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Analyse in Deutschlands größten Städten 13.06.2026, 12:30 Uhr

Fernwärme: Wie verbreitet sind KWK-Anlagen?

Für eine verstärkte Nutzung von Fernwärme spielen Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen eine bedeutende Rolle. Doch wie verbreitet sind sie überhaupt?

Laut einer aktuellen Studie verfügt Stuttgart, bezogen auf die Einwohnerzahl, über die höchste KWK-Dichte unter Deutschlands 30 größten Städten. Foto: Smarterpix / Roxana

Laut einer aktuellen Studie verfügt Stuttgart, bezogen auf die Einwohnerzahl, über die höchste KWK-Dichte unter Deutschlands 30 größten Städten.

Foto: Smarterpix / Roxana

Bald endet die erste Frist: Seit dem 1. Januar 2024 sind deutschlandweit 10.753 Kommunen aufgefordert, eine kommunale Wärmeplanung zu erstellen. Städte mit mehr als 100.000 Einwohnern müssen diese bis zum 30. Juni 2026 vorgelegt haben, Gemeinden mit weniger als 100.000 Einwohnern haben noch bis zum 30. Juni 2028 Zeit. Das Ziel: Auf Basis der Planungen sollen langfristig die notwendigen personellen und technischen Kapazitäten aufgebaut werden, um bis zum Jahr 2045 eine kosteneffiziente und klimafreundliche Wärmeversorgung sicherzustellen.

Soweit die Theorie. Doch wie verbreitet ist die Fernwärmenutzung in Deutschland aktuell? Nach Angaben der Deutschen Energie Agentur (dena) werden derzeit rund zehn Prozent des bundesweiten Wärmebedarfs durch Fernwärme abgedeckt. Vor allem in Städten spiele sie eine zunehmend größere Rolle. Das Climate-Tech-Unternehmen Purpose Green hat dazu jetzt konkrete Zahlen vorgelegt.

Welche Bedeutung haben KWK-Anlagen für Fernwärmenetze?

Auf Grundlage des Marktstammdatenregisters der Bundesnetzagentur haben die Berliner den Einsatz von Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen (KWK-Anlagen) in den 30 größten deutschen Städten analysiert. KWK-Anlagen dienen als Primärquellen für viele Fernwärmenetze. Sie erzeugen gleichzeitig Strom und nutzbare Wärme und erreichen dadurch deutlich höhere Wirkungsgrade als getrennte Erzeugungssysteme. Für die Dekarbonisierung von Gebäuden kann KWK eine wichtige Rolle spielen, da sie den Brennstoffeinsatz reduziert und perspektivisch auf klimaneutrale Energieträger umgestellt werden kann.

KWK-Anlagen: Die meisten Einheiten stehen in Berlin

Ein Ergebnis der Auswertung nach Städten: Die numerisch meisten KWK-Einheiten gibt es in Berlin (1.708), gefolgt von Hamburg (999) und Stuttgart (577). Am Ende des Rankings finden sich Kiel (89), Gelsenkrichen (78) und Mannheim mit 66 Einheiten.

Da die Anlagenzahlen stark von der Größe einer Stadt abhängen, wurden die Werte zusätzlich ins Verhältnis zur Einwohnerzahl gesetzt. Hier belegt Stuttgart 
mit 9,42 Einheiten pro 10.000 Einwohner den Spitzenplatz vor Münster (8,3) und Wiesbaden (8,2). Mannheim (2,08), Duisburg (2,53) und Gelsenkirchen (2,91) verfügen über die geringste KWK-Dichte in Relation zur Einwohnerzahl.

Größte thermische Nutzleistung in der Bundeshauptstadt

Der zentrale Zweck von KWK-Anlagen liegt in der Menge der Wärme, die tatsächlich genutzt und in Fernwärmenetze eingespeist wird. Auch hier ist Berlin Spitze mit 3.993 MW thermischer Nutzleistung. Es folgen Köln (2.383 MW) und Mannheim (2.050 MW) auf den Plätzen zwei und drei. Mönchengladbach hat unter den 30 betrachteten Städten mit 10,03 MW die schlechteste Wärmeleistung.

Auch bei der elektrischen Leistung liegt Berlin vorne

Da KWK-Anlagen den eingesetzten Brennstoff gleichzeitig zur Strom- und Wärmeerzeugung nutzen, erreichen sie deutlich höhere Wirkungsgrade als andere Formen der Energieerzeugung. Dabei bezeichnet die elektrische KWK-Leistung die installierte elektrische Nennleistung der Anlagen, also ihre maximale Stromerzeugungskapazität.

Nach der Erhebung von Purpose Green führt Berlin auch hier das Ranking an: Die dort installierten KWK-Einheiten verfügen über eine elektrische Leistung von 2.305 MW. Es folgen Köln mit 1.211 MW und Nürnberg mit 1.067 MW. Mönchengladbach weist mit 8 MW die geringste elektrische KWK-Leistung auf. Bei der Betrachtung pro Kopf liegt Mannheim mit 26 MW je 10.000 Einwohner vor Nürnberg (20 MW) und Duisburg (18 MW). Schlusslicht ist erneut Mönchengladbach mit 0,31 MW je 10.000 Einwohner.

Fossile Energieträger domineren bei KWK-Anlagen

Die Analyse zeigt auch, dass der Betrieb der KWK-Anlagen in Deutschland derzeit überwiegend auf fossilen Energieträgern wie Erdgas, Kohle und Öl basiert. Daneben gibt es aber bereits auch KWK-Anlagen, die nicht-fossile Brennstoffe wie Biomasse, Klärschlamm oder Geothermie nutzen. Ihr Anteil ist jedoch deutlich kleiner als der fossil dominierte Bestand. Münster führt das Ranking hier mit 33 KWK-Einheiten für erneuerbare Energieträger an, was einem Anteil von 11,50 Prozent entspricht. Es folgen Bielefeld mit 28 Einheiten (10,77 Prozent) und Aachen mit 16 Einheiten (8,84 Prozent). Am unteren Ende liegen München mit acht Einheiten (1,52 Prozent), Gelsenkirchen mit einer Einheit (1,22 Prozent) sowie Karlsruhe, wo bislang keine KWK-Einheiten für erneuerbare Energieträger installiert sind.

(Purpose Green / Marc Daniel Schmelzer)