Werkzeugindustrie warnt vor Rohstoffengpässen bei Wolfram und Diamanten
Braut sich auf dem Werkzeugmarkt gerade ein perfekter Sturm zusammen? Diese Sorge vermittelte Markus Heseding, Geschäftsführer des VDMA-Fachverbands Präzisionswerkzeuge während der AMB-Preview. Auslösende Faktoren seien (drohende) Engpässe bei Wolfram und synthetischen Diamanten.
Wolfram: Begehrt bei Herstellern von Präzisionswerkzeugen und Rüstungsfirmen.
Foto: smarterpix / sanches812
Hintergrund zum Thema Wolfram: Im Februar 2025 hat das Riesenreich China, das einen Weltmarktanteil von rund 80 % besitzt, Exportkontrollen eingeführt. Aktuell gilt: Wer das begehrte Material ausführen will, muss auf einer Whitelist (unter Pekings Gnaden) stehen. Bisher schafften das nur 15 Firmen. Und diese müssen vor jedem Deal ein extrem aufwendiges Antragsverfahren durchlaufen. Doch das ist nicht alles: Alle Käufer müssen ihrerseits nachweisen, dass kein Gramm der Ware jemals für militärische Zwecke genutzt wird.
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Ergebnis dieser Politik: Der Preis für eine Metric Ton Unit (10 kg) Ammoniumparawolframat (APT) stieg von knapp 300 $ auf über 3.000 $. (APT ist das wichtigste chemische Zwischenprodukt bei der Gewinnung von reinem Wolfram aus seinem Erz).
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Aktuell steigt paradoxerweise aber nicht nur der Preis, sondern auch die Nachfrage. Denn neben der Werkzeugbranche ist auch die boomende Rüstungsindustrie auf das extrem harte Metall angewiesen. Kurzum: Es zeichnet sich gerade ein sich selbst verschärfender Teufelskreis ab…

Preis für Wolfram könnte weiter steigen
Zusätzlich kann Peking den Minenbetreibern inzwischen diktieren, wieviel Wolframerz sie abbauen dürfen. Heseding zu diesen ordnungspolitischen Möglichkeiten: „Wenn das mal richtig scharf geschaltet wird, kann man sich überlegen, wo man jetzt investieren sollte.“ Sein dringender Appell: „Wir müssen die bereits beachtlich hohe Recyclingquote von 60 % weiter erhöhen.“ Gleichwohl räumt er ein: „Auch eine 100%-Quote wird uns nicht retten. Sie könnte lediglich die Schmerzen etwas lindern und Abhängigkeiten reduzieren.“
Diamanten-Engpass würde viele Industrien betreffen
Zum Thema Diamanten erklärt der Fachverbands-Geschäftsführer: „Die synthetische Variante des Edelsteins benötigen wir etwa für Schleifscheiben.“ China habe hier aktuell einen Weltmarktanteil von immerhin 70 %. „Schon im vergangenen November hat die Regierung auch hier eine Exportkontrolle erwogen – sie aber letztlich um ein Jahr verschoben. Aktuell gehen wir davon aus, dass das Vorhaben ab dem kommenden November greift.“ Dann würden auch auch hier die Preise explodieren. Heißt: Engpass voraus.
„Ohne Schleifscheiben können wir unsere Werkzeuge aber nicht schleifen.“ Das sei selbstverständlich schlecht für die metallverarbeitende Industrie. „Es könnten aber auch keine Wafer mehr geschliffen werden.“ Und ohne Wafer könne es keine Microchips mehr geben – was den Kreis der betroffenen Industrien deutlich ausweiten würde.




