Deutsche Industrial-IoT-Studie 14.06.2022, 13:55 Uhr

Wenige Vorreiter, viele Nachzügler bei IIoT

Industrial IoT schöpft in Deutschland die Potenziale in Fertigung und Produktion nicht aus. Nur 20 Prozent der Industrieunternehmen setzen konkrete Projekte um. Für 61 Prozent der Unternehmen ist IIoT essenziell für den Erfolg industrieller Nachhaltigkeitsinitiativen. Die Vorteile von IIoT liegen auf der Hand. Sie ermöglicht nie dagewesene Transparenz und damit agilere Unternehmensprozesse.

Digitaler Zwilling eines Fabrikgeländes am Stand der Fraunhofer Institute. Die Umsetzung in die Praxis hinkt der Forschung noch hinterher. Foto: A.Hilse

Digitaler Zwilling eines Fabrikgeländes am Stand der Fraunhofer Institute. Die Umsetzung in die Praxis hinkt der Forschung noch hinterher.

Foto: A.Hilse

Zur Hannover Messe wurde klar: Für das Industrial Internet of Things (IIoT) gibt es in Deutschland nur wenige Vorreiter und viele Nachzügler. Erst 10 Prozent der Industrieunternehmen führen umfassende IIoT-Projekte durch, weitere 10 Prozent in begrenztem Ausmaß. Die meisten Firmen sind derzeit noch mit Recherche (20 %), Evaluierung (30 %), Planung (20 %) und Pilotprojekten (9 %) beschäftigt. Das zeigt die aktuelle Studie „Industrial IoT in Deutschland 2022“ von IDC im Vorfeld der Hannover Messe, u. a. gesponsort von Cisco.

Deutsche Unternehmen können nicht schnell genug auf Probleme in der Lieferkette reagieren

 Demnach bleibt die IIoT-Nutzung in der deutschen Industrie seit rund zwei Jahren auf niedrigem Niveau. Dadurch verpassen viele Unternehmen die Chance, besser auf Probleme in Liefer- und Wertschöpfungsketten reagieren zu können. Dabei wäre der Bedarf für die Industrie in Deutschland enorm: von steigenden Energie- und hohen Frachtkosten über gestörte Lieferketten bis hin zu einem Krieg mitten in Europa. Gerade in so volatilen Zeiten wie diesen sind verlässliche Informationen und flexible Unternehmensprozesse notwendig. Genau dies ermöglicht IIoT.

Fünf Empfehlungen für die Überwindung der Herausforderungen für IIoT

 IIoT ist die Grundlage für eine agile Produktion, die auf interne und externe Störfaktoren in kürzester Zeit reagieren kann. So können Unternehmen bei unvorhersehbaren Entwicklungen ihre Prozesse nachjustieren oder ihre Fertigung schnell auf neue Produkte umstellen. Zudem lassen sich Ressourcen gezielter einsetzen, um nachhaltiger zu produzieren und Ausschuss zu vermeiden.

 Trotz dieser Vorteile setzt sich IIoT in Deutschland nur langsam durch. Das liegt z. T. an der von Krisen geprägten wirtschaftlichen Lage der letzten Jahre. So sind betriebswirtschaftliche Kennzahlen wie Gewinn und Kosten (40%), Produktivität (38%) und Kundenbindung (29%) für das Business in den Fokus gerückt. Die Gründe für die geringe IIoT-Adaption liegen jedoch weniger am mangelnden Willen oder Interesse, sondern viel mehr in den Herausforderungen bei der Umsetzung selbst. Skepsis, fehlendes Know-how und veraltete Technologien stehen dabei im Vordergrund. Im folgenden werden fünf Empfehlungen für die Überwindung der Herausforderungen für IIoT genannt.

1. Ganzheitliche Daten- und Analytics-Strategie entwickeln

 Nur gut jedes zehnte (13 %) deutsche Industrieunternehmen hat bereits eine ganzheitliche Daten- und Analytics-Strategie zur Integration sämtlicher IIoT-Projekte erstellt. Bei 58 % werden die Daten- und Analyseziele auf eine kurzfristige Business-Strategie abgestimmt. Knapp ein Viertel (23 %) konzentriert sich auf isolierte Projekte. Eine umfassende Strategie ist jedoch absolut zentral für den Erfolg der digitalen Transformation in der Industrie.

2. IT/OT-Integration auf allen Ebenen forcieren

 IIoT reicht vom Sensor am oder im industriellen Gerät bis in die zentralen Rechenzentren und Cloud-Umgebungen der IT. Daher müssen die IT- und OT-Teams zusammenarbeiten, um die Umsetzung von IIoT-Anwendungen in der geforderten Qualität sicherzustellen. Doch aktuell sind in 28 % der deutschen Industrieunternehmen die Teams für IT und OT noch immer komplett getrennt. Immerhin soll dieser Anteil innerhalb von zwölf Monaten auf 5 % sinken und der Anteil der Firmen mit enger Zusammenarbeit zwischen OT und IT von 17 auf 33 % steigen. 

3. Verantwortungen für Cybersecurity festlegen

 Zentral bei der IT/OT-Integration ist Cybersecurity. Die häufigste Sorge bildet hier für 28 % der Befragten die mangelnde Kommunikation zwischen IT und OT über gemeinsame Gefahren. Entsprechend wird der Anteil der Unternehmen, bei denen IT und OT gemeinsam Verantwortung für die Cybersecurity tragen, von derzeit 12 auf 29 % in zwölf Monaten steigen. Richtig umgesetzt, kann IIoT ein deutlicher Gewinn für die OT-Sicherheit sein: Sie erhöht die Transparenz und entdeckt unbefugte Zugriffe. 

4. Ziele definieren, Erfolge messen, Entscheidungsregeln etablieren

 Von den Unternehmen, die mindestens IIoT-Pilotprojekte umsetzen, misst derzeit nur ein Drittel Erfolgsmetriken. Weitere 22 % von ihnen evaluieren immerhin erste Kennzahlen und deren Eignung. Bei der Erfolgsmessung und Projektbesteuerung besteht deutliches Nachholpotenzial, damit wertvolle IIoT-Budgets nicht versanden. 

5. Synergien durch Kombination von IIoT und Nachhaltigkeit realisieren

 Durch Nachhaltigkeit profitieren Unternehmen nicht nur von einem besseren Ruf und weniger Risiken, sondern auch von unmittelbaren Einsparungen. So sehen zwei Drittel (67 %) der Befragten in der Reduzierung von Abfall, Rohstoffen, Energie und CO2 ein Win-Win-Szenario. Fast ebenso viele (65 %) glauben, dass Nachhaltigkeit Innovationen fördert. Hinzu kommt, dass für 55 % Nachhaltigkeit auch schon kurzfristig positive Auswirkungen auf die eigenen Geschäfte hat. Dabei ist laut 61 % IIoT essenziell für den Erfolg industrieller Nachhaltigkeitsinitiativen.

 Studie zeigt: IIoT kann in Krisen Wettbewerb erleichtern

Die Studie zeigt, dass es in der deutschen Industrie einige IIoT-Vorreiter mit strategischer Adaption und zahlreiche Nachzügler mit isolierten Initiativen gibt. Natürlich hat die Pandemie vieles gebremst, doch IIoT kann gerade in Krisen eine solide Datengrundlage für effiziente und flexible Lösungen bieten. Die vorhandene Basis für IIoT muss jetzt ausgebaut, professionalisiert und mit ganzheitlicher Digitalisierung begleitet werden. Nur dann kann die deutsche Industrie im weltweiten Wettbewerb weiterhin erfolgreich sein.

 Es wurde mit folgender Methodik vorgegangen: Anhand eines strukturierten Fragebogens wurden IT- und Fachverantwortliche aus 250 deutschen Unternehmen der Prozessindustrie, der diskreten Fertigung, dem Handel, aus Transport, Verkehr und Logistik sowie der Wasser- und Energieversorgung und Abfallentsorgung mit mehr als 100 Mitarbeitern befragt, die Entscheidungen hinsichtlich IIoT im eigenen Unternehmen treffen, beeinflussen oder IIoT-Lösungen nutzen.

Von www.cisco.com/ Annika Hilse

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