Zum E-Paper
Forschungstransfer 09.04.2026, 11:30 Uhr

Bauen neu gedacht: C-Factory bringt Carbonbeton in die Großproduktion

Mit der C-Factory entsteht in Sachsen ein industriepolitisches Leuchtturmprojekt für klimafreundliches Bauen. Erstmals wird Carbonbeton vollautomatisiert, skalierbar und CO₂-speichernd für den Hochbau produziert.

Projekt C-Factory Gruppenbild

V. l.: Dr.-Ing. Alexander Kahnt, HTWK-Rektor Prof. Dr.-Ing. Jean-Alexander Müller, FTZ-Direktor Prof.-Dr.-Ing. Tilo Heimbold, Staatsminister Dirk Panter, IfB-Direktor Prof. Dr.-Ing. Klaus Holschemacher und Dr.-Ing. Matthias Tietze beim Projekt C-Factory, das die Carbonbetonbauweise von der Forschung in eine industrielle, skalierbare Produktion für den Hochbau überführt.

Foto: Klaus Gigga/HTWK Leipzig

Mit der C-Factory Carbonbeton nimmt in Sachsen ein industriepolitisches Vorhaben Gestalt an, das den Hochbau grundlegend verändern könnte. Ziel ist der Aufbau des weltweit ersten Carbonbetonwerks zur vollautomatisierten Herstellung CO2-speichernder Bauteile für den Hochbau. Damit soll eine Bauweise, die in den vergangenen zwei Jahrzehnten intensiv erforscht wurde, erstmals industriell skaliert und marktfähig umgesetzt werden.

Koordiniert wird das Verbundprojekt von der Kahnt & Tietze GmbH. Unterstützt wird das Konsortium durch Industrie- und Forschungspartner wie der Betonwerk Oschatz GmbH, der Schwenk Zement GmbH & Co. KG, der Prilhofer Consulting GmbH & Co. KG, der ABS Storkow GmbH, dem Forschungs- und Transferzentrum Leipzig e. V. der HTWK Leipzig sowie der Technische Universität Dresden.

C-Factory Carbonbeton als Antwort auf die Emissionen im Bauwesen

Die Herstellung, Errichtung und Nutzung von Gebäuden verursacht in Deutschland rund 40 % der Treibhausgasemissionen. Genau hier setzt die C-Factory Carbonbeton an. Carbonbeton ermöglicht deutlich schlankere und leichtere Bauteile als Stahlbeton. Da Carbon nicht korrodiert, kann die Betondeckung erheblich reduziert werden – mit direkten Auswirkungen auf Materialverbrauch und Emissionen.

Schon heute lassen sich so bis zu 80 % an Ressourcen einsparen. In Kombination mit CO2-mineralisierten Zuschlägen und weiteren CO2-speichernden Materialien sollen die in der C-Factory hergestellten Bauteile künftig sogar als Kohlenstoffspeicher wirken.

Von der Forschung in die industrielle Anwendung

Die Carbonbetonbauweise gilt nicht mehr als experimentell. Bauwerke wie der Carbon Concrete Cube in Dresden haben gezeigt, dass die Technologie praxistauglich ist. Die dafür notwendigen automatisierten Fertigungsprozesse wurden im Carbonbetontechnikum Deutschland am Forschungs- und Transferzentrum der HTWK Leipzig entwickelt.

Mit der C-Factory Carbonbeton erfolgt nun der entscheidende Schritt: die Überführung dieser Prozesse in eine industrielle, skalierbare Produktion. In Leipzig entsteht eine prototypische, vollautomatisierte Fertigungsstrecke für Carbonbeton-Bauteile im Großformat.

C-Factory Carbonbeton als Referenz für zukünftige Werke

In den kommenden Jahren soll die Pilotanlage aufgebaut, in Betrieb genommen und für die Herstellung verschiedener Demonstrationsbauteile genutzt werden. Ziel ist es, die Anlage als Referenz für weitere Carbonbetonwerke zu etablieren. Die entwickelten Bauteile und Produktionsverfahren sind bewusst so ausgelegt, dass sie auf unterschiedliche Standorte übertragbar sind.

Damit versteht sich die C-Factory Carbonbeton nicht als Einzelprojekt, sondern als Blaupause für eine neue Generation industrieller Bauprozesse.

Gelebter Forschungstransfer für den Klimaschutz

Der sächsische Wirtschaftsminister Dirk Panter würdigt das Vorhaben ausdrücklich: „Sachsen beweist: Klimaschutz und Wettbewerbsfähigkeit gelingen zusammen. Dass sich Gebäude künftig als CO2-Senke nutzen lassen, ist mit Blick auf die industrielle Transformation und den Klimaschutz revolutionär. Die C-Factory ist ein vorbildliches Beispiel für gelebten Forschungstransfer, sächsischen Innovationsgeist und Effizienzsteigerung.“

Auch die Verbindung von Hochschulforschung und Industrie ist zentraler Bestandteil des Projekts. Beide Geschäftsführer von Kahnt & Tietze, Dr.-Ing. Alexander Kahnt und Dr.-Ing. Matthias Tietze, stammen aus der wissenschaftlichen Arbeit an der HTWK Leipzig und der TU Dresden und verfolgen seit Jahren das Ziel, Carbonbeton aus der Forschung in die Praxis zu bringen.

C-Factory Carbonbeton und industrielle Skalierung durch die HTWK Leipzig

Das Forschungs- und Transferzentrum Leipzig e. V. der HTWK Leipzig spielt eine Schlüsselrolle bei der industriellen Skalierung. Prof. Dr.-Ing. Klaus Holschemacher, Direktor des Instituts für Betonbau, erklärt:
„Mit dem Carbonbetontechnikum Deutschland konnten wir in Leipzig die theoretischen Grundlagen, die im Rahmen der verschiedenen C3-Forschungsvorhaben zum Carbonbeton entstanden sind, mit den Anforderungen einer praxisnahen, automatisierten Herstellungstechnologie verknüpfen.“

Projektleiter Prof.-Dr.-Ing. Tilo Heimbold ergänzt: „Wir verfügen über langjährige Erfahrung in der Automatisierung von Fertigungsprozessen für die Industrie. Diese Erfahrung übertragen wir in diesem Projekt gezielt auf das Bauwesen, um die Produktivität und die Qualität zu steigern, zugleich die Emissionen zu senken.“

(HTWK / Heike van Ooyen)

Empfehlungen der Redaktion

Bezahlbarer Wohnraum in Münster: Neue Wege im Quartiersbau
Recycelter Beton für die Zukunft
KI verändert das Bau-Recycling
Nichts mehr verpassen: Hier geht‘s zur Anmeldung für den Bauingenieur-Newsletter…