.09.2026
Stuttgart
Ingenieur Systemführung Operative Betriebsplanung (w/m/d)
TransnetBW GmbH

13.09.2026
Stuttgart
Bauprojektleiter (m/w/d)
Allbau Managementgesellschaft mbH

13.09.2026
Essen
Ingenieur* im Anforderungsmanagement
DFS Deutsche Flugsicherung GmbH

13.09.2026
Langen
Bauingenieur / Bautechniker Kommunaler Tiefbau (m/w/d)
WipflerPLAN Planungsgesellschaft

13.09.2026
Donauwörth, Nördlingen, Pfaffenhofen an der Ilm, Lauf an der Pegnitz
Information Security Manager (all genders)
VINCORION Advanced Systems GmbH

13.09.2026
Wedel
Professur „Wirtschaftsinformatik und Datenbanken mit dem Schwerpunkt IT-Venture-Design, Digital Enterprise und innovativer Lehre in Makerspace-Settings (W2)“
Hochschule Düsseldorf University of Applied Sciences

13.09.2026
Düsseldorf
Senior-Ingenieur Auftragsengineering (m/w/d)
Mehrer Compression GmbH

13.09.2026
Balingen
BIM-Manager (w/m/d) Außenstelle Hamm
Die Autobahn GmbH des Bundes

13.09.2026
Hamm, Münster
BIM-Manager (w/m/d) Außenstelle Dillenburg
Die Autobahn GmbH des Bundes

13.09.2026
Dillenburg
BIM-Manager (w/m/d) Niederlassung Westfalen
Die Autobahn GmbH des Bundes

13.09.2026
Hamm, Münster, Gelsenkirchen
BIM-Manager (w/m/d) Außenstelle Netphen
Die Autobahn GmbH des Bundes

13.09.2026
Netphen
BIM-Manager (w/m/d) Außenstelle Bochum
Die Autobahn GmbH des Bundes

13.09.2026
Bochum
BIM-Manager (w/m/d) Außenstelle Osnabrück
Die Autobahn GmbH des Bundes

13.09.2026
Osnabrück
BIM-Manager (w/m/d) Außenstelle Hagen
Die Autobahn GmbH des Bundes

13.09.2026
Hagen
Bauleiter (m/w/d) im Bereich schlüsselfertigen Wohnungsbau
SCHEIDL

13.09.2026
Moosburg/Landshut
Projektingenieur Fachplanung Versorgungstechnik (m/w/d)
INGENIEURBÜRO ZAMMIT GmbH

13.09.2026
Achim, Celle, Salzgitter, Wolfsburg
Meister (m/w/d) für die mechanische Fertigung
Montanhydraulik GmbH

13.09.2026
Gelsenkirchen
Bauingenieur (w/m/d)
Die Autobahn GmbH des Bundes

13.09.2026
Bayreuth

Weitere Artikel



Anzeige
Anzeige