Heizungstausch: Welche Rolle spielt der Heizkreislauf?
Wer seine alte Heizung gegen eine Wärmepumpe austauscht, sollte nicht nur auf das neue Gerät schauen. Auch der bestehende Heizkreislauf kann über einen störungsfreien Betrieb entscheiden.
Wichtig für einen effizienten Heizbetrieb ist neben dem Wärmeerzeuger auch der Zustand des Heizkreislauf.
Foto: Smarterpix / Olegkalina
Der deutsche Heizungsmarkt hat im ersten Halbjahr 2026 wieder zugelegt. Das Thema Heizungstausch ist beim Verbraucher also trotz langer Zeit unklarer Fördersituation und schier endlos erscheinender Debatten über das Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) weiterhin präsent. Er sich mit der Anschaffung einer Wärmepumpe beschäftigt, sollte allerdings nicht nur die Gerätedaten im Blick haben. Maßgeblich für einen optimierten Betrieb ist auch ein funktionierender Heizkreislauf.
Inhaltsverzeichnis
- Über 40 % der deutschen Heizungen sind veraltet
- Neue Förderung kann Heizungstausch anstoßen
- Warum der alte Heizkreislauf wichtig ist
- Heizungswasser ebenfalls prüfen
- Regelmäßig Wasser nachfüllen? Ursache klären
- Checkliste: Das sollten Eigentümer vor dem Heizungstausch klären
- Wärmepumpe allein macht noch keine gute Heizung
Über 40 % der deutschen Heizungen sind veraltet
Nach Angaben des Bundesverbands der Deutschen Heizungsindustrie (BDH) wurden von Januar bis Juni rund 352.000 Wärmeerzeuger verkauft – 19 % mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Der wichtigste Wachstumstreiber waren Wärmepumpen. Ihr Absatz stieg um 40 % auf 194.500 Geräte. Damit entfiel mehr als die Hälfte der verkauften Wärmeerzeuger auf Wärmepumpen.
Für Eigentümer könnte der Heizungstausch damit wieder stärker in den Fokus rücken. Gleichzeitig bleibt der Modernisierungsbedarf hoch: Rund vier Millionen Heizungen in Deutschland sind nach BDH-Angaben älter als 30 Jahre. Mehr als 40 % der insgesamt 21,5 Millionen Heizungen entsprechen demnach nicht dem Stand der Technik.
Neue Förderung kann Heizungstausch anstoßen
Seit dem 21. Juli 2026 gelten neue Regeln für die Förderung klimafreundlicher Heizungen. Sie könnten zusätzliche Investitionen in die Heizungsmodernisierung auslösen.
Bei der Entscheidung für eine neue Heizung spielen für Eigentümer vor allem Anschaffungskosten, Fördermöglichkeiten und die passende Technik eine Rolle. Bei einer Wärmepumpe kommt jedoch ein weiterer Punkt hinzu: Passt das vorhandene Heizsystem zur neuen Technik?
Denn häufig wird beim Heizungstausch lediglich der Wärmeerzeuger ersetzt. Rohrleitungen und Heizflächen bleiben bestehen. In einem älteren Heizkreislauf können sich allerdings über Jahre Schlamm, Korrosionsprodukte oder Partikel wie Magnetit angesammelt haben.
Warum der alte Heizkreislauf wichtig ist
Wärmepumpen benötigen einen ausreichend hohen und möglichst stabilen Volumenstrom. Luft, Ablagerungen oder ungünstige Druckverhältnisse können die Wärmeübertragung und die Strömung beeinträchtigen. Das kann beispielsweise dazu führen, dass Pumpen, Ventile oder Wärmetauscher stärker belastet werden. Auch Geräusche oder Störungen durch Luft im System sind möglich.
Vor dem Heizungstausch sollte deshalb geprüft werden, in welchem Zustand sich der bestehende Heizkreislauf befindet. Eine solche Bestandsaufnahme kann zeigen, ob eine Reinigung oder weitere Maßnahmen notwendig sind.
Heizungswasser ebenfalls prüfen
Nicht nur sichtbare Ablagerungen sind relevant. Auch optisch klares Heizungswasser kann Stoffe enthalten, die Korrosion oder Ablagerungen begünstigen. Bei der Beurteilung sollten unter anderem die verwendeten Materialien, die Vorgaben des Herstellers und die geltenden technischen Regeln berücksichtigt werden. Eine wichtige Orientierung bietet die VDI 2035, die sich mit der Vermeidung von Steinbildung und wasserseitiger Korrosion in Warmwasser-Heizungsanlagen befasst.
Regelmäßig Wasser nachfüllen? Ursache klären
Auch der Anlagendruck sollte vor dem Umbau und anschließend im Betrieb im Blick bleiben. Muss regelmäßig Wasser nachgefüllt werden, kann das beispielsweise auf eine Undichtigkeit oder ein Problem mit der Druckhaltung beziehungsweise dem Ausdehnungssystem hindeuten. Das Nachfüllen kann zudem die Wasserqualität verändern: Mit Frischwasser gelangen unter anderem Sauerstoff und gelöste Mineralien und Salze in den Heizkreislauf. Deshalb sollte nicht einfach immer wieder Wasser nachgefüllt werden. Sinnvoller ist es, zunächst die Ursache für den Druckverlust zu ermitteln.
Checkliste: Das sollten Eigentümer vor dem Heizungstausch klären
Wer die Installation einer Wärmepumpe plant, sollte mit dem Fachbetrieb insbesondere diese Fragen besprechen:
- Wie ist der Zustand des bestehenden Heizkreislaufs? Gibt es Schlamm, Korrosion oder andere Ablagerungen?
- Ist die Qualität des Heizungswassers geeignet? Muss das Wasser aufbereitet oder ausgetauscht werden?
- Gibt es Probleme mit Luft oder Gasen im System?
- Bleibt der Anlagendruck stabil? Muss regelmäßig Wasser nachgefüllt werden?
- Sind Heizflächen und Vorlauftemperaturen für den geplanten Wärmepumpenbetrieb geeignet?
- Ist ein hydraulischer Abgleich erforderlich?
Nicht jede ältere Heizungsanlage muss vor dem Einbau einer Wärmepumpe komplett saniert werden. Welche Maßnahmen sinnvoll oder technisch erforderlich sind, hängt vom jeweiligen Gebäude und Heizsystem ab.
Wärmepumpe allein macht noch keine gute Heizung
Der aktuelle Anstieg bei den Verkaufszahlen zeigt, dass die Wärmepumpe im deutschen Heizungsmarkt weiter an Bedeutung gewinnt. Gleichzeitig ist der Modernisierungsbedarf enorm. Für Eigentümer wird damit neben der Frage nach dem passenden Wärmeerzeuger eine zweite Frage entscheidend: Wie gut ist das bestehende Heizsystem auf die neue Technik vorbereitet?
Ein Heizungstausch sollte deshalb nicht bei der Auswahl des neuen Geräts enden. Wer den Zustand von Heizkreislauf, Heizflächen, Hydraulik und Anlagenwasser von Anfang an mitprüfen lässt, kann mögliche Schwachstellen früh erkennen und den Wärmepumpenbetrieb technisch besser vorbereiten.




