Sanierungsarbeiten am Industriedenkmal 23.07.2020, 15:24 Uhr

Rostschutz für den Gasometer Oberhausen

Er ist ein Symbol für den Strukturwandel im Ruhrgebiet – der Gasometer in Oberhausen. Früher war er ein wichtiger Bestandteil bei der Herstellung von Eisen und Koks, heute ist er die höchste Ausstellungshalle in Europa. Damit dies so bleibt, bekommt der Gasometer einen neuen Korrosionsschutz.

Gasometer

Der Gasometer in Oberhausen bekommt einen neuen Korrosionsschutz.

Foto: panthermedia.net/Andreas Horn

Mit einer Höhe von 117,5 Metern, einem Durchmesser von 67,6 Metern und einem Umfang von 210 Metern ist der Gasometer in Oberhausen ein imposantes Denkmal für die Industriekultur. 1929 als wichtiger Bestandteil der Eisenproduktion in Oberhausen, hat er den Wandel zu einer beliebten Ausstellungshalle geschafft. „Wie kein anderes Bauwerk verbindet der Gasometer die identitätsstiftende Vergangenheit des Ruhrgebiets und den erfolgreichen Strukturwandel der Region. Die Ausstellungen, das Raumerlebnis und die Möglichkeit, vom Dach des Gasometers den Blick auf das westliche Ruhrgebiet zu werfen, ziehen jährlich hunderttausende Besucher an“, sagt Jeanette Schmitz, Geschäftsführerin der Gasometer Oberhausen GmbH. Seit Anfang der 1990er-Jahre finden im Gasometer die unterschiedlichsten Ausstellungen statt. Damit weiterhin Großausstellungen das Denkmal nutzen können, muss es nun saniert werden. Denn, so Schmitz: „Wind und Wetter haben Spuren hinterlassen – Rost nagt an der Außenhaut, im Fundament sind über die Jahre Risse entstanden.“ Die Instandsetzungsmaßnahmen umfassen unter anderem das Entfernen des Rosts, das Auftragen einer neuen Beschichtung und das Ausbessern des rissigen Fundaments. Die Kosten für die Arbeiten werden auf 14,5 Millionen Euro kalkuliert. Anfang 2021 sollen dann wieder Besucher die Ausstellungen im Gasometer bestaunen können. Die Arbeiten in den Bereichen Stahlbau und Korrosionsschutz übernimmt die RODOPI Marine GmbH aus Düsseldorf. Eigentlich ist das Unternehmen auf das Beschichten von Schiffen und Offshore-Bauten spezialisiert.

Handarbeit bei der Entrostung

Auf einer Sohlplatte und einem umlaufenden Streifenfundament ist der Gasometer gegründet. Eine radiale Tragkonstruktion aus Fachwerkbindern trägt das Dach. Die 24-eckige Außenhülle des Gasometers besteht aus genieteten Stahlblechen und 24 Stahlstützen. Die Stützenfüße der Stahlstützen wurden außen liegend mit dem Mauerwerk verkleidet. In dieses Mauerwerk drang über die Jahre hinweg Feuchtigkeit ein und hat den Verbund beschädigt. Die Stahlbleche der Außenhülle sind durch Korrosion angegriffen. „Um die Tragfähigkeit und den Korrosionsschutz dauerhaft wiederherzustellen, erfolgt zunächst im Trockenstrahlverfahren die Entfernung der alten Beschichtungen. Im Inneren führen wir eine aufwendige Entrostung der Innendecke per Hand durch“, erklärt Burak Dogan, Mitarbeiter der RODOPI Marine GmbH und Projektleiter für die Sanierungsarbeiten am Gasometer. Nachdem die Beschichtungen entfernt und der Rost abgetragen sind, erhält die Gebäudehülle fünf Beschichtungsebenen. Diese sollen das Denkmal gegen Wind und Wasser schützen. Damit das Projekt erfolgreich abgeschlossen werden kann, sind 40 Mitarbeiter auf der Baustelle aktiv.

Sanierung ist auf den Denkmalschutz abgestimmt

Der Auftakt der Arbeiten am Gasometer bildete die Einrüstung des Denkmals im Februar. Dann erhielt das Gerüst eine Einhausung. Durch diese ist es möglich, dass Farb- und Metallreste, die beim Abstrahlen der Außenhülle entstehen, auf der Baustelle bleiben. Zudem schützt die Einhausung die bereits mit Korrosionsschutz behandelten Flächen vor der Witterung. Ein weiterer Vorteil bietet die Einhausung bei der Trocknung der Farbschichten. Durch sie sind konstante Bedingungen bei der Luftfeuchtigkeit und Temperatur möglich. Hierfür schließt die Plane Luftdicht ab. Seit Februar ist auch die Firma RODOPI auf der Baustelle und führt die Vorbereitungen für den Stahlbau- und Korrosionsschutz aus. „Beim Gasometer handelt es sich um ein sehr großes Objekt, sodass wir für unsere Arbeiten, wie das Trockenstrahlverfahren, längere Schläuche als üblich benötigten und unser herkömmliches Equipment anpassen mussten“, berichtet Dogan. Durch das Trockenstrahlverfahren entfernten die RODOPI-Mitarbeiter die ursprüngliche Beschichtung der äußeren Mantelfläche. Hierbei wurde auch die noch vorhandene Walzhaut entfernt. Danach haben die Mitarbeiter die beschädigten und nicht mehr tragfähigen Stahlbauteile bearbeitet oder ausgetauscht. So konnten sie die Tragfähigkeit der Außenhülle wiederherstellen. Da das Gasometer unter Denkmalschutz steht und der Stahl das Erscheinungsbild des Gebäudes prägt, erfolgte dieser Schritt in enger Abstimmung mit der Denkmalschutzbehörde. Die Entscheidung, wie viel Stahl entfernt und erneuert werden durfte, lag bei ihr. Für die Sanierung des Daches mussten die Fachkräfte sich ein anderes Verfahren überlegen. Das Trockenstrahlverfahren konnte nicht auf dem Dach ausgeführt werden, da es nicht ausreichend tragfähig gewesen wäre. Die Geräte, die Mitarbeiter und das Strahlmittel, was bei dem Verfahren haften bleibt, hatten die Traglast des Daches überstiegen. Aus diesem Grund hat sich das Unternehmen für den Einsatz eines ferngesteuerten Roboter entschieden. Über einen Joystick gesteuert, hat er im Wasserstrahlverfahren die alten Farbschichten entfernt.

Das Gasometer erhält einen neuen Schutz vor Rost

Nachdem der alte Rost entfernt war, mussten die Stahlbauteile vor Neuem geschützt werden. Dies erfolgte durch eine Beschichtung von fünf Farbschichten. Die erste Schicht ist eine Grundierung aus Zinkstaub. „Dieser Stoff wird unter anderem zur Herstellung von Zinkstaubfarben verwendet, die als Trennschicht zwischen Stahl und korrosiver Umgebung wirken und zusätzlich eine elektrochemische Schutzwirkung entfalten. Sie kommen in der Regel an Stellen zum Einsatz, die aus technischen Gründen nicht verzinkbar oder schwer zugänglich sind, und schützen Stahl auch bei extremer Beanspruchung vor Korrosion“, sagt Dogan. Um die darauf folgende Deckfarben aufbringen zu können, werden Zinkphosphatbeschichtungen aufgetragen. Der neue Anstrich des Gasometers besteht aus einem grauen Grundton mit oxydrötlicher Einfärbung. Dieser Farbton wurde bereits beim Wiederaufbau 1949 verwendet und ist nun eine Weiterentwicklung. Die neue Deckfarbe enthält Eisenglimmer. Dadurch wird der Gasometer nicht nur schimmern, auch der Korrosionsschutz wird verstärkt. Durch die aufgetragenen Beschichtungen hält der Korrosionsschutz vermutlich drei Jahrzehnte. Ein Dichtungsmittel gegen eindringende Feuchtigkeit versiegelt Bauteilfugen, Anschlüsse und das Fundament.

Von Heike van Ooyen

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