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Der Hulk-Effekt: Wie eine Eidechse Italiens Evolutionsordnung zerlegt

09. Januar 2026

Der Hulk-Effekt: Wie eine Eidechse Italiens Evolutionsordnung zerlegt
Seit Millionen von Jahren haben die Männchen der Mauereidechse weiße, gelbe oder orangene Kehlen. Eine neue Form der Eidechse droht dieses Gleichgewicht nun zu zerstören. Foto: Smarterpix / mathiaspabst
Die „Hulk“-Eidechse verändert Italiens Evolution. Forschende belegen, wie eine aggressive neue Form uralte Farbstrategien innerhalb kürzester Zeit auslöscht.
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In Italien breitet sich eine neue Form der Mauereidechse aus, die wegen ihres Aussehens und Verhaltens „Hulk“ genannt wird. Diese Variante zerstört ein Millionen Jahre altes Gleichgewicht aus drei verschiedenen Farbtypen. Durch ihre Aggressivität und veränderte soziale Dynamik verdrängt sie gelbe und orangefarbene Kehlvarianten, sodass fast nur noch weiße Kehlen übrig bleiben.

Inhaltsverzeichnis

Der Hintergrund

In der Natur gelten oft Regeln, die über Jahrmillionen Bestand haben. Ein solches System beobachteten Fachleute lange Zeit bei den mediterranen Mauereidechsen in Italien. Die Männchen dieser Art nutzen drei verschiedene Farben an ihrer Kehle: Weiß, Gelb oder Orange.

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Diese Färbungen sind kein Zufall der Natur. Sie signalisieren unterschiedliche Lebensweisen und Fortpflanzungstaktiken. Dieses System blieb über Eiszeiten hinweg stabil und trotzte massiven Umweltveränderungen. Doch nun bricht diese Ordnung in weiten Teilen Italiens zusammen.

Ein neuer Akteur betritt die Fläche

Verantwortlich für diesen Wandel ist eine neue Variante der Mauereidechse, die ihren Ursprung in der Region um Rom hat. Wegen ihres markanten grün-schwarzen Musters und ihrer körperlichen Überlegenheit gaben Forschende ihr den Spitznamen „Hulk“. Diese Tiere sind nicht nur größer als ihre Artgenossen, sie treten auch deutlich aggressiver auf. Ein entscheidender Unterschied liegt jedoch in ihrer Optik: Die „Hulk“-Form besitzt ausschließlich eine weiße Kehle.

Ein Team aus internationalen Forschenden untersuchte diesen Prozess nun genauer. Sie werteten Daten von 220 verschiedenen Populationen in Italien aus. Das Ergebnis ist eindeutig. Prof. Tobias Uller von der Universität Lund in Schweden, der Erstautor der Studie, erklärt die Situation: „Überall, wo sich diese grün-schwarzen „Hulk“-Eidechsen ausbreiten, verschwinden die gelben und orangenen Kehlfarben.“ Ganze Regionen, in denen früher eine bunte Vielfalt herrschte, werden heute fast vollständig von Tieren mit weißen Kehlen dominiert.

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Profilbild einer männlichen Mauereidechse mit „Hulk“-Aussehen
Profilbild einer männlichen Mauereidechse mit „Hulk“-Aussehen.

Die genetische Analyse des Wandels

Der Verlust der Vielfalt betrifft nicht nur die direkte Linie der „Hulk“-Eidechsen. Wenn sich diese Form mit benachbarten Gruppen vermischt, verschwinden auch dort die gelben und orangen Farben. Um die Ursachen zu klären, analysierten die Fachleute umfangreiche Genomdaten. Sie wollten wissen, ob die Gene für das grün-schwarze Muster und die weiße Kehle physikalisch so eng miteinander verbunden sind, dass sie nur gemeinsam vererbt werden können.

Die Ergebnisse widersprechen dieser Vermutung. Dr. Nathalie Feiner vom Max-Planck-Institut für Evolutionsbiologie, die an der Studie beteiligt war, ordnet die Funde ein: „Nur weil wir über detailliertes Wissen darüber verfügten, wie die grün-schwarze Form und die Kehlfarbe genetisch kodiert sind, konnten wir die Zusammenhänge herstellen.“ Die Analyse zeigt, dass es sich nicht um ein einfaches genetisches „Mitziehen“ handelt. Stattdessen verändern die neuen Merkmale die Dynamik innerhalb der Gruppen massiv.

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Wenn soziale Regeln das Spiel beenden

Das Verschwinden der Farben ist also kein rein mechanischer Gendefekt, sondern das Resultat veränderter Konkurrenzbedingungen. Die gesteigerte Aggressivität der „Hulk“-Variante sorgt dafür, dass die bisherigen sozialen Strategien der gelben und orangen Männchen nicht mehr funktionieren. In der Vergangenheit konnten diese unterschiedlichen Taktiken nebeneinander existieren, weil sie jeweils spezifische Vorteile boten. Die neue Form stört dieses Gleichgewicht jedoch empfindlich.

Associate Professor Geoff While von der University of Tasmania leitete die Untersuchung. Er sieht in der Aggressivität den entscheidenden Faktor: „Während sich die „Hulk“-Form ausbreitet, scheint sie grundlegend zu verändern, wie Eidechsen miteinander interagieren.“ Sobald sich die Bedingungen für den Erfolg bei der Paarung und im Kampf um Reviere verschieben, bricht das gesamte System zusammen. While zieht ein deutliches Fazit: „Als sich die Regeln des Spiels änderten, brach das Spiel selbst zusammen.“

Die Fragilität der Evolution

Dieser Vorgang ist für die Biologie von großer Bedeutung. Farbpolymorphismen, also das Vorkommen verschiedener Farben innerhalb einer Art, gelten normalerweise als Musterbeispiel für langfristige Stabilität. Sie zeigen, wie die Evolution Vielfalt über Millionen von Jahren bewahren kann. Die aktuelle Studie liefert hier eine wichtige Gegenperspektive. Sie belegt, dass selbst sehr alte Gleichgewichte in der Natur verwundbar sind.

Wenn neue Merkmale auftreten, die das Verhalten und den sozialen Wettbewerb beeinflussen, kann eine etablierte Vielfalt schnell verloren gehen. Ein einziger dominanter Neuzugang reicht aus, um die Überlebenschancen anderer Strategien auf Null zu senken. Die Evolution ist somit kein Prozess, der zwangsläufig ein Gleichgewicht hält. Sie kann stattdessen durch neue biologische Einflüsse innerhalb kurzer Zeit in eine völlig neue Richtung gelenkt werden.

Hier geht es zur Originalpublikation



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