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ZVEI-Auszeichnung 28.04.2026, 11:30 Uhr

Electrifying Ideas Award: Diese drei Innovationen könnten die Industrie verändern

Ein MRT fast ohne Helium, Flüssigkühlung für KI-Rechenzentren und ein Vakuumgreifer ohne Druckluft: Der ZVEI hat drei Innovationen für den Electrifying Ideas Award 2026 nominiert. Der Gewinner wird am 20. Mai in Berlin ausgezeichnet.

akuum-Greifer der Nititec Vacuum Gripper GmbH

Benötigt keine Druckluftleitung: Ein Vakuum-Greifer der Nititec Vacuum Gripper GmbH. Die Technik wurde am ZeMA - Zentrum für Mechatronik und Automatisierungstechnik gGmbH in Saarbrücken entwickelt. Sie basiert auf elektrisch aktivierten Formgedächtnisdrähten.

Foto: Roger Kautz / Nititec

Eine unabhängige Jury hochkarätiger Expertinnen und Experten aus Wirtschaft, Forschung und Gesellschaft hat unter den zahlreichen Einreichungen drei Unternehmen für den Electrifying Ideas Award 2026 nominiert. Ideen von Philips, Rittal und Zema – Zentrum für Mechatronik und Automatisierungstechnik konnten die Jury überzeugen.

Der Gewinner wird im Rahmen des „eSummit“ am 20. Mai 2026 in Berlin ausgezeichnet. Verliehen wird der Preis von Dorothee Bär, Bundesministerin für Forschung, Technologie und Raumfahrt.

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Was hinter dem Award steckt

Mit dem Electrifying Ideas Award zeichnet der Fachverband ZVEI Innovationen aus, die Energie effizient einsetzen, Ressourcen schonen und zugleich wirtschaftlich wie gesellschaftlich wirken. „Die Anzahl und die Qualität der eingereichten Ideen haben uns auch in diesem Jahr beeindruckt“, sagt ZVEI-Präsident Dr.  Gunther Kegel.

„So unterschiedlich die nominierten Projekte sind, eint sie ein gemeinsamer Anspruch: Sie zeigen, wie sich Energie intelligenter nutzen und Materialeinsatz wirksam reduzieren lässt. Genau solche Lösungen braucht der Industriestandort Deutschland – angesichts knapper Rohstoffe, steigender Energiekosten und geopolitischer Unsicherheiten, die Lieferketten zunehmend unter Druck setzen.“

1. MRT mit weniger Helium

Philips GmbH, Hamburg: Mit der BlueSeal-Technologie reduziert Philips den Einsatz des knappen Rohstoffs Helium in der Magnetresonanztomographie um über 99,5  %. Statt bis zu 1500 l benötigen die versiegelten Magnete lediglich 7 l Helium – vollständig geschlossen und ohne Nachfüllbedarf über die gesamte Lebensdauer.

Das senkt den Ressourcenverbrauch, reduziert Abhängigkeiten von kritischen Lieferketten und verringert Installations- sowie Betriebskosten. Weltweit wurden bereits über 2000 Systeme installiert. Ergänzend ermöglichen technologische Weiterentwicklungen Energieeinsparungen von bis zu 30 %. Mit dem 2025 vorgestellten BlueSeal Horizon überträgt Philips das Prinzip erstmals auf den leistungsstarken 3-Tesla-Bereich.

2. Klimafreundliche KI-Infrastruktur

Rittal GmbH & Co. KG, Herborn: Mit Direct Liquid Cooling entwickelt Rittal eine Schlüsseltechnologie für den energieeffizienten Betrieb KI-fähiger Rechenzentren. Gemeinsam mit dem GSI Helmholtzzentrum und dem Start-up etalytics wurde ein praxistaugliches Flüssigkühlsystem mit über 1 MW Kühlleistung realisiert.

Die direkte Chipkühlung überwindet die physikalischen Grenzen herkömmlicher Luftkühlung und ermöglicht den skalierbaren Einsatz von Hochleistungs-GPUs. KI-basierte Regelalgorithmen und Digitale Zwillinge optimieren den Energieverbrauch in Echtzeit und senken den CO₂-Footprint deutlich. Das Projekt liefert ein erprobtes Serienkonzept und eine übertragbare Best Practice für klimafreundliche KI-Infrastruktur „Made in Europe“.

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3. Energieeffizient und geräuschlos greifen

Zema – Zentrum für Mechatronik und Automatisierungstechnik gGmbH, Saarbrücken: Zema hat eine voll elektrische Greiftechnologie entwickelt, die industrielle Druckluftsysteme ersetzt. Herzstück sind elektrisch aktivierte Formgedächtnisdrähte, die Greif- und Handhabungsprozesse energieeffizient und geräuschlos ermöglichen. Die Technologie benötigt Energie nur beim Greifen und Ablegen – nicht beim Halten – und erzielt so Energieeinsparungen von bis zu 95  % sowie Gewichtsvorteile von bis zu 70  %.

Validierungen mit Volkswagen führten zur Ausgründung der nititec vacuum gripper GmbH, die den Serienstart für Ende 2026 plant. Das Unternehmen aktiviert die sogenannten Shape-Memory-Alloy-Aktoren (SMA) elektrisch. Diese verändern dabei ihre Länge. Diese Bewegung wird genutzt, um im Greifer Vakuum zu erzeugen. Die Lösung ermöglicht neue, druckluftfreie Produktionskonzepte und zeigt den erfolgreichen Transfer von Forschung in industrielle Anwendung.