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DVGW-Befragung 25.08.2026, 17:30 Uhr

Ist Trinkwasser trotz Klimawandel noch sicher?

Der Branchenverband DVGW hat 227 Wasserversorger zu ihrer Klimaresilienz befragt. Die Gegenwart halten sie für beherrschbar – beim Blick nach vorn wird es dünner: steigende Spitzenbedarfe, Fachkräftemangel und langsame Genehmigungen.

Brunnen, aus dem die Stadtwerke Düsseldorf Rheinuferfiltrat beziehen.

Eine auch künftig sichere Trinkwasserquelle: ein Brunnen, aus dem die Stadtwerke Düsseldorf Rheinuferfiltrat beziehen.

Foto: Stadtwerke Düsseldorf

Wie sicher ist die Trinkwasser-Versorgung in Deutschland angesichts immer längerer Trocken- und Dürrezeiten? Die Wasserversorger haben nun einen umfassenden Einblick gegeben.

Keine Frage: Treten längere Trocken- und Dürrezeiten häufiger auf, könnte dies die Trinkwasserversorgung gefährden. Doch bislang blieb die Trinkwasserversorgung in Deutschland trotz Klimawandel mit weniger Niederschlägen stabil. Die Wasserversorger haben in diesem Jahr den Stresstest bestanden.

Doch wie sieht es in der Zukunft aus? Wie gut sind Wasserversorger, ob klein oder groß, auf den Klimawandel eingestellt? Um dies herauszufinden, hat der Deutsche Verein des Gas- und Wasserfaches (DVGW) im Mai und Juni Führungskräfte von 227 Wasserversorgern online befragt.

Das Ergebnis hat der DVGW im „Klimaresilienz-Index Wasser 2026“ zusammengefasst und veröffentlicht. Das Wichtigste: „Die Trinkwasserversorgung ist auch künftig sicher“, meint Dr. Wolf Merkel, Vorstand Wasser im DVGW. Wasserversorger bewältigten aktuelle Belastungen zuverlässig, sehen aber fortgesetzt hohen Anpassungsdruck. Viele Wasserversorger hätten auch betont, Wasserressourcen seien besser zu schützen – etwa vor Einträgen von Nitraten, Pestiziden oder PFAS.

Dr. Verena Svensson, Leiterin Wasserversorgung der Stadtwerke Düsseldorf, wurde bei der Vorstellung des Klimaresilienz-Index Wasser konkret. Sie verwies darauf, dass Spitzenlasten zunehmen werden und sich darauf die Wasserinfrastruktur einstellen müsse. Sie nannte ein Beispiel aus Düsseldorf: Der heiße 26. Juni 2019 war bislang jener Tag, an dem mit 209 Mio. l in der Stadt am meisten Trinkwasser benötigt wurde. Doch Prognosen würden darauf hinweisen, dass durchaus schon in zehn Jahren an mehreren Tagen 220 Mio. l Trinkwasser benötigt würden.

Klimawandelresilienz: Vergleich 2025 – 2026

Der DVGW hat seinen Klimaresilienz-Index Wasser zum zweiten Mal ermittelt. Das erste Mal ist im Oktober 2025 gewesen. Beide Indizes ähneln sich im Ergebnis. Mit 48 von 100 Punkten liegt er in diesem Jahr leicht unter dem Vorjahreswert von 49 Punkten. Mit anderen Worten: Knapp die Hälfte der Wasserversorger fühlt sich zurzeit gut auf den Klimawandel vorbereitet.

Der Klimaresilienz-Index Wasser der Jahre 2025 und 2026 im Vergleich: Grafik: DGVW
Der Klimaresilienz-Index Wasser der Jahre 2025 und 2026 im Vergleich: Grafik: DVGW

Die DVGW ermittelt den Gesamtindex aus fünf einzelnen Indizes. Zwei davon – der für Robustheit und der für den Anpassungsgrad – stehen für den Ist-Zustand. Einer – der für Zukunftsperspektive – für den Blick nach vorne. Und die beiden anderen Indizes – die für Handlungsfähigkeit und den rechtlichen Rahmen – für die Möglichkeit, die Zukunft auf vernünftigem Weg zu erreichen.

Trinkwasserversorgung gegenwärtig gut beherrschbar

Die Befragung zeigt, dass viele Wasserversorger die Gegenwart gut beherrschbar sehen. Es gibt etwa ausreichend Ressourcen für Spitzenlastzeiten und eine bedarfsgerechte Anpassung ist finanzierbar. Der Blick nach vorne ist getrübter. Unternehmen berichten von steigenden Spitzenwasserbedarfen und einer höheren Beanspruchung der Systemressourcen. Auch beim Wassermengen- und Engpass-Management kann es in Zukunft schwieriger werden, befürchten einige Versorger. Besonders größere Versorger sehen sich bei dem Erhalt und der Anpassung ihrer Infrastruktur unter Druck. Als größtes strukturelles Risiko wird der Fachkräftemangel eingestuft.

Handlungsbedarf sehen Unternehmen auch bei der Umsetzung von Investitionen. Sie bezeichnen langwierige Genehmigungs- und Beteiligungsverfahren als größte Hemmnisse für die Anpassung der Infrastruktur. „Klimaanpassung in der Wasserversorgung braucht mehr Tempo“, meint daher Wolf Merkel: „Wer zusätzliche Wassergewinnungskapazitäten, Speicher, Verbundsysteme oder Aufbereitungsanlagen schaffen will, benötigt verlässliche und vor allem schnellere Genehmigungsprozesse mit deutlich weniger Bürokratie.“

Trinkwasserversorgung: Blick nach vorne

In den Antworten nennen die Unternehmen insbesondere den möglichen Rückgang des natürlichen Wasserdargebots, den Ausbau der Infrastruktur, steigende Spitzenbedarfe, Finanzierungsfragen sowie bürokratische Hürden als zentrale Herausforderungen, die neben einer stärkeren Vernetzung regionaler Versorgungssysteme zu meistern sind.

Für Wolf Merkel zeigt sich die öffentliche Wasserversorgung heute leistungsfähig und resilient. Der Klimaresilienz-Index 2026 zeige für ihn aber auch, dass heute die Voraussetzungen zu schaffen sind, um die Versorgungssicherheit unter künftig verschärften Klimabedingungen dauerhaft gewährleisten zu können. Er appelliert daher: „Mehr Investitionen müssen getätigt, Trinkwasserressourcen besser geschützt, Fachkräfte gesichert und regulatorische Hemmnisse konsequent abgebaut werden.“

Klimaanpassung ist eine Gemeinschaftsaufgabe von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft mit höchster Priorität. Und zwar eine über eine lange Zeit, betont Verena Svensson: „Die Wasserversorgung klimaresilient aufzustellen, ist eine Daueraufgabe und keine Modeerscheinung.“

Von rahrens@vdi-fachmedien.de

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