Kurzstudie offenbart Trends bei PV-Anlagen 02.09.2021, 09:54 Uhr

Photovoltaikanlagen immer häufiger in Ost-West-Ausrichtung

Ein Forschungsteam des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme hat die Registrierungsdaten zu neu installierten Photovoltaikanlagen in Deutschland ausgewertet. Dabei zeigen sich klare Trends.

Foto: panthermedia/anatoliy_gleb

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Für ihre Marktanalyse nutzen die Wissenschaftler der Abteilung Energiesystemanalyse am Fraunhofer-Institut ISE Informationen aus dem Markstammdatenregister (MaStR) sowie die EEG-Anlagenstammdaten für die Photovoltaik (PV). Seit Januar 2021 müssen im MaStR alle an das Netz der allgemeinen Versorgung angeschlossenen Stromerzeugungseinheiten eingetragen werden. Zusätzlich zu den Angaben zu Leistung und Standort einer PV-Anlage, die bereits im Erneuerbare-Energien-Gesetz-Register (EEG-Anlagenstammdaten) vermerkt wurden, erfasst das Markstammdatenregister weitere Informationen wie Ausrichtung, Neigung und Leistungsbegrenzung. Betrachtet wurde der Zeitraum von 2020 bis ins Frühjahr 2021.

Größter Zubau nach wie vor in Süddeutschland, aber der Norden holt auf

Der Süden Deutschlands galt lange Jahre als Vorreiterregion der Photovoltaik: In den Jahren von 2000 bis 2009 wurden die bundesweit meisten PV-Anlagen in Bayern und Baden-Württemberg errichtet. Durchschnittlich 59,6 % des Zubaus erfolgte in diesem Zeitraum in Süddeutschland. Zwischen 2010 und 2019 ging der Anteil auf durchschnittlich 44,5 % zurück. Zeitgleich steigerte Nordrhein-Westfalen seinen durchschnittlichen Beitrag von 14,1 auf 18,3 %, Niedersachsens Anteil stieg von 6,5 auf 9,2 %, Brandenburg erzielte 2,2 %. Alle restlichen Bundesländer verzeichneten ebenfalls Zuwächse, allerdings in geringerem Maße. Im Jahr 2019 sind die Spitzenplätze mit 24,4 % (Bayern) und 18,6 % (Baden-Württemberg) noch immer klar vergeben, doch die Länder aus dem Norden holen auf: Nordrhein-Westfalen: 17,9 %; Niedersachsen: 9,2 %; Hessen: 6,1 %.

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Mehr als drei Viertel der zugebauten Anlagen mit geringer Leistung

Die vom Fraunhofer ISE vorgenommene Auswertung des Anlagenzubaus belegt, dass der Anteil kleiner Anlagen (weniger als zehn Kilowatt Leistung) seit 2014 konstant bei durchschnittlich 82 % geblieben ist. Aufdachanlagen über zehn und bis zu 100 Kilowatt hatten eine Blütezeit zwischen 2004 und 2011, wo ihr Anteil bei Neuinstallationen – bezogen auf die Anlagenzahl – bei durchschnittlich 43 % lag.

Ein Anlagensegment, dessen relativer Anteil am Leistungszuwachs stark zugenommen hat, ist die Anlagenklasse der Aufdachanlagen von 100 bis 750 Kilowatt. Von 17 % im Jahr 2012 hat sich ihr Anteil auf 38 % im Jahr 2019 mehr als verdoppelt. Hingegen nimmt die Bedeutung von Freiflächenanlagen (45 % im Jahr 2012) ab (20 % im Jahr 2019).

Eine weitere Erkenntnis der Stuttgarter Studie: 73 % der neu installierten PV-Anlagen sind in ihrer Leistung begrenzt. Nur rund ein Viertel der zugebauten Anlagen im Jahr 2019 besitzen keine Leistungsbegrenzung. 66 % dürfen gemäß EEG hingegen nur maximal 70 % ihrer Leistung ins Netz einspeisen, weil sie über kein fernsteuerbares Einspeisemanagement verfügen. Dieser Anteil ist seit 2014 jährlich um durchschnittlich vier Prozentpunkte pro Jahr gewachsen. Die restlichen leistungsbegrenzten Anlagen haben sogar noch höhere Begrenzungen auf 60 bis 50 % infolge der Kombination mit einer Batteriespeicheranlage.

Ost-West-Ausrichtung nimmt zu, Neigungswinkel wird flacher

Relative Anteile der verschiedenen Ausrichtungen am Anlagenzubau.

Foto: Berechnungen des Fraunhofer ISE auf Basis der Eintragungen im Marktstammdatenregister (31.01.2019 bis 03.03.2020). Grafik: Fraunhofer ISE

Und auch Folgendes fand das Fraunhofer ISE heraus: Während der Anteil von PV-Anlagen mit Südausrichtung von 61 % im Jahr 2000 auf 42 % im Jahr 2019 zurückgegangen ist, stieg in fast gleichem Maße der Anteil von Anlagen mit Ost- und Westausrichtung: Ost von ein Prozent auf sieben Prozent, West von drei Prozent auf neun Prozent, Ost-West von ein Prozent auf sechs Prozent.

Und auch beim Neigungswinkel werden Veränderungen offenbar: Der Anteil der zugebauten PV-Anlagen (Dach- und Freiflächenanlagen) mit weniger als 20 Grad Neigungswinkel betrug zwischen den Jahren 2000 und 2009 durchschnittlich zehn Prozent. Zwischen 2010 und 2019 stieg ihr Anteil auf durchschnittlich 19 % an. Anlagen mit 20 bis 40 Grad-Neigung machen zwischen 2000 und 2009 einen Anteil von durchschnittlich 63 % aus, zwischen 2010 und 2019 fiel dieser auf 54 %.

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Von Marc Daniel Schmelzer