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Bericht der Bundesregierung 10.08.2026, 16:30 Uhr

Trinkwasser: Warum die Versorgung zur Herausforderung werden könnte

Trinkwasser ist Deutschlands Lebensmittel Nummer 1. Um die Versorgung der Bevölkerung mit sauberem Wasser weiterhin sicherzustellen, müssen in den nächsten Jahren aber einige strukturelle 
und langfristige Herausforderungen gelöst werden.

Traktor versprüht Flüssigdünger auf Acker

Gesundheitsgefährdung durch Gülle und Chemikalien? Im Bericht der Bundesregierung an das Parlament werden auch die Auswirkungen landwirtschaftlicher Nutzungen auf die Wasserqualität betrachtet.

Foto: Smarterpix / eleonimages

In einem Schreiben an das Parlament geht das Bundesministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit im Auftrag der Bundesregierung auf Ursachen einer nicht auszuschließenden Qualitätsverschlechterung des Trinkwassers ein. Thematisiert werden darin die Belastung mit Pflanzenschutzmitteln, Arzneimittelrückständen sowie per- und polyfluorierten Alkylsubstanzen (PFAS). Das Papier erwähnt auch Legionellen in Trinkwasserinstallationen, die demnach nach wie vor ein Herd von Erkrankungen sind.

Im Mittel 176 Milliarden Kubikmeter Wasser verfügbar

Internationale Studien zeigen, dass Wasserressourcen auch in Deutschland zunehmend unter Druck geraten und regional übernutzt werden. Deutschland verfügt im langjährigen Mittel über ein Wasserdargebot von 176 Milliarden Kubikmeter. Das Wasserdargebot gibt an, welche Mengen an Grund- und Oberflächenwasser potenziell genutzt werden können. Berechnet wird das Wasserdargebot als langjähriges statistisches Mittel für eine in der Regel dreißigjährige Zeitperiode (aktuell: 1991 bis 2020) sowie als sogenannte erneuerbare Wasserressource für Einzeljahre. Die erneuerbaren Wasserressourcen unterliegen beträchtlichen jährlichen Veränderungen. Die Dargebotsdaten sowie die jährliche Wasserbilanz für Deutschland seit dem Jahr 2000 können im Detail beim Umweltbundesamt abgerufen werden. Sie basieren auf Daten des Statistischen Bundesamts und werden alle drei Jahre erhoben.

Trinkwasserqualität: Messwerte nicht vollständig

Nach dem Grundgesetz liegen die Aufgaben des Vollzugs in der Wasserwirtschaft bei den Bundesländern. Sie erteilen notwendige wasserrechtliche Genehmigungen und überwachen die Gewässer aufgrund der rechtlichen Vorgaben an festgelegten Messstellen und aufgrund von geregelten Analyse- und Bewertungsverfahren. Die Bundesländer melden jedoch der Bundesregierung nur jene Werte, zu denen sie verpflichtet sind. Insofern liegt in Berlin kein vollumfängliches Bild der Situation vor.

Für Spurenstoffe wie die genannten Arzneimittelrückstände, PFAS, Pflanzenschutzmittel und weitere Kontaminierungen des Trinkwassers liegen nur teilweise Grenzwerte vor. Für PFAS gelten Höchstwerte der ersten Stufe ab Anfang dieses Jahres beziehungsweise die noch schärferen Auflagen der zweiten Stufe ab 2028. Im Jahr 2022 entnahm die öffentliche Wasserversorgung etwa 5,3 Milliarden Kubikmeter. Das sind 3 % des gesamten Wasserdargebotes beziehungsweise 30 % der Gesamtentnahmen von 18 Milliarden Kubikmetern.

Die Wasserentnahmen der öffentlichen Wasserversorgung waren von 1991 bis 2013 rückläufig, erhöhten sich dann jedoch in den Jahren 2016 und 2019. Im Jahr 2022 lagen die Entnahmen geringfügig unter denen aus dem Jahr 2019 (Die Daten für das Erhebungsjahr 2025 lagen zum Redaktionsschluss noch nicht vor.).

Trinkwasser: täglich 120 Liter pro Person

Das Trinkwasser kommt laut UBA je nach Region zu 63 bis 70 % aus Grundwasservorkommen. Die Berechnungen gehen von einem täglichen Verbrauch von 120 Liter Trinkwasser pro Person aus. Daraus ergibt sich ein Konsum von 45,6 Kubikmetern pro Person und Jahr in den Haushalten.

In Bezug auf die viel diskutierte Nitratbelastung lag der Anteil der Messstellen in Deutschland, bei denen eine Überschreitung des Schwellenwertes für Nitrat von 50 mg/l auftrat, in den vergangenen 15 Jahren bei 15 bis 19 %. Nitrat ist eine in Wasser gut lösliche Verbindung, weshalb die Emission in die Umwelt über den Wasserpfad erfolgt.

Nitrat aus diffusen Quellen

Der Nitrateintrag in Gewässer stammt aus Punktquellen und zu rund 75 % aus diffusen Quellen. Diffuse Kontaminationen entstehen vorrangig durch landwirtschaftliche Tätigkeiten. Nitratbelastungen des Grundwassers treten deshalb insbesondere in Regionen mit hohem Vieh­besatz auf, durch Anbau von Sonderkulturen, durch durchlässige Böden und geringe Sickerwasserraten. Als Punktquellen-Regionen treten vor allem Großstädte hervor.

Im menschlichen Körper kann Nitrat zu Nitrit reduziert werden. Nitrit oxidiert den roten Blutfarbstoff (Hämoglobin) zu Methämoglobin. Dieser Stoff ist nicht mehr in der Lage, Sauerstoff zu transportieren. Besonders Säuglinge unter drei Monaten sind hierfür anfällig, da ihre Verdauung noch nicht vollständig entwickelt ist. Dies kann zur sogenannten „Blausucht“ (Zyanose) führen, die unbehandelt lebensgefährlich ist. Ferner führt im sauren Milieu des menschlichen Magens Nitrit in Verbindung mit bestimmten Eiweißabbauprodukten unter Umständen zu Nitrosaminen. Tierversuche belegen, dass viele dieser Nitrosamine krebserregend sind, insbesondere im Magen-Darm-Trakt.

Geringe Bedrohung des Trinkwassers durch Pflanzenschutzmittel

Pflanzenschutzmittel und deren Abbauprodukte (Metabolite) werden immer wieder mit chronischen Erkrankungen sowie erbgutverändernden, krebserregenden oder hormonstörenden Wirkungen in Verbindung gebracht. Nachweislich sind 9,5 % der Grundwasserkörper in Deutschland wegen Überschreitung der sehr strengen Schwellenwerte für Pflanzenschutzmittel (PSM) und relevante Metaboliten (rM) nach Grundwasserverordnung in einem schlechten chemischen Zustand. Die Grenzwerte sind allerdings äußerst vorsorglich angesetzt. Das bedeutet, dass die im Leitungswasser nachgewiesenen Konzentrationen in der Regel so gering sind, dass sie nach aktuellem wissenschaftlichen Stand eigentlich als gesundheitlich unbedenklich gelten.

Es gibt derzeit noch keine bundesweiten Auswertungen zur Grundwasserbelastung mit Arzneimitteln. Das Datenportal „Arzneimittel in der Umwelt“, betrieben vom UBA, stellt jedoch umfassende, öffentlich zugängliche Informationen über das Vorkommen von pharmazeutischen Substanzen in Oberflächen- und Grundwasser bereit.

Bundesregierung: Dürrephasen gefährden auf Dauer die mengenmäßige Stabilität der deutschen Wasserressourcen massiv

Bezüglich der quantitativen Aspekte ist nach Auffassung der Bundesregierung auf Basis öffentlich zugänglicher Informationen die Trinkwasserversorgung in Deutschland trotz des fortschreitenden Klimawandels und des gehäuften Auftretens von Dürreperioden flächendeckend sichergestellt. Dennoch hinterlassen die sich verschiebenden Niederschlagsmuster in verschiedenen Regionen bereits deutliche Spuren. Die Grundwasserressourcen werden üblicherweise über den Winter aufgefüllt. Die vergangenen Jahre zeigten jedoch, dass die Grundwasserneubildung in den Wintermonaten hinter den im langjährigen Mittel zu erwartenden Werten zurückbleiben.

Ursache dafür ist dem Bericht nach der durch den Menschen beschleunigte Klimawandel mit der Verschiebung der Niederschlagsmuster als Folge: Statt als speicherfähiger Schnee fällt Niederschlag im Winter vermehrt als Regen, der schnell oberflächlich abfließt, anstatt in den Boden zu infiltrieren. Parallel dazu erhöht die Zunahme heißer Tage im Sommer den Trinkwasserbedarf. Zudem verlängert sich die Vegetationsperiode im Vergleich zum Zeitraum 1961 bis 1990 im Schnitt um drei Wochen, was die Evapotranspiration sowie den Bewässerungsbedarf in der Landwirtschaft intensiviert.

Die Evapotranspiration ist der gesamte Wasserverlust eines Gebiets an die Atmosphäre. Sie setzt sich zusammen aus der Evaporation (direkte Verdunstung von Boden- und Wasseroberflächen) und der Transpiration (kontrollierte Verdunstung über die Spaltöffnungen von Pflanzen).

Welche größten Risiken für die Trinkwassersicherheit in Deutschland sieht die Bundesregierung in den kommenden zehn Jahren hinsichtlich Qualität und Quantität? Das Umweltministerium antwortet auf diese Frage überraschend deutlich: „Die zunehmenden Dürrephasen gefährden auf Dauer die mengenmäßige Stabilität der deutschen Wasserressourcen massiv. Rund 70 % des Trinkwassers werden aus dem Grundwasser gewonnen, eine unzureichende Regeneration dieser Vorkommen beeinträchtigt die Bewirtschaftung nachhaltig.“

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