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„Europa hinkt bei KI hinterher“, aber dieser Chip-Erfinder sieht eine Chance

02. Juli 2026

Erfinder Evangelos Eleftheriou
Finalist beim Europäischen Erfinderpreis: Evangelos Eleftheriou hält zahlreiche Patente für Speichertechnologie. Jetzt will er mit einem KI-Startup Europa technologisch souverän machen. Foto: Europäisches Patentamt
Evangelos Eleftheriou, Co-Gründer von Axelera AI, erreicht das Finale des Europäischen Erfinderpreises mit KI-Beschleunigern und innovativer Speichertechnik.
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Evangelos Eleftheriou arbeitete lange in der Forschungsabteilung von IBM, bevor er 2021 ein Start-Up für KI-Beschleuniger-Chips mitgründete, Axelera Ai. In der Kategorie Industrie war er einer von drei Finalisten für den europäischen Erfinderpreis. Eleftheriou hat mehrere Patente rund um Speichertechnologie – vom Magnetband über die Festplatte bis zum KI-Chip-Speicher. Der Erfinderpreis zeichnet Forscher mit besonders relevanten Patenten für ihren Beitrag zum technischen Fortschritt aus.

Inhaltsverzeichnis

Herr Eleftheriou, sie haben Ihr Leben der Verbesserung von Speichertechnologie gewidmet und halten dort zahlreiche Patente. Bei uns Menschen speichert das Gehirn Erinnerungen. Was ist von Ihnen gespeichert, in den Erinnerung der Menschen aus ihrem Team?

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Eleftheriou: Ich bin konzentriert und wenn ich mir etwas in den Kopf gesetzt habe, dann sorge ich dafür, dass das hundertprozentig erfolgreich wird. Ich bin bekannt dafür, sehr ausdauernd zu sein und gehe auch die Extrameile, wenn ich von der Wichtigkeit einer Erfindung überzeugt bin und möchte, dass sie erfolgreich für das Gute eingesetzt werden kann.

Welche Erfindungen waren das in Ihrer Vergangenheit?

Ich bin auf alles stolz, was ich bei IBM gemacht habe. Das beginnt mit magnetischen Speichertechniken, die als „noise predictive maximum likelyihood detection“ bekannt sind. Dabei verbessert man das Speichersignal auf magnetischen Festplatten, indem das Rauschen analysiert und mit einbezogen wird. Das war in den 90ern. Das Festplattengeschäft von IBM wurde 2002 an Hitachi verkauft. Anschließend habe ich dieses Know-how zu den Magnetbändern übertragen, die bis heute ein wichtiger Geschäftsteil von IBM sind.

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Diese „uralte Technologie“ wird ja selbst heute immer noch für Backups oder die Archivierung von Unternehmensdaten genutzt. Warum ist es aus Ihrer Sicht wichtig Daten lange zu speichern?

Was digital gespeichert ist, ist unser kollektives Gedächtnis. Und da wollen wir sicherstellen, dass die Informationen bewahrt bleiben. Wenn Archäologen etwas ausgraben, versuchen sie zu entschlüsseln, was es ist, wofür es benutzt wurde oder was die Schriftzeichen darauf bedeuten. Diese gespeicherten Daten bilden unser kollektives Vermächtnis, zum einen um zu verstehen wer wir sind, zum anderen um zu verstehen warum Dinge passiert sind und um künftig bessere Entscheidungen zu treffen.

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Wie das Erfinden funktioniert

Sie sind für den europäischen Erfinderpreis nominiert. Wie läuft das bei Ihnen mit dem Erfinden? Haben Sie plötzlich einen Geistesblitz?

Nein, Erfinden ist ein kontinuierlicher Prozess. Es gibt keine Einzelerfindung, die plötzlich alle Probleme löst. Klar hat man zuerst eine gute Idee, aber man muss im gesamten weiteren Designprozess erfinderisch bleiben. Nur so finden sich Lösungen für alle Probleme, mit denen man dann sein Design oder System nach und nach weiter verbessert.

Da kommt Ihre Ausdauer ins Spiel. Nutzen Sie beim Erfinden auch KI-Chatbots?

Ja, manchmal zur Recherche. Es ist eben viel einfacher, als Stunden bei Google zu suchen, oder in den Bibliotheken, wie ich es in jungen Jahren noch machen musste. Jetzt schreibe ich einfach die Frage, z. B. was meine Wettbewerber machen und bekomme direkt eine Antwort, die deren neueste Ankündigungen enthält.

Als CTO eines Start-Ups beschäftigen Sie sich auch noch immer mit Speichertechnik, aber heute mit solcher für KI-Hardware.

Meine neueste Arbeit drehte sich um sogenanntes Phase-Change-Memory (PCM). Das ist eine Technologie für Bauteile, die Information in unserem Fall digtital – also in Einsen und Nullen – nicht nur speichern, sondern auch damit rechnen können. Dazu haben mein Team und ich zwei wichtige Paper veröffentlicht. Im einen ging es darum, wie man solche PCM-Zellen als künstliches Neuron nutzen kann, angelehnt an unsere Nervenzellen im Gehirn. Und beim zweiten ging es darum, direkt im Speicher zu rechnen, statt wie bisher einen eigenen Prozessor dafür verwenden zu müssen. So rechnet auch unser Gehirn, und das ist extrem energieeffizient. Das war auch die technologische Grundlage für mein Start-Up Axelera AI, das ich 2021 mitgegründet habe.

Technologiesprung dank grundlegend neuer Speichertechnik

Axelera entwirft KI-Beschleuniger-Chips. Zwar gibt es größere Konkurrenz in Israel (Hailo) und Großbritannien (Graphcore), innerhalb der EU-Grenzen ist die Firma jedoch der größte KI-Chipentwickler mit annähernd 250 Mitarbeitenden. Warum haben Sie damals gegründet?

Ich hatte das Gefühl, dass dieses neue Computer-Paradigma, also direkt im Speicher zu rechnen und nicht nur mit dem Prozessor, ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal in der neuen Ära der KI sein wird. Denn es wird die Hardware, auf denen neuronale Netzwerke für KI laufen, deutlich energieeffizienter und günstiger machen. Das Konzept ist etwas grundlegend Neues und ich hoffte, dass ich diesen Technologiesprung in die Gesellschaft und auf den Markt bringen kann.

Könnte ein solcher Technologiesprung eine Chance für Europa sein, bei der KI-Technologie wieder aufzuholen?

Absolut ja. Die Europäische Union hinkt bei KI-Technologie hinterher. Um hier wieder technologische Souveränität zu gewinnen, braucht es Firmen wie uns, die Spitzentechnologie entwickeln. Seit 2025 haben wir ein Produkt auf dem Markt. Denn es reicht nicht, eine Technologie nur zu entwickeln, es braucht auch Firmen, die sie in den weltweiten Markt bringen. Wir müssen das Gleiche, wie ASML für die Chipproduktion, in anderen Bereichen schaffen, bei KI-Beschleunigern und KI-Halbleitern. Die Firma sitzt in den Niederlanden und ist Weltmarktführer für präzise Lithographie zur Chipherstellung.

Warum Europa im KI-Rennen wieder aufholen kann

IT, die dem Gehirn nachempfunden ist, steht unter dem Überbegriff des neuromorphen Computings. Sie glauben also, dass dieses Technologiefeld die Zukunft der KI ist und eines, auf dem das Rennen noch nicht entschieden ist. Denken Sie, dass Europa so wieder aufholen kann?

Ich glaube es geht, weil wir die notwendige intellektuelle Kraft in Europa haben, mit den besten Universitäten und Schulen weltweit. Europäische Ingenieure und Forschende sind weltweite Spitze. Die Europäer sind aber etwas risikoscheu, was ein Problem ist. Denn wir müssen einen großen Sprung machen. Damit das gelingt, müssen wir unseren Leuten vertrauen und in sie investieren. Das wird dann den notwendigen Unterschied machen.

Dazu müsste Europa aber an einem Strang ziehen.

Das stimmt. Es muss eine politische Lösung geben, damit die Bürokratie den Fortschritt nicht aufhält. Denn das Ziel ist ja, dass Europa seine technologische Souveränität zurückgewinnt. Wir sind zwar in der EU eine wirtschaftliche Union, aber noch keine politische.

Infos zu den andern beiden Finalisten finden Sie hier. Einmal Prüfkarten aus Italien und einmal ein Protein für Hafermilch aus Schweden und Griechenland. Update: Gewinner der Kategorie Industrie war dieses 2026 nicht Elefterious, sondern ​​Angeliki Triantafyllou​ mit enzymatischer Herstellung von Hafermilch.



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