Nachhaltigkeit 22.01.2020, 13:20 Uhr

Nachhaltiges Bauen zertifiziert

International wie national arbeiten Bauingenieure, Architekten und Bauherren daran, Gebäude nachhaltig zu bauen. Im deutschsprachigen Raum gibt es mehrere Zertifizierungssysteme, die erkennen lassen, ob ein Gebäude nachhaltig ist.

Beim Alnatura Campus stand das Thema nachhaltiges Bauen im Vordergrund. Nun ist das Projekt für den Deutschen Nachhaltigkeitspreis Architektur nominiert. Abb.: Roland Halbe

Beim Alnatura Campus stand das Thema nachhaltiges Bauen im Vordergrund. Nun ist das Projekt für den Deutschen Nachhaltigkeitspreis Architektur nominiert. Abb.: Roland Halbe

In Deutschland ist die Zertifizierung der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) das „Deutsche Gütesiegel Nachhaltiges Bauen“ weit verbreitet. 2009 entwickelte das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) zusammen mit der DGNB eine Grundsystematik zur Bewertung der Nachhaltigkeitsqualität von Gebäuden. Für das BMVBS reichte eine Zertifizierung für Bundesbauten. Die DGNB entwickelt die Idee weiter zu einem System zur Zertifizierung von verschiedenen Gebäuden. Mit sechs Themenfeldern deckt die Methode die wesentlichen Aspekte des nachhaltigen Bauens ab. In der Bewertung sind die drei Themenfelder Ökologie, Ökonomie, soziokulturelle und funktionale Aspekte gleichgewichtig. Mit den Themenfeldern Technik, Prozesse und Standort wird der Kreis geschlossen. Diese Themenfelder betrachten den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes.

Im Vordergrund der Bewertung des DGNB-Systems steht die Gesamtperformance des Gebäudes oder des Quartiers. Die Erfüllung der 37 Kriterien in den einzelnen Themenfeldern führen zum DGNB-Zertifikat. Dieses wird in Platin, Gold und Silber verliehen. Bei Bestandsgebäuden besteht die Möglichkeit, eine Auszeichnung in Bronze zu erhalten, wenn 35 Prozent Gesamterfüllungsgrad bestehen.  Zudem gibt es die Möglichkeit der Vorzertifizierung in der Planungsphase. Nach DGNB zertifiziert werden können Neubauten ebenso wie Bestandsimmobilien. Die Zertifizierung der DGNB läuft parallel zum Bauprozess. Unterstützt wird sie von einem Auditor.

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DGNB-Zertifizierung durch Erfahrung erneuert

In den letzten Jahren hat die DGNB ihre Erfahrungen aus dem Zertifizierungsprozess gebündelt und eine neue Version des DGNB-Zertifizierungssystems entwickelt. Aus dem Nachhaltigkeitsverständnis der DGNB entstanden sechs Kernthemen, die als Antworten auf die Zukunftsfragen in der Planungs- und Baupraxis dienen sollen: Der Mensch im Mittelpunkt, Circular Economy, gestalterische und baukulturelle Qualität, Sustainable Development Goals, EU-Konformität, Innovation.

BREEAM ist älteste Zertifizierung für Nachhaltigkeit

Die britische Zertifizierung BREEAM (Building Research Establishment Environmental Assessment Method) ist die älteste Zertifizierung, die die Nachhaltigkeit von Gebäuden auszeichnet. In Großbritannien wurde sie 1990 von der Organisation BRE (Building Research Establishment) eingeführt. Seit 2008 werden ebenso internationale Gebäude mit der Zertifizierung ausgezeichnet. Dies war ebenfalls der Zeitpunkt, ab dem BREEAM den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes beurteilte. Um die Nachhaltigkeit eines Gebäudes nachzuweisen, misst BREEAM nach zehn unterschiredlichen Hauptkriterien:

  • Energy,
  • Health and Wellbeing,
  • Innovation,
  • Land Use,
  • Materials,
  • Management,
  • Pollution,
  • Transport,
  • Waste,
  • Water.

In den einzelnen Kategorien werden Punkte verteilt, die zusammen die Beurteilung des Gebäudes ausmachen. Diese Faktoren beurteilen das Gebäude und seine Auswirkungen auf globaler, regionaler und lokaler Ebene.

Nachhaltige Planung und Umsetzung beurteilt

Der Zertifizierungsprozess erfolgt in unterschiedlichen Schritten. Nach der Voreinschätzung des Projektes wird die Planung des Projektes beurteilt. Daraufhin erfolgt die Zertifizierung der Planung. Nach dieser Auszeichnung findet eine baubegleitende Bewertung statt. Mit dem Zertifikat des Gebäudes schließt der Prozess ab und die Nachhaltigkeit ist nachvollziehbar.

International nachhaltig bauen nach LEED

Das international weit verbreitetste System zur Zertifizierung nachhaltiger Gebäude ist LEED (Leadership in Energy and Environmental Design). Es wurde 1998 vom US Green Building Council (USGBC) eingeführt. Gestartet wurde mit der Bewertung von Neubauten. Das LEED-Bewertungssystem nutzt sechs Hauptkategorien zur Einschätzung der Nachhaltigkeit der Gebäude:

  • Sustainable Sites,
  • Water Efficiency ,
  • Energy & Atmosphere,
  • Materials & Resources,
  • Indoor Environmental Quality ,
  • Innovation in Design.

Diese Kategorien bestehen aus unterschiedlichen Kriterien. Mindestens ein Kriterium der jeweiligen Kategorie muss für die Zertifizierung erfüllt sein, welches nicht in die Gesamtbewertung einfließt. Eine Punktevergabe erfolgt über die restlichen Kriterien. Ab 80 Punkten erfolgt die Zertifizierung Platin für nachhaltiges Bauen. Die anderen Bewertungen sind Zertifiziert, Silber und Gold. Bewertet wird das fertige Gebäude. Das System ist an US-amerikanische Normen angepasst, sodass manche der Kriterien in Deutschland nicht umsetzbar sind.

 

Von Heike van Ooyen

Heike van Ooyen, Redaktion Bauingenieur, hvanooyen@vdi-fachmedien.de