ConTech 23.07.2021, 09:08 Uhr

Start-ups unterstützen das Baugewerbe bei der Digitalisierung

Viele traditionelle Wirtschaftszweige verändern und erweitern sich durch die Digitalisierung. Dabei entstehen oft völlig neue Wertschöpfungsmodelle. Das betrifft auch die Bauwirtschaft. Dennoch werden die Stärken der Digitalisierung in der Bauwirtschaft immer noch sehr gering genutzt. Technologiebasierte Lösungsansätze für bestehende und neue Problemstellungen in der Bauwirtschaft lassen sich unter dem Begriff Construction Technology, kurz ConTech zusammenfassen. Viele Digitalgründer haben das Potenzial dieses Marktes erkannt und entwickeln bauspezifische Produkte und Dienstleistungen.

Die Digitalisisierung auf der Baustelle wird nicht zuletzt durch Start-ups angetrieben. Foto: panthermedia.net/Kzenon

Die Digitalisisierung auf der Baustelle wird nicht zuletzt durch Start-ups angetrieben.

Foto: panthermedia.net/Kzenon

Globalisierung, Digitalisierung und die wachsenden Nachhaltigkeitsanforderungen verändern auch in der Bauwirtschaft die traditionellen Wirtschaftsprozesse. Durch die sehr positive baukonjunkturelle Lage der letzten Jahre gab es keine akute Notwendigkeit, sich um Effizienz oder die Chancen der Digitalisierung Gedanken zu machen. Im Planungs- und Baubereich sind die Prozesse wenig automatisiert und benötigen ein fundiertes und fachübergreifendes Expertenwissen. Klassische Vorgehensweisen werden jedoch aufgrund knapper Termin- und Budgetvorgaben sowie zunehmender Komplexität und Projektanforderungen immer stärker hinterfragt. Mehr Innovation ist nötig. Diese Herausforderungen erkennen viele Start-ups und entdecken die Bauwirtschaft als Markt für sich. Als Folge entsteht eine immer größer werdende Anzahl an digitalen Lösungen für das Planen und Bauen.

Die Notwendigkeit zur Digitalisierung in der Bauwirtschaft steigt

Die Bauwirtschaft war von den Wirtschaftskrisen 1995 und 2008 stark betroffen, hat sich in der Zwischenzeit jedoch wieder gut erholt. Schon seit einiger Zeit geht es nur noch in eine Richtung, nämlich aufwärts! Unbeachtet der Corona-Pandemie schreibt die Bauwirtschaft seit Jahren steigende Umsatzzahlen. So gab es lange Zeit keine zwingende Veranlassung, Innovationen auf den Baustellen einzusetzen. Das ist vielfach auch heute noch so. Denn obwohl Bauprojekte immer komplexer und schneller werden, werden heute viele Schritte ausgeführt wie vor 40 Jahren. Dabei bleiben jedoch trotz bester Aussichten die Risiken bestehen. Fachkräftemangel, fehlende Ressourceneffizienz und der strukturelle Wandel zwingen mittlerweile jeden in der Bauwirtschaft, sich aktiv mit Chancen und Nutzen der Digitalisierung wie auch den Herausforderungen auseinanderzusetzen. Massiv beschleunigt wird der Wandel nicht anders als in anderen Branchen, durch die Corona-Krise und der damit verbundenen steigenden Akzeptanz für digitale Lösungen. Heute ist es folglich umso wichtiger, die eigene Effizienz auf der Baustelle zu steigern.

ConTech-Start-ups unterstützen die Bauwirtschaft

ConTech-Start-ups haben dieses Potenzial für sich erkannt. Für das Planen und Bauen gibt es mittlerweile viele innovative und digitale Lösungen. Viele Unternehmen erkennen den Bedarf, doch der Zugang zur oft konservativen B2B-Zielgruppe und der fragmentierten Baubranche bleibt dennoch schwer. Anfang des letzten Jahres wurde deshalb der Bundesverband Digitales Bauwesen e.V. (BDBau) gegründet. Der BDBau hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Interessen der Start-ups aus dem Bereich Construction Technology, also der ConTech-Start-ups zu vertreten und zu fördern. Wichtige Ziele sind die Erhöhung der Sichtbarkeit, die Vernetzung der Start-ups mit allen Akteuren der Bauwirtschaft und die Darstellung von Best Practice Beispielen. Zu dem Angebot gehört die kostenlose Teilnahme an Fachveranstaltungen und einem Academy-Angebot. Damit soll die Baubranche für die Digitalisierung sensibilisiert werden. Um alle Baubeteiligten zu unterstützen, werden Fortschritt und Innovation gefördert. Auch den Herstellern wird ein einfacher Zugang zur Start-up-Szene ermöglicht. „Viele Unternehmen haben hinsichtlich der Digitalisierung ähnliche Herausforderungen“, erklärt der BDBau-Vorstandsvorsitzende Roland Riethmüller. „Doch gerade heute ist es wichtiger denn je, sich mit den Veränderungsprozessen auseinanderzusetzen.“

Steigende Branchenattraktivität durch ConTechs

Und noch einen weiteren Aspekt beinhaltet die Arbeit der ConTech-Start-ups. Durch die steigende Innovationskraft und die konsequente Nutzung neuer Technologien erfährt die Baubranche einen nie da gewesenen Attraktivitätsschub. Was bislang als dreckig und körperlich anstrengend galt, wird zunehmend durch Kopfarbeit und den Einsatz technischer Hilfsmittel ersetzt. Davon profitiert die Baubranche und wirkt dem Fachkräftemangel entgegen. Nicht zuletzt aus diesem Grund ist die Arbeit der ConTech-Start-ups richtig und wichtig.

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Von Roland Riethmüller, BDBau-Vorstandsvorsitzender

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