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Stillstand im Gebäude 21.06.2021, 07:03 Uhr

Trinkwasser-Installationen: Worauf ist bei Betriebsunterbrechungen zu achten?

Schließungen von Gebäuden sind, nicht nur Corona-bedingt, bereits alltäglich. Was in diesen Fällen bezüglich der Trinkwasser-Installationen zu beachten ist, beschreibt jetzt eine Expertenempfehlung.

Foto: panthermedia.net/ Grigorenko

Foto: panthermedia.net/ Grigorenko

Bis dato stand weder dem Installateur, noch dem Planer oder dem Betreiber ein technisches Regelwerk für die fachgerechte Außerbetriebnahme und Wiederinbetriebnahme von Trinkwasser-Installationen zur Verfügung. Es stellte sich also die Frage, wie es sich mit den vielen Trinkwasser-Installationen verhält, die sich in den verschiedenen Gebäudetypen (Wohnungsbau, Nichtwohnungsbau) befinden. Losgelöst von regionalen „Lock-down“-Maßnahmen in der Corona-Pandemie gibt es auch im regulären Betrieb immer wieder befristete Unterbrechungen, beispielsweise durch Ferienzeiten. Die Expertenempfehlung VDI/DVQST EE 3810 Blatt 2.1 liefert in diesen Fällen nun eine wertvolle Orientierung. Die Expertenempfehlung (EE) ist eine Ergänzung zur Richtlinie VDI 3810 Blatt 2/VDI 6023 Blatt 3 und soll bei der nächsten Überarbeitung dort integriert werden. Hier die wichtigsten Punkte der EE im Überblick.

Simulation des bestimmungsgemäßen Betriebs

Grundsätzlich ist abzuwägen, ob eine Trinkwasser-Installation außer Betrieb genommen wird, oder ob eine Simulation des bestimmungsgemäßen Betriebs sinnvoller ist. Vorgaben dazu finden sich im Abschnitt „Änderung der Betriebsweise“. Um für eine ausreichende Strömungsgeschwindigkeit zu sorgen, sind die Gleichzeitigkeiten der Entnahmestellen, wie bei der Planung zugrunde gelegt, zu berücksichtigen. Unabhängig davon, ob die Trinkwassererwärmungsanlage sich in Betrieb befindet, oder abgeschaltet wurde, sind die Zirkulationspumpen auf Dauerbetrieb einzustellen.

Was ist für eine fachgerechte Außerbetriebnahme zu beachten?

Nur das Absperren des ersten Ventils in Fließrichtung reicht nicht aus. Im Abschnitt „Vorübergehende Außerbetriebnahme von Trinkwassererwärmungsanlagen“ finden sich dezentrale und zentrale Trinkwassererwärmer mit wichtigen Angaben, wie beispielsweise das Austauschen des Warmwassers in den Speichern durch kaltes Wasser, um ein langsames Auskühlen in einem für Legionellen günstigen Temperaturbereich zu verhindern. Die Zirkulationspumpe tauscht anschließend warmes Trinkwasser (PWH) gegen kaltes Trinkwasser (PWC) aus und wird dann abgeschaltet.

Kein einheitliches Vorgehen bei der Wiederinbetriebnahme

Die Dauer der Außerbetriebnahme gibt die Maßnahmen zur Wiederinbetriebnahme vor. Diese kann je nach Stillstanddauer in vier Stufen von bis zu maximal sieben Tagen erfolgen, gegebenenfalls ist es aber auch nötig über mehr als sechs Monate Maßnahmen von Wasseraustausch an allen Entnahmestellen über Spülen der Anlage bis zu ergänzenden mikrobiologischen Untersuchungen durchzuführen.

Trinkwassererwärmer korrekt einbinden

Hier werden Anlagen mit zirkulierendem System und dezentrale Trinkwassererwärmer unterschieden. Bei Anlagen mit zirkulierendem System sind zuerst Trinkwassererwärmer komplett zu erwärmen bevor nach Erreichen der Solltemperatur von 60 °C die Zirkulationspumpe eingeschaltet wird. Nach Erreichen der Temperatur von 55 °C am Eingang des Trinkwassererwärmers sind die Entnahmestellen mit PWH bis zur Temperaturkonstanz zu spülen. Bei dezentralen Trinkwassererwärmern ist eine Reglereinstellung von 60 °C anzustreben, mindestens jedoch die maximal erreichbare Temperatureinstellung.

Weiterführenden Maßnahmen nach der Wiederinbetriebnahme

Nach Spülmaßnahmen kann von gelösten Stoffen ausgegangen werden. Es empfiehlt sich daher eine Inspektion von Feinsieben, Rückflussverhinderern und anderen empfindlichen Bauteilen. In die weitere Überprüfung mit einzubeziehen sind beispielsweise angeschlossene Trinkwasserspender, Kaffeemaschinen oder Ionentauscher nach detaillierten Herstellerangaben zur Wiederinbetriebnahme nach längeren Stillstandzeiten.

Abschließende Dokumentation

Die Expertenempfehlung beinhaltet Musterprotokolle für die Dokumentation der Außer- und Wiederinbetriebnahme. Zur Wiederinbetriebnahme sollten unter anderem Temperaturen, beispielsweise am Hausanschluss, an den bekannten Stellen des PWH-Systems und an repräsentativen Entnahmestellen gemessen und dokumentiert werden. Ihren Platz finden die Protokolle im Betriebsbuch der Trinkwasser-Installation.

 

 

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Von Dirk Schulze, Vorsitzender der VDI/DVQST EE 3810 Blatt 2.1 und Seminarleiter Wasser bei Resideo