BIM 01.12.2016, 00:00 Uhr

BIM-Rollen im Bauunternehmen

Building Information Modeling (BIM) verändert nicht nur die Planungskultur, sondern schafft auch neue Verantwortlichkeiten. Dabei entstehen neue Projektrollen: BIM-Manager, BIM-Koordinator und BIM-Modellierer.

Damit die Projektbeteiligten bei BIM-Projekten auch räumlich zusammenarbeiten können, hat Wolff & Müller in der Stuttgarter Unternehmenszentrale den „BIG-Room“ eingerichtet. Abb.: WOLFF & MÜLLER

Damit die Projektbeteiligten bei BIM-Projekten auch räumlich zusammenarbeiten können, hat Wolff & Müller in der Stuttgarter Unternehmenszentrale den „BIG-Room“ eingerichtet. Abb.: WOLFF & MÜLLER

BIM führt zu einem Kulturwandel im Bauwesen: Die Beteiligten –. Architekt, Fachplaner und Bauunternehmen – müssen früher und enger als bisher zusammenarbeiten. Jeder hinterlegt seine Informationen zentral und durchgängig in einem Gebäudedatenmodell, auf das alle Partner zugreifen können. Diese Arbeitsmethode bringt auch neue Zuständigkeiten mit sich: Jedes BIM-Projekt braucht ein Team, das die gemeinsame Arbeit am virtuellen Modell steuert und koordiniert.

Teamstruktur nach BIM-Leitfaden

Der 2013 veröffentlichte „BIM-Leitfaden für Deutschland“ des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) nennt für BIM-Projekte beispielhaft drei Aufgabenbereiche: BIM-Management, BIM-Koordination und BIM-Gesamtkoordination. Während der BIM-Manager den Auftraggeber berät und die Rahmenbedingungen für den BIM-Prozess schafft, sind die BIM-Koordinatoren für die operative Umsetzung zuständig. Jeder Projektbeteiligte hat einen eigenen Koordinator. Bei Projekten mit einem Generalplaner oder Generalunternehmen wird zudem ein Gesamtkoordinator als Bindeglied zwischen Manager und Koordinatoren eingesetzt. Welche Fachdisziplin, welche Rolle übernimmt, hängt von verschiedenen Faktoren ab, etwa der Projektgröße, den BIM-Zielen des Bauherrn und der BIM-Erfahrung der einzelnen Beteiligten. Noch hat sich keine Zuordnung abschließend etabliert. So konkurrieren derzeit Projektsteuerer, externe BIM-Consulting-Unternehmen, Generalunternehmen und Architekten um die Rolle des BIM-Managers.

Neue Rollen im Bauunternehmen

Das Bauunternehmen Wolff & Müller arbeitet seit 2009 mit BIM und ist auch personell darauf eingestellt. BIM-Projekte werden von der Gruppe „Digitalisierung/BIM“ in der zentralen „Serviceeinheit Unternehmensentwicklung“ betreut. Hier arbeiten BIM-erfahrene Architekten und Tragwerksplaner in ihren Rollen als BIM-Manager und BIM-(Gesamt-)Koordinatoren, unterstützt von Bautechnikern als BIM-Modellierer.

Aufgaben des BIM-Managers

Ein BIM-Manager steuert und überwacht in der Regel mehrere BIM-Projekte und deren Bearbeitungsstände. Konkret berät er den Auftraggeber rund um die neue Arbeitsmethode und wirkt bei Startgesprächen mit. Er definiert die rechtlichen und technischen Spielregeln für das Projekt (BIM-Projektabwicklungsplan, BIM-BVB, BIM-Pflichtenheft). Unternehmensintern entwickelt er die Standards für die neue Arbeitsweise weiter, berät die Niederlassungen und unterstützt sie bei der Auswahl BIM-erfahrener Fachplaner.

Aufgaben des BIM-Koordinators

Als Generalübernehmer übernimmt das Bauunternehmen bei manchen Projekten auch die BIM-Gesamtkoordination. Der Gesamtkoordinator überwacht die BIM-spezifischen Planungsleistungen und unterstützt die Fachplaner bei der Modellierung in der Cloud. Er überprüft die verschiedenen Fachplaner-Modelle auf Kollisionen, die dann bei Jour-fixe-Terminen im Planungsteam besprochen werden. Zudem bereitet der Koordinator das Datenmodell für interne Zwecke auf, etwa für die Kalkulation und Ausschreibung oder zur Simulation des Bauablaufs.

Aufgaben des BIM-Modellierers

BIM-Modellierer werden vor allem für die modellbasierte Mengenermittlung in der Angebotsphase eingesetzt. Aus den Entwurfsplänen, die zu diesem frühen Zeitpunkt bereits vorliegen, erstellen sie ein detailliertes BIM-Modell. Aus diesem Modell kann das Bauunternehmen die Informationen und Planungsinhalte, die für ein Angebot benötigt werden, besonders effizient und exakt ableiten.

Anforderungen und Ausbildung

Für eine Position als BIM-Manager und BIM-Koordinator kommen IT-affine Architekten und Bauingenieure infrage. Bautechnisches Know-how und Berufserfahrung in der Projektleitung oder -abwicklung sind zwingend erforderlich, ebenso Erfahrungen aus bereits abgewickelten BIM-Projekten. Wolff & Müller bildet die eigenen BIM-Fachleute selbst aus – zum einen, weil das entsprechende Angebot an Fortbildungen begrenzt ist, aber auch, um innerhalb des Unternehmens ein einheitliches Verständnis der Methode sicherzustellen.

 

Von N. Brandmann

Dipl.-Ing. (FH) Niklas Brandmann, Leiter Digitalisierung/BIM der Service-Einheit Unternehmensentwicklung bei WOLFF & MÜLLER

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