In neuen Wohngebäuden: 14.06.2021, 13:46 Uhr

Wärmepumpe: Marktanteil wächst erstmals auf über 50 Prozent

So hoch war der Marktanteil noch nie: In mehr als der Hälfte aller in 2020 genehmigten Wohngebäude kommt eine Wärmepumpe zum Einsatz. Im Bestand hat der umweltfreundliche Wärmeerzeuger jedoch noch Nachholbedarf.

Im Neubau entscheiden sich immer mehr Kunden für den Einsatz einer Wärmepumpe als Wärmeerzeuger. Foto: BWP

Im Neubau entscheiden sich immer mehr Kunden für den Einsatz einer Wärmepumpe als Wärmeerzeuger.

Foto: BWP

Die Tendenz zeichnet sich bereits seit Jahren ab: Eigenheimbesitzer wie Errichter von Mehrfamilienhäusern setzen bei Neubauten verstärkt auf die Wärmepumpe als Wärmeerzeuger. Bemessen an den erteilten Baugenehmigungen für neue Wohngebäude lag ihr Marktanteil im Jahr 2016 noch bei 37,3 %. 45,9 % waren es im Jahr 2019. Im vergangenen Jahr gelang erstmals der Sprung über die magische 50 %-Marke: Nach den jetzt vorliegenden Zahlen des Statistischen Bundesamtes betrug der Marktanteil der Wärmepumpe, berechnet auf Basis der in 2020 genehmigten Wohngebäude, 52,8 Prozent. „Im Neubau ist die Wärmepumpe als System zum Heizen und Kühlen unschlagbar – dieser Trend zeichnet sich schon länger ab“, so Dr. Martin Sabel, Geschäftsführer des Bundesverband Wärmepumpe e. V. (BWP).

Die Zahlen im Detail: Im vergangenen Jahr sind nach Angaben des Statistischen Bundesamts insgesamt 124.596 Wohngebäude für den Bau genehmigt worden. Davon sollen 55.544 mit Umweltwärme und 10.257 Gebäude mit Erdwärme beheizt werden – insgesamt sind dies 52,8 % aller neu genehmigten Wohngebäude. Immer mehr Bauherren entscheiden sich also für klimaschonende Heizsysteme. Dabei wurden 10.257 Gebäude (8,2 %) mit Geothermie genehmigt, 55.544 (44,6 %) mit Umweltthermie. Gleichzeitig sinkt der Anteil an Gasheizungen kontinuierlich. Im Jahr 2016 setzte man noch in 46,9 % aller neu genehmigten Wohngebäude auf den fossilen Energieträger, 2020 sind es nur noch 32,3 % (40.279 Wohngebäude).

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BWP: Wärmepumpe wichtige Technologie für das Erreichen der Klimaziele

Beim Bundesverband Wärmepumpe hofft man in den kommenden Jahren auf weitere Zuwachsraten und die Erkenntnis der handelnden Akteure: Die Energiewende mit der Erreichung der Klimaziele könne nur gelingen, wenn die CO2-Emissionen auch im Gebäudebereich deutlich abgesenkt werden. Der Wärmesektor habe dabei einen entscheidenden Vorteil gegenüber anderen Bereichen wie Industrie und Schwerlastverkehr mit ihren ebenfalls sehr hoch gesteckten Klimazielen: Technologien zur Dekarbonisierung sind in der Heizungstechnologie bereits vorhanden und etabliert, so der BWP. Förderprogramme könnten der Technologie einen weiteren Schub verschaffen: „Der Staat bietet attraktive Anreize, damit im Neubau mindestens das KFW-Effizienzhausniveau 55 realisiert wird. Mit einem schlechteren Standard sollte man sich als Häuslebauer auch nicht zufriedengeben. Dieses Niveau ist mit einer Wärmepumpe als erneuerbare Heizungstechnik leicht zu erreichen“, sagt BWP-Geschäftsführer Sabel. Die staatliche Förderung werde ab 1. Juli durch die Einführung der EE-Klasse noch attraktiver.

Wärmepumpe im Bestand: Noch reichlich Luft nach oben

Im Bestand wächst der Trend zu den umweltfreundlichen Heizungssystemen ebenfalls – allerdings auf anderem Niveau: Ein Blick auf die Förderanträge belegt, dass sich im vergangenen Jahr 30.000 Hauseigentümer für eine Wärmepumpe als Ersatz für eine alte Ölheizung entschieden haben. Doch nach wie vor scheuen viele Hauseigentümer den Einbau einer Wärmepumpe in bestehende Wohnhäuser. Weit verbreitet ist die Meinung, dass die Wärmeerzeuger im Bestand nicht ausreichend und zuverlässig Wärme liefern sowie zu wenig Kohlendioxid einsparen können. Diese Bedenken räumt ein Feldtest des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme aus. Die Ergebnisse der im Sommer 2020 veröffentlichten Studie: Die untersuchten Wärmepumpen lieferten die gewünschte Wärme und waren kaum von Betriebsstörungen betroffen. Die errechneten CO2-Emissionen der Außenluft-Wärmepumpen lagen 19 bis 47 % unter denen von Gas-Brennwertheizungen. Bei den Erdreich-Wärmepumpen waren die entsprechenden Werte sogar 39 bis 57 % niedriger.

Förderprogramme für den Austausch alter Heizungsanlagen

Die Förderung für effiziente Wärmepumpen wurde im Januar 2021 im Rahmen der Einführung der Bundesförderung für energieeffiziente Gebäude (BEG) nochmals erhöht. Wer bei einem Ölkesseltausch eine Wärmepumpe einbaut und den seit Jahresbeginn gültigen iSFP-Bonus nutzt, erhält vom Staat nicht mehr wie bisher 45 % der förderfähigen Investitionskosten, sondern 50 %. Den iSFP-Bonus können Eigentümer in Anspruch nehmen, wenn sie eine geförderte Gebäudeenergieberatung mit einem individuellen Sanierungsfahrplanes (iSFP) für Wohngebäude durchführen lassen oder bereits einen vom Bund geförderten Sanierungsfahrplan vorliegen haben und eine Maßnahme daraus realisieren. Neu ist zudem: Die Förderung gilt jetzt auch für den Austausch von Heizungen, die älter sind als 30 Jahre. Zu den förderfähigen Kosten zählen die Ausgaben für Kauf, Installation und Inbetriebnahme sowie viele der dafür erforderlichen Begleitmaßnahmen. Dazu gehören beispielsweise die Wärmedämmung von Rohrleitungen, der Ersatz alter Standardheizkörper durch Niedertemperatur-Heizkörper, Flächenheizungen einschließlich der erforderlichen Aufbauten, die Kosten für die Warmwasserbereitung und nötige Umbauarbeiten von Heiz- und Technikräumen sowie der Rückbau des Schornsteins.

 

 

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Von Marc Daniel Schmelzer

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